Shakespeare mit Wolkenbruch "Ein Sommernachtstraum"?

Also, die erste Premiere des Theatersommers auf der Wilhelmsburg ging am Samstagabend im Wolkenbruch zu Ende. Ein Wetterspektakel mit Blitz und Donner. Freilichttheater mit Knalleffekten.

Aber die Premiere ging kurz nach elf tatsächlich zu Ende: Die Schauspieler hielten in strömendem Regen tapfer durch und erhielten dafür von den rund 1100 Zuschauern auf den überdachten Tribünen großen Applaus. "Ein Sommernachtstraum" war allerdings auch die Inszenierung des Intendanten Andreas von Studnitz nicht gerade, jedenfalls war der Shakespeare-Anteil dieser Ulmer Klassiker-Kurzfassung eher gering.

"Love" steht auf dem Riesenbühnentuch - das der Sturm dann kräftig aufwirbelte. Aber weniger die romantische Liebe oder das Gefühlslabyrinth, in dem sich die Menschen verirren, als die pure Geilheit des Personals in seinen knallig-spaßigen Kostümen interessiert den Regisseur. Schön ulkig verwirrend: Puck, der von Ulla Willick großartig dargestellte Elfe, kommt als die knarzende Queen daher, die in der Handtasche nicht nur den Flachmann, sondern auch die Zaubertropfen herauskramt. Aber warum ist Puck die alte Queen, und warum Oberon ein greinendes Baby?

3 Kommentare

07.06.2015 13:15 Uhr

Sommernachtsalptraum

ein sommernachts-alp-traum – oder: shakespeares rache

sehr geehrter herr von studtnitz,

shakespeares rache kam etwas spät – vielleicht ist sein draht zu petrus doch nicht ganz so kurz. Aber immerhin hat das einbrechende gewitter das publikum vor peinlichem höflichkeitsapplaus bewahrt.
Es stellen sich nach dieser premiere des stücks: ein sommernachtstraum (handlungsidee shakespeare, text: von studtnitz) viele fragen, die sich in einer zusammenfassen lassen:
warum?
Kann man dem ulmer publikum keinen „original“text in einer sehr guten übersetzung, zum beispiel von frank günther oder erich fried zumuten? Man fühlt sich dramatisch entmündigt.

Oberon:
„Ich weiß den Ort, wo wilder Enzian blaut,
wo Thymian blüht und Goldklee, Moschuskraut
Und süße Wolfsmilch wächst, wo Anemonen,
Jasmin und Mohn im Geißblattschatten wohnen.
Dort schläft Titania manche Nacht und liegt
Von Tanz und Lied in Blumen eingewiegt.
Smaragdner Schlangen buntes Schuppenkleid
Liegt dort – als Elfenmantel viel zu weit. ...“

“I know a bank where the wild thyme blows,
Where oxlips and the nodding violet grows,
Quite over-canopied with luscious woodbine,
With sweet musk-roses and with eglantine.
There sleeps Titania sometime of the night,
Lull’d in these flowers with dances and delight;
And there the snake throws her enamell’d skin,
Weed wide enough to wrap a fairy in…”

Wie kein zweiter hat es shakespeare verstanden durch hinreißend schöne sprache und wohltuenden ordnenden rhythmus, der nur bei den handwerkern und in den sehr emotionalen szenen zwischen den liebenden aufgehoben wird, sein publikum, das arme ungebildete wie das reiche kunstsinnige, schon seinerzeit in dieses sommernächtliche zauberreich zu entführen...
Das bemühte sprachliche pfuschwerk diente allein dazu, das publikum zu langweilen – eine anbiederung an einen so nicht vorhandenen zeitgeschmack - wie ich aus kommentaren meines umfelds am premierenabend auf der wilhelmsburg entnehmen konnte. Mit shakespeare hatte das so nichts mehr zu tun. Allein die handwerker, die sich eines shakespeare-ähnlichen textes befleißigten, waren eben genau deshalb am interessantesten – auch wenn hier die wortspielereien zum thema „esel“ etwa ebenso viel zu kurz kamen.
So blieb das spannendeste am abend der dramatische vorgewitterhimmel in grün und das schließlich losbrechende gewitter.
Ein traum von poesie wurde verhackstückt und damit zerstört – da tun dem zuschauer oder der zuschauerin die schauspiler und schauspielerinnen leid, die sich an so etwas abarbeiten müssen und im wahrsten wortsinn im regen stehen gelassen werden.
Auf andere merkwürdige inszenierungsideen soll hier nicht eingegangen werden.
Lieber Herr von Studtnitz, gehen Sie ins royal shakespeare theatre nach stratford oder ins globe theatre in london und überzeugen Sie sich davon, wie sich ein auch durchaus sehr junges publikum köstlich amüsieren kann, gerade WEIL der text von shakespeare ist.
R. Schöttge

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07.06.2015 13:14 Uhr

Sommernachts-alp-traum

ein sommernachts-alp-traum – oder: shakespeares rache

sehr geehrter herr von studtnitz,

shakespeares rache kam etwas spät – vielleicht ist sein draht zu petrus doch nicht ganz so kurz. Aber immerhin hat das einbrechende gewitter das publikum vor peinlichem höflichkeitsapplaus bewahrt.
Es stellen sich nach dieser premiere des stücks: ein sommernachtstraum (handlungsidee shakespeare, text: von studtnitz) viele fragen, die sich in einer zusammenfassen lassen:
warum?
Kann man dem ulmer publikum keinen „original“text in einer sehr guten übersetzung, zum beispiel von frank günther oder erich fried zumuten? Man fühlt sich dramatisch entmündigt.

Oberon:
„Ich weiß den Ort, wo wilder Enzian blaut,
wo Thymian blüht und Goldklee, Moschuskraut
Und süße Wolfsmilch wächst, wo Anemonen,
Jasmin und Mohn im Geißblattschatten wohnen.
Dort schläft Titania manche Nacht und liegt
Von Tanz und Lied in Blumen eingewiegt.
Smaragdner Schlangen buntes Schuppenkleid
Liegt dort – als Elfenmantel viel zu weit. ...“

“I know a bank where the wild thyme blows,
Where oxlips and the nodding violet grows,
Quite over-canopied with luscious woodbine,
With sweet musk-roses and with eglantine.
There sleeps Titania sometime of the night,
Lull’d in these flowers with dances and delight;
And there the snake throws her enamell’d skin,
Weed wide enough to wrap a fairy in…”

Wie kein zweiter hat es shakespeare verstanden durch hinreißend schöne sprache und wohltuenden ordnenden rhythmus, der nur bei den handwerkern und in den sehr emotionalen szenen zwischen den liebenden aufgehoben wird, sein publikum, das arme ungebildete wie das reiche kunstsinnige, schon seinerzeit in dieses sommernächtliche zauberreich zu entführen...
Das bemühte sprachliche pfuschwerk diente allein dazu, das publikum zu langweilen – eine anbiederung an einen so nicht vorhandenen zeitgeschmack - wie ich aus kommentaren meines umfelds am premierenabend auf der wilhelmsburg entnehmen konnte. Mit shakespeare hatte das so nichts mehr zu tun. Allein die handwerker, die sich eines shakespeare-ähnlichen textes befleißigten, waren eben genau deshalb am interessantesten – auch wenn hier die wortspielereien zum thema „esel“ etwa ebenso viel zu kurz kamen
So blieb das spannendeste am abend der dramatische vorgewitterhimmel in grün und das schließlich losbrechende gewitter.
Ein traum von poesie wurde verhackstückt und damit zerstört – da tun dem zuschauer oder der zuschauerin die schauspiler und schauspielerinnen leid, die sich an so etwas abarbeiten müssen und im wahrsten wortsinn im regen stehen gelassen werden.
Auf andere merkwürdige inszenierungsideen soll hier nicht eingegangen werden.
Lieber Herr von Studtnitz, gehen Sie ins royal shakespeare theatre nach stratford oder ins globe theatre in london und überzeugen Sie sich davon, wie sich ein auch durchaus sehr junges publikum köstlich amüsieren kann, gerade WEIL der text der von shakespeare – oder, hier in deutschland, einer kongenialen übersetzung – ist.

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07.06.2015 13:12 Uhr

Sommernachtsalptraum

ein sommernachts-alp-traum – oder: shakespeares rache

sehr geehrter herr von studtnitz,

shakespeares rache kam etwas spät – vielleicht ist sein draht zu petrus doch nicht ganz so kurz. Aber immerhin hat das einbrechende gewitter das publikum vor peinlichem höflichkeitsapplaus bewahrt.
Es stellen sich nach dieser premiere des stücks: ein sommernachtstraum (handlungsidee shakespeare, text: von studtnitz) viele fragen, die sich in einer zusammenfassen lassen:
warum?
Kann man dem ulmer publikum keinen „original“text in einer sehr guten übersetzung, zum beispiel von frank günther oder erich fried zumuten? Man fühlt sich dramatisch entmündigt.

Oberon:
„Ich weiß den Ort, wo wilder Enzian blaut,
wo Thymian blüht und Goldklee, Moschuskraut
Und süße Wolfsmilch wächst, wo Anemonen,
Jasmin und Mohn im Geißblattschatten wohnen.
Dort schläft Titania manche Nacht und liegt
Von Tanz und Lied in Blumen eingewiegt.
Smaragdner Schlangen buntes Schuppenkleid
Liegt dort – als Elfenmantel viel zu weit. ...“

“I know a bank where the wild thyme blows,
Where oxlips and the nodding violet grows,
Quite over-canopied with luscious woodbine,
With sweet musk-roses and with eglantine.
There sleeps Titania sometime of the night,
Lull’d in these flowers with dances and delight;
And there the snake throws her enamell’d skin,
Weed wide enough to wrap a fairy in…”

Wie kein zweiter hat es shakespeare verstanden durch hinreißend schöne sprache und wohltuenden ordnenden rhythmus, der nur bei den handwerkern und in den sehr emotionalen szenen zwischen den liebenden aufgehoben wird, sein publikum, das arme ungebildete wie das reiche kunstsinnige, schon seinerzeit in dieses sommernächtliche zauberreich zu entführen...
Das bemühte sprachliche pfuschwerk diente allein dazu, das publikum zu langweilen – eine anbiederung an einen so nicht vorhandenen zeitgeschmack - wie ich aus kommentaren meines umfelds am premierenabend auf der wilhelmsburg entnehmen konnte. Mit shakespeare hatte das so nichts mehr zu tun. Allein die handwerker, die sich eines shakespeare-ähnlichen textes befleißigten, waren eben genau deshalb am interessantesten – auch wenn hier die wortspielereien zum thema „esel“ etwa ebenso viel zu kurz kamen.
So blieb das spannendeste am abend der dramatische vorgewitterhimmel in grün und das schließlich losbrechende gewitter.
Ein traum von poesie wurde verhackstückt und damit zerstört – da tun dem zuschauer oder der zuschauerin die schauspiler und schauspielerinnen leid, die sich an so etwas abarbeiten müssen und im wahrsten wortsinn im regen stehen gelassen werden.
Auf andere merkwürdige inszenierungsideen soll hier nicht eingegangen werden.
Lieber Herr von Studtnitz, gehen Sie ins royal shakespeare theatre nach stratford oder ins globe theatre in london und überzeugen Sie sich davon, wie sich ein auch durchaus sehr junges publikum köstlich amüsieren kann, gerade WEIL der text von shakespeare ist.
R. Schöttge

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Themenschwerpunkt

Theatersommer auf der Wilhelmsburg

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