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Seit 20 Jahren fliegen die Wurstsemmeln

Auf Schwäbisch brachte die Combo "Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle" mit ihren Stücken beste Stimmung ins Roxy. Dabei gab es kaum ein Instrument, das die Musiker nicht beherrschten.

LENA HERRMANN | 0 Meinungen

"Regnet es draußen, oder klatschen die Leute?", fragten sich die Musiker von Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle noch zu Beginn des Konzertes im Roxy. Spätestens als alle Zuschauer im vollbesetzten Saal zu Schunkeln begannen und aus voller Kehle das Mitsingen anfingen, konnten sich Manne, Flex, Selle und Benny sicher sein, dass ihr Repertoire aus 20 Jahren noch ordentlich für Stimmung sorgt.

Über zwei Stunden lieferten die vier Musiker einen Lacher nach dem anderen. Im feinsten Schwäbisch gab es für das Publikum eine bunte Mischung aus ihren Programmen der vergangenen Jahre. Die Gruppe selbst beschrieb das Gebotene sowohl als "Altes, das nicht mehr ganz so gut funktioniert", als auch als "Neues, das halt auch noch nicht so ganz funktioniert".

Locker führte sie mit zahlreichen persönlichen Geschichten durch das abwechslungsreiche Programm. Dabei wurde das Roxy ins Rotlichtmilieu transportiert, "ausschließlich zu Nebelzwecken" auf der Bühne geraucht und fleißig das Lispeln geübt. "Bier auf und nei in dr Grend" lautete hier das Motto.

Doch neben frechen Sprüchen lieferten die Stumpfes auch Musik in bester Qualität: Volksmusik folgte auf Blues, Jazz wechselte sich mit Rock ab, hier und da wurde noch etwas geswingt. Beeindruckend, wie die Musiker teilweise im Minutentakt die Instrumente wechselten - es gab kaum etwas, das von ihnen nicht gezupft oder gezogen werden konnte. Neben Stücken mit Gitarre, Kontrabass, Trompete und Akkordeon sangen Manne, Flex, Selle und Benny auch in Begleitung von Klavier, Posaune und Klarinette. Glockenspiel, Kindersaxofon und Waschbrett kamen ebenso zum Einsatz.

Vielleicht lag es an den neuen roten Socken, die sich Benny extra zugelegt hatte, denn "nach 20 Jahren Dauertragen musste man die alten schon richtig vom Fuß abschaben". Oder an den kühlen Blonden, die sich die Musiker während ihres Konzertes für die "droggene Gosch" gönnten - Stücke wie das "Ogeberlied" wurden in rasendem Tempo gespielt. Auf jeden Fall verordneten sich die Vier bald die erste Brotzeit und packten das Vesper aus. Unvermeidlich, dass dann mal wieder die Wurstsemmeln ins Publikum flogen, worüber sich die "ungefeschberten Ulmer" sichtlich freuten.

Bei flotten Melodien wurde im Anschluss klar, dass sich Alterserscheinungen bei den Herren auch nach 20 Jahren Musizieren durchaus in Grenzen halten: Da kann sich einer noch immer flach über den Kontrabass legen und neckisch mit den Füßen in der Luft wackeln oder kniend auf der Bühne die Haarmähne schütteln.

Das muntere "Liegeslied" folgte auf das bitterböse "Liebeslied", und für die Gemeinde Westerstetten gab es "Schmach und Schand". Stücke wie die ganz eigene Kinderlied-Version "Alle meine Entchen from Ipanema" und das französische Chanson "Jaime les filles" sorgten einerseits für großes Gelächter unter den Zuschauern, machten aber andererseits auch deutlich, dass die Stumpfes nicht wirklich eine einfache Volksmusikgruppe sind.

Das Lied "Sabine Mayer" und diverse Tanzeinlagen auf der Bühne feuerten die Stimmung weiter an. Am Ende des Abends war das Publikum außer Rand und Band und entließ die Musiker erst nach etlichen Zugaben. Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle war sich über eine Belohnung nach getaner Arbeit durchaus einig: "Dafür gibts auf der Heimfahrt a Eis."

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