Sedelhöfe-Investor MAB lebt noch - oder?

Widersprüchliche Aussagen und personelle Veränderungen an der Spitze des Sedelhöfe-Investors MAB sorgen in Ulm für erhebliche Irritationen. Wie geht es mit dem Projekt weiter? Das Rathaus will Antwort. Mit einem Kommentar von Hans-Uli Thierer.

HANS-ULI THIERER | 1 Meinung

„MAB Development Deutschland hat seine Aktivitäten zum 1. Juli 2014 eingestellt.“ So steht es seit Donnerstagnachmittag auf der Internetseite des potenziellen Investors des Sedelhöfe-Projekts. Wer Fragen hat, wird an Ruud van Dam, Nico Blum oder Bas Mol verwiesen. Wir hatten Fragen. Sie blieben unbeantwortet. Zuvor hatte uns am Vormittag der für die Sedelhöfe zuständige Managing Director Michael Flesch wissen lassen: „Die MAB existiert immer noch. Ich bin weiterhin für die Sedelhöfe zuständig.“

Die Verunsicherungen um MAB sind mittlerweile groß in Ulm. Dazu beigetragen hat auch, dass Françoise Dechesne seit 1. Juli neue CEO ist, also Chief Executive Officer (CEO) und damit geschäftsführendes MAB-Vorstandsmitglied. Die Holländerin ist Nachfolgerin Isaäc Kalisvaarts, der als CEO zurückgetreten ist.

Diese Personalie beim potenziellen Investor des Ulmer Projekts Sedelhöfe wird ebenfalls auf der Internet-Seite verkündet. Dort heißt es: Die seit 2001 bei MAB Development beschäftigte Dechesne werde „für einen sorgfältigen Abbau der heutigen Organisation sorgen, wobei die Verpflichtungen erfüllt werden“ (zu denen die bisherige Zusage gehört, die Sedelhöfe im Zweifel auch mit einem neuen Investor zu realisieren; d. Red). Und: „Der Abbau erfolgt in einem realistischen Zeitrahmen . . . MAB wird keine neuen Projekte in Angriff nehmen.“

Bei der Stadt Ulm haben diese Nachrichten höchste Irritationen erzeugt. Das Rathaus will wissen, wie rasch MAB Deutschland nun vollends abgewickelt wird und ob überhaupt noch daran gedacht ist, das Ulmer Projekt durchzuziehen.

MAB, hinter der die holländische Rabo-Genossenschaftsbank steht, hat als Vertragspartner die Stadt nicht über die Personalie Dechesne ins Bild gesetzt. Die Rathaus-Führung erfuhr von der Neuigkeit aus dem MAB-Internet-Auftritt. Kämmerer Gunter Czisch, federführend bei den Verhandlungen mit MAB, hat sich per Mail direkt an Dechesne gewandt. Sie residiert nicht in Frankfurt, Sitz der deutschen MAB, sondern in Den Haag, Sitz der von Dechesne ebenfalls geleiteten holländischen MAB. Gegenüber unserer Redaktion sagte der ob der MAB-Informationspolitik hörbar pikierte Ulmer Finanzbürgermeister: „Wir sind vertragstreu, erfüllen alle unsere Pflichten. Wir erwarten von MAB Antworten auf unsere Fragen bis Freitag.“ Nicht zuletzt will man wissen, ob die bisher für Ulm als Managing Director und als Project Director verantwortlichen Michael Flesch und Caroline Rauschenbach weiter zuständig sind.

Während Czisch am Donnerstag noch der Antworten aus Den Haag harrte, hat sich Flesch morgens per Mail auf Fragen der SÜDWEST PRESSE gemeldet. Er teilt auch mit: In Zuge von „Umstrukturierungen innerhalb der MAB“ sei die Geschäftsführung in die Hände niederländischer Kollegen gelegt worden. Und: „Die Sedelhöfe sind bei Durchführung des MAB-Konzeptes sehr wohl realisierbar. Die abschließende Feststellung der Planreife ist hier abzuwarten.“ Dem sei nicht vorzugreifen.

Komplexes Konstrukt

Nach einem internationalen Bieterverfahren hat MAB Development im April 2012 gegenüber zuerst neun, am Ende dann zwei finalen Mitbietern den Zuschlag für das Sedelhöfe-Projekt erhalten. MAB ist ein Tochterunternehmen der holländischen Rabo Real Estate Group und hat 40 Jahre lang Einzelhandelsprojekte entwickelt. Den Ulmer Gemeinderat überzeugte der MAB-Vorschlag für die Sedelhöfe, weil Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeitgestaltung in einem Quartier stattfinden sollen. 2013 hat Rabo Real Estate, die zur besttestierten Rabobank („Double-A-rating“ in Finanzwirtschaft) gehört, erklärt: MAB Deutschland ziehe sich aus der Projektentwicklung zurück, werde abgewickelt und aufgelöst. Das Sedelhöfe-Vorhaben werde aber noch realisiert.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer

Seit gut zwei Jahren pflegen MAB Deutschland und die Stadt Ulm eine privat-öffentliche Partnerschaft. Mit einem Teil des örtlichen Handels streiten sie beide auf dem offenen Markt, ob Fußgängerströme durch Wegeführungen gerecht verteilt werden können. Hinter den Kulissen geht es längst nur noch darum, ob MAB nach dem lang angekündigten operativen Ende überhaupt noch in der Lage ist, ein 150-Millionen-Projekt zu realisieren.

Seit Donnerstag ist so gut wie sicher: MAB wird in Ulm keinesfalls bauen, sondern Ulm allenfalls noch einen neuen Investor besorgen, der das Einkaufs- und Wohnprojekt in die Tat umsetzt. Ein mehr als sportplatzgroßes Baugrundstück ist dafür freigeräumt, der größte Horror für die bislang so propere Stadtentwicklung wäre, bliebe es als Brache liegen.

Nicht zu fassen in des Wortsinns Doppeldeutigkeit: MAB ist nicht zu fassen, weil keiner weiß, wer die Entscheidungsgewaltigen sind in der Sache Ulm. Nicht zu fassen zudem, wie MAB mit der Stadt umgeht. Sie erfährt nichts von tragweiten Entscheidungen des privaten Partners, sondern muss sich Infos zusammenklauben im Internet. Eine saubere Partnerschaft ist das, aus der Eiseskälte spricht. Wer geglaubt hatte, das holländisch-deutsche Konsortium wolle der Stadt Bestes, sieht sich des Besseren belehrt. Ums dicke Geld geht’s, um sonst nichts. Dass das Konzept städtebaulichen Gewinn für Ulm brächte, ändert nichts an dieser kapitalen Haltung.

1 Kommentar

03.07.2014 22:33 Uhr

Selbst schuld, die Ulmer

Warum macht die Stadt das auch nicht selber?

Oder gibts da keine kompetenten Leute dafür??

Es gbt doch einen Baubürgermeister, der sich immer so wichtig macht.

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