Sexuellem Missbrauch auf die Spur kommen
Ulm/Rom. Auf einer Tagung der katholischen Kirche in Rom präsentieren Ulmer Forscher ein Lernprogramm für Kirchenmitarbeiter. Wie erkennt man Missbrauch?
Wissenschaftler der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie stellen heute auf einem internationalen Kongress der katholischen Kirche zum Thema "sexueller Missbrauch" in Rom die Arbeit des kürzlich gegründeten "Zentrums für Kinderschutz" vor. Das von der Päpstlichen Universität Gregoriana an der Erzdiözese München-Freising zusammen mit der Ulmer Gruppe geführte Zentrum erarbeitet ein E-Learning-Konzept, das kirchlichen Mitarbeitern helfen soll, in ihren Einrichtungen sexuellem Missbrauch vorzubeugen.
Wie können Priester, Diakone oder ehrenamtliche Mitarbeiter die Risiken für möglichen sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen erkennen und mindern? Wie lässt sich ein angemessenes Gespräch über einen Verdachtsfall führen? Welche Möglichkeiten gibt es, Betroffenen zu helfen? Das am 20. Januar 2012 eröffnete "Zentrum für Kinderschutz" erarbeitet in den kommenden drei Jahren ein multimediales Konzept, das kirchliche Mitarbeiter im Umgang mit diesen Fragen schult. Es umfasst Videosequenzen, Gesprächstraining, Bausteine zur Selbstreflexion und Tests.
Das Konzept ist eines der Kernthemen des Kongresses, zu dem mehr als 200 Vertreter von Bischofskonferenzen, katholischen Orden sowie Psychologen und Kirchenrechtler aus aller Welt in der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom erwartet werden.
"Wir haben in den letzten Jahren ein internationales Netzwerk zu den Themenbereichen seelische Gesundheit und Kinderschutz aufgebaut", sagt Prof. Jörg Fegert, Chef der Ulmer Kinderpsychiatrie. "Die weltumspannende katholische Kirche nutzt dieses Netzwerk nun, um sich dem Thema des sexuellen Missbrauchs zu stellen. Dabei gelte es, die interaktiven Lerninhalte auf die besondere Zielgruppe im kirchlichen Umfeld auszurichten und sie dem weltweiten Einsatz anzupassen.
Andere Kulturen und Traditionen in aller Welt erforderten angepasste Lerninhalte. "Um sie zu entwickeln, werden wir die Situation in verschiedenen Entwicklungs- und Schwellenländern analysieren", sagt der Direktor des Münchner Zentrums für Kinderschutz, der Ulmer Wissenschaftler Prof. Hubert Liebhardt. Ziel sei es, künftig eine Kultur des Hinsehens und des Dialogs zu fördern.
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Autor: EB | 07.02.2012
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