Sedelhöfe: Verhandlungen mit zwei Interessenten

Kurz vor Weihnachten haben MAB und der Gemeinderat der Stadtspitze grünes Licht gegeben: Sie kann mit neuen Sedelhöfe-Interessenten verhandeln. Mit einem Kommentar von Hans-Uli Thierer

HANS-ULI THIERER | 7 Meinungen

Seit Monaten liegt das Projekt Sedelhöfe auf Eis. Der Grund ist, dass der bisherige Investor MAB sich nicht nur aus der Entwicklung von Einzelhandelsprojekten zurückgezogen hat. MAB wird auch abgewickelt, also durch die holländische Rabo-Bank, die der Geldgeber ist, aus dem Verkehr gezogen.

Allerdings: Die durch MAB für das Ulmer Vorhaben gegründete Projektgesellschaft SPV11 besteht noch. Damit existieren weiter die im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung erworbenen Anrechte auf die Realisierung der Sedelhöfe, also des Einzelhandels- und Wohnkonzepts jenseits des Hauptbahnhofs.

Die Suche nach einem MAB-Nachfolger als neuem finanzstarken Investor scheint vor dem Jahreswechsel in ein entscheidendes Stadium zu treten. Am Donnerstag Abend Abend informierte die Stadtspitze - in diesem Fall Finanzbürgermeister Gunter Czisch, der das Projekt zusammen mit Baubürgermeister Alexander Wetzig vorantreibt - den Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über die jüngsten Schritte.

Nicht offiziell bestätigten Informationen zufolge ist die nur noch auf dem Papier stehende MAB, in der Realität also die Rabo-Bank, bereit, dass der Eigentümer der Projektgesellschaft wechselt. Sprich: MAB stimmt zu, SPV11 und damit das durch das renommierte Berliner Stadtplanungsbüro Grüntuch Ernst Architekten entwickelte städtebauliche und architektonische Konzept zu verkaufen. Zu welchem Preis, ist unbekannt. Ob die Stadt den Kaufpreis von 30 Millionen Euro für das Bauareal am Sedelhof erlösen kann, darf bezweifelt werden. Schon deshalb, weil als sicher gilt, dass Sport Sohn nicht in die Sedelhöfe hinein erweitert.

Unseres Wissen gibt es nun mindestens zwei konkrete Interessenten, mit denen Stadt und MAB bereits seit Wochen in Verbindung stehen und mit denen - so das einhellige Votum - die Stadtspitze konkret verhandeln soll. Über deren Namen ist noch Stillschweigen vereinbart. Auch Czisch soll vor den Stadträten nicht gesagt haben, um wen es sich handelt.

Sicher ist aber, dass der Hamburger Projektentwickler ECE, der vor Jahren mit Einkaufscenter-Plänen am Hauptbahnhof gescheitert ist und jetzt das Center-Management in der Neu-Ulmer Glacis-Galerie übernimmt, kein Kandidat ist.

Dem Vernehmen nach hat Czisch am Donnerstag vor den Stadträten erklärt, durch den Wechsel des Eigentümers der Projektgesellschaft ändere sich am Projekt selber zunächst rein gar nichts. Die Stadt geht davon aus, dass bis Ende Januar feststeht, welcher der beiden Bewerber den Zuschlag erhält. Wie rasch die Sedelhöfe danach in Gang kommen, ist weiter offen.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Doch nicht zurück auf Start?

Im Monopoly ist "Zurück auf Start" eine der Höchststrafen. Nun erinnert auch das Projekt Sedelhöfe mitunter an eine Monopoly-Runde. Und das bevorstehende Gefeilsche um Preise und Nachlässe für das durch MAB entwickelte Konzept durch einen neuen Investor dürfte diesen Eindruck nur verstärken.

Oberärgerlich daran ist, dass alle Versprechungen der MAB und der hinter ihr stehenden holländischen Rabo-Bank nichts wert sind. MAB macht sich nicht nur schmählich aus dem auf der Baulandbrache aufgewirbelten Staub. Dem abzuwickelnden Ex-Investor müssen wohl auch noch Millionen nachgeschmissen werden.

Das stellt das Procedere europaweiter Ausschreibungsverfahren in Frage. Dahinter mag die gute Absicht stecken, den Marktgedanken zu stützen. Wenn am Ende aber steht, dass die öffentliche Hand draufzahlt und gescheiterten Investoren Geld in den Rachen stopfen muss, stimmt nicht nur etwas nicht im Staate Dänemark, sondern in der ganzen EU.

Bei den Sedelhöfen hat es immerhin den Anschein, als müsse die Stadt nicht wie beim Brettspiel zurück auf Start. Die beiden Interessenten, die einsteigen möchten, scheinen mit der Konzeption einverstanden, wobei gegen eine Erhöhung des Anteils an Wohnungen niemand ernsthaft etwas haben könnte. Schon gar nicht jene Einzelhändler, die sich bislang mit ihren teils berechtigten Änderungswünschen unliebsame Konkurrenz vom Hals gehalten haben.

 

Komplexes Gebilde

Die Sedelhöfe Ausgangspunkt für das jetzt dem Vorhaben Sedelhöfe zugrunde liegende Konzept war eine europaweite Ausschreibung. Nachdem sich zehn Interessenten beworben hatten, bekam MAB im April 2012 den Zuschlag. MAB ist die sich in der Abwicklung befindliche deutsche Tochter einer holländischen Investorengruppe, getragen durch die Rabo-Bank.

Der Knackpunkt MAB hatte die in der Ausschreibung durch die Stadt gemachten Vorgaben für die mit einer Investitionssumme von 150 Millionen Euro taxierten Sedelhöfe weitgehend erfüllt. Das ist für einen Nachfolge-Investor, also den künftigen Eigentümer der durch MAB gegründeten Projektgesellschaft SPV11, einer der Knackpunkte: Er muss sich an die maßgeblichen Ziele und Vorgaben des bisherigen Konzepts halten. Nähme er große Änderungen vor, befürchtet die Stadt, dass frühere Mitbewerber auf dem Rechtsweg eine neue Ausschreibung einklagen könnten. Das könnte komplette Neuplanung heißen.

SWP

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7 Kommentare

19.12.2014 11:42 Uhr

Das wird nichts mit dem Einkaufszentrum

Glacis Galerie und Sedelhöfe standen immer in direkter Konkurrenz zueinander. Kaum hatte Neu-Ulm das Projekt Glacis Galerie vorgestellt, kam Ulm mit den Sedelhöfen daher. Es ging darum, die Glacis Galerie zu verhindern und die Kaufkraft nach Ulm zu holen. Lange sah es danach aus, als ob dies gelingen würde, das Projekt Glacis Galerie stockte. Als es der Glacis Galerie überraschend gelang Media Markt als Anker Mieter zu holen, zogen andere Einzelhändler nach .Neu-Ulm hatte den Kampf um die Einzehändler gewonnen, in beide Projekte wollte kaum ein Laden einziehen. Als Folge darauf sprang MAB in Ulm ab.
In Ulm entsteht jetzt mit Sicherheit kein Einkaufszentrum mehr. Einige Läden, Praxen und viel Wohnbebauung, die momentan sehr lukrativ ist, wird es werden. Die Stadt Ulm hat diesen Kampf der Eitelkeiten verloren. Dafür bezahlen wird der Ulmer Bürger mit vielen Millionen Euro. Das Projekt wird die geforderten 30 Millionen Euro nicht einbringen. Dazu der übereilte Abriss des Sedelhof Parkhauses und die Schadenersatzzahlungen an Mc Donalds.

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20.12.2014 00:19 Uhr

Antwort auf „Das wird nichts mit dem Einkaufszentrum”

Ein bischen Wahrheit sollte schon sein.
MAB ist wirklich nicht wegen der Galerie abgesprungen.
Die Wahrheit ist eben das Der Rabo Konzern in Holland ein Neues Präsidium bekommen hat, der hat dann beschlossen das die Entwicklungs Tochter MAB abgewickelt wird, also ein Ende der Projektentwicklung.
Das aber nicht nur in Ulm, sondern in ganz Deutschlan eine Handvoll andere auch, nur das angefangene oder schon im BAu befindende wurde fortgesetzt. Aus allem anderen ist man ausgestiegen und seit wenigen Monaten gibt es MAB gar nicht mehr. Es ist nur noch nicht alles abgegeben, wie eben die Sedelhöfe.
Aber mit der Galerie hat das überhaupt nichts zu tun.

Auch hat Neu- Ulm den Kamf um die Kunden noch nicht enschieden, was gibt es denn um die Galerie.
In Ulm ist man mitten in der Stadt, in Neu-Ulm is um Die Galerie nur Wohnen, sonst nüscht.

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20.12.2014 10:01 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Das wird nichts mit dem Einkaufszentrum””

Das ist so eine Sache mit der Wahrheit. Das MAB abgewickelt wurde stimmt. Aber wäre das Projekt Sedelhöfe noch so überzeugend, hätte es MAB noch gebaut oder es wäre schnell ein Nachfolger gefunden worden. Ich gehe davon aus, dass die Sedelhöfe nicht in der geplanten Form kommen werden, eben wegen der Glacis Galerie.Auch weil dort jetzt die Einzelhändler eingezogen sind, die nich auch noch in den Sedelhöfen vertreten sein wollen. Entscheidend ist, was am Ende herauskommt. Das ist dann die Realität/Wahrheit.

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20.12.2014 18:57 Uhr

Was soll das?

Mal wieder ein klassicher Thierer-Kommentar, der zur Verantwortung und den Fehlern der Stadtpolitiker kein Sterbenswörtchen sagt. Nur noch peinlich!

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19.12.2014 08:57 Uhr

EU? - Stimmt schon lange nicht mehr!

Lieber Herr Thierer,
in der EU stimmt es schon lange nicht mehr, das ist schon längst eine Umverteilungsmaschine von Deutschland in den Süden (Griechenland, Italien, ...) und in andere Kassen. Da wundert es einen nicht, wenn das Geld irgendwohin gezahlt werden muss, nur dafür, dass jemand eben nichts getan hat und es auch nicht will. Bei einem Handwerker wäre eine Konventionalstrafe fällig, wenn er seinen Auftrag nicht erledigt - hier zahlt der Auftraggeber, damit er den Beauftragten los wird. Gaanz tolle Verträge hat die Stadt da wieder ausgehandelt.

Stellt sich wieder mal die Frage, warum die Stadt das nicht einfach selbst macht. Aber da scheint entweder der Wille oder die Kompetenz zu fehlen. Aber im groß Tönen, da ist die Stadt gut...

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21.12.2014 02:30 Uhr

@Schmitz: da hätt ich grade was für Sie

paßt zwar nicht zum Thema, ABER diese "wir Deutschen müssen all die Südländer retten"-Heulereien sind echt unerträglich.
Schauen Sie sich mal dieses Filmchen an ... dann sehen Sie, wie Deutschland diese Länder mit seinen UBoot-Lieferungen in die Krise gestürzt hat ... und daran nicht schlecht verdient!
http://www.ardmediathek.de/tv/die-story/28-04-2014-die-story-Gesch%C3%A4fte-wie-ges/WDR-Fernsehen/Video-Podcast?documentId=21050572&bcastId=7486242

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21.12.2014 02:33 Uhr

die story: Geschäfte wie geschmiert?

die story: Geschäfte wie geschmiert?

43:37 Min. | Quelle: WDR

Die Firma ThyssenKrupp Marine Systems, eine Tochter von ThyssenKrupp, dominiert den Weltmarkt für konventionelle U-Boote. Marktüberlegenheit durch deutsche Technik? die story zeigt, mit welchen Methoden deutsche Werften, mit der Bildung immer neuer Konsortien, U-Boote weltweit verkaufen: am Beispiel Portugal.
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