Ulm/Neu-Ulm:

wolkig

wolkig
18°C/10°C

Showtänze und Schunkelrunden

Ratzen und hingerichtete Gurken, eine entsetzte Prinzessin, der die Hand abgehackt werden sollte, Büttenreden zwischen Brillanz und Anzüglichkeiten: das Programm der Karnevalsgesellschaft Goldene Elf.

BEATE STORZ |

Da glaubt man, Wunder weiß, wer als Ehrengast kommt. Und dann ist es eine fiese schwarze Ratte. Zugegeben, in Wirklichkeit eine nette Ratte mit großen Ohren und kurzem Rock. Aber eben ein Ratz. Und er (oder: sie?) stellte sich vor mit "I bin d"r Neu-Ulmer Ratz. Und i bin schwarz." Nichts Genaues weiß man nicht, auch wenn der Ratz die Wahrheit spricht. Er sprach viel und er sprach laut, aber nichts über seine Identität.

Erst ganz zum Schluss der Büttenrede, da wurden die rund 200 Gäste im locker gefüllten Edwin-Scharff-Haus aufgeklärt: Der Ratz ist eine Sie, heißt Merk, war mal Oberbürgermeister in Neu-Ulm und ist jetzt in München für die freistaatlich-bayerische Justiz zuständig.

Mit leicht giftiger Zunge und zuweilen einem Anflug von Brillanz geißelte Beate Merk den dopenden Radler Lance Armstrong, Peer Steinbrücks Gier nach Geld, die virtuelle Facebook- und SMS-Generation und deren real lebende Vertreter, die Piratenpartei, "die auf nicht gestellte Fragen eine Antwort haben". Mit Blick auf die aktuelle Debatte um den Denkmalschutz sprach sie von der "kernsanierten Innenstadt" Neu-Ulms. Sie fand lobende Worte für Angela Merkel und ätzte über Seehofers potenzielle Nachfolger. Die, so Merk, seien in einer ähnlichen Position wie Prinz Charles am englischen Königshaus, der schon ewig auf die Thronfolge wartet.

Natürlich wurde nicht nur gebüttet. Zum 20-jährigen Bestehen der Karnevalsgesellschaft Goldene Elf gab es ein vielfältiges Programm aus Showtanzeinlagen, Ehrungen, Marschtänzen, Schunkelrunden, ein Bauchredner redete aus dem Bauch heraus, und ein Clown durfte nicht fehlen. Beim Marschtanz zur Melodie von Liza Minellis Musical-Song Cabaret tanzte, was außergewöhnlich ist, auch ein Junge mit, und er machte seine Sache prima.

Ein weiterer Höhepunkt war der Showtanz Lucky Luke zu Country-Melodien aus Western-Filmen, und das Tanzpaar Bianca Müller und Armin Vorwerk warf die Beine unglaublich in die Höhe. Der Rathausnarr, Stadtrat Hans-Walter Roth, hielt seine Bütt "Berliner Kindergarten" und erging sich verbal in ansatzweise anzüglichen Vergleichen der großen Politik mit Oberweiten, Bikinihöschen und Büstenhaltern - aber in der Fasnet darf man das.

Durch das Programm, quasi als Conferencier, führte der Sitzungspräsident der Goldenen Elf, Hans-Peter Behm. Seine Witzchen waren zum Schmunzeln, als er zum Beispiel nach dem Unterschied zwischen Oberbürgermeister Ivo Gönner und einem Mofa fragte. Antwort: Das Mofa kann man noch frisieren. Recht gut waren seine Einlagen als Zauberkünstler, und zum Schießen sein Hantieren mit der Miniatur-Guillotine, mit der er einem prinzessinnenhaften Wesen aus dem Publikum die linke Hand abhacken wollte. Zunächst nahm er ihr den Schmuck weg ("Den brauchen Sie ja nicht mehr"). Die Generalprobe glückte, als Behm zwei Hollandgurken entschlossen hinrichtete: "Eine Klinge, zwei Gurken, vier Teile", verkündete der Henker stolz.

Immer wieder hielt er sein Versuchskaninchen hin, in Inspector-Columbo-Art: "Ich habe noch etwas vergessen!" Und als das Fallbeil auf die sichtlich zermürbte und entsetzte Publikumsprinzessin herabrauschte, war es erneut die Gurke, deren Einheit in eine Zweiheit zerrissen wurde. Das Publikum tobte, und Scharfrichter Behm musste den einkassierten Schmuck nolens volens zurückgeben.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Nürnberger Delfinbaby steht auf ...

Am Wochenende hat das Delfinbaby des Nürnberger Tiergartens zum ersten Mal einen gefrorenen Wasserwürfel geschluckt.

Rund acht Monate ist Delfinbaby Nami jetzt alt. Zusammen mit den anderen Delfinen des Nürnberger Tiergartens tollt es durch die Becken. Noch trinkt das Jungtier ausschließlich Muttermilch, entdeckt aber gerade neue Vorlieben. Kein Wunder bei der Hitze. mehr

Der letzte Kinoplakate-Maler ...

In seinem Atelier in Athen legt Vassilis Dimitriou letzte Hand an sein Porträt des Filmstars an der Seite von Ethan Hawke. Dimitriou ist 80, seit sechseinhalb Jahrzehnten malt er Kinoplakate. mehr

Die skurrilsten Bitten an den ...

Alltagsärgernis Waschetikett: Die Zettel in der Kleidung sollten abgeschafft werden, forderte ein Antragsteller in einer Petition an den Bundestag.

Jeder in Deutschland kann sich mit einer Petition an den Bundestag wenden. Hier die fünf skurrilsten Beschwerden aus dem Jahr 2014 und was draus geworden ist. mehr