Schwörmontag 2011: Zehntausende beim Nabada
Ulm/Neu-Ulm. Schwörmontag 2011: Ein Stadtfeiertag ohne Ausreißer. Weder gewaltige Höhen, noch grandiose Tiefen – vor allem kein Wettertief, auf das alle Welt gefasst gewesen war. Schlicht ein schöner Schwörmontag.
Und dann? Einige Wolken zwar, keine sommerlichen Spitzentemperaturen, aber vorwiegend Sonne über der Schwörfeier auf dem Weinhof. Sie schien auch symbolhaft, denn trotzend allen internationalen Krisen um Ulm herum, steht die Stadt finanziell glänzend da, weil sie wirtschaftlich prosperiert. Das war eine der Botschaften Gönners. Doch davon später.
Zuerst nochmals Wetter, das – abgesehen von einem Schüttler mittags um zwei – auch mitspielte beim Nabada und bei den Ausklängen in der Friedrichsau, auf dem Münsterplatz und wo sonst überall auf einem Übermaß neu geschaffener Festplätze in beiden Städten gefeiert wird. Die ungünstigen Wettervorhersagen und lausige 15 Grad Wassertemperatur hielten die ganz großen Meuten an freien Nabadern vom Wasser ab. Verfolgt von Zehntausenden an den Ufern, herrschte aber auch gestern uriger Frohsinn auf dem Fluss. Bei langsamer Fließgeschwindigkeit schipperten an den beifallsfreudigen Besuchern 13 tüchtig gestaltete Themenboote vorbei, unter denen die Zuschauer das Schiff des Humboldt-Gymnasiums („Die Winde des OB“) zum Siegerboot kürten; von einem halben Dutzend Schiffen erklang Blasmusik aus nimmermüden Backen und Gesang aus gut geölten Kehlen.
Wetter zum Dritten: Ist Petrus am Schwörwochenende ein Ulmer? Oder haben die Ulmer für ihr Festwochenende einen Pakt mit dem himmlischen Wettervater geschlossen? Meinen könnte man es, war es doch bereits am Sonntag so gewesen, dass der letzte Ton beim Paradekonzert verklungen war, als es zu regnen begann, und abends der erste auf dem Münsterplatz erschallte, als es wieder aufhörte.
Zu den politischen Ereignissen des gestrigen Tages: Ivo Gönner erntete für seine Schwörrede 28 Mal Beifall und freundlichen, aber nicht stürmischen Schlussapplaus. Dreimal klatschten die Leute ganz laut:
Als der OB beklagte, dass immer mehr Menschen trotz Beschäftigung Ansprüche auf Sozialleistungen anmelden. Gönners Schlussfolgerung: „Von der Entlohnung der Arbeit müssen Menschen auch leben können. Gute Arbeit muss anständig bezahlt werden.“
Beim Bekenntnis zum Ausstieg aus der Atomenergie, der es notwendig mache, die Stadtwerke als kommunale Versorger zu stärken.
Am allerlautesten, als Gönner sich für den Bau der „kompletten Bahn-Neubaustrecke von Stuttgart nach Ulm“ aussprach, also auch für Stuttgart 21, die Bahnhofstieferlegung in der Landeshauptstadt.
Dies tat dann eine Stunde später, beim Empfang im Rathaus, auch SPD-Parteigenosse Nils Schmid. Der Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes sagte, er gehe davon aus, dass es nach dem Stresstest im Herbst zu einer Volksbefragung komme. „Ich bin sicher, dass die Bürger für die Vollendung des Projekts eintreten. Und ich will alles in meiner Kraft Stehende dafür tun.“
Ein vergleichsweise kleines Antrittsgeschenk hatte Schmid auch im Gepäck: Die Stadt erhalte vom Land einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 80.000 Euro für die Ausstattung des HfG-Archivs auf dem Kuhberg, kündigte der Minister an.
Zurück auf den Weinhof, wo eine Ulmerin und ein in Ulm wirkender Neu-Ulmer unter großem Beifall der etwa 4000 Besucher der Schwörfeier mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet wurden: Helga Philipp, die langjährige Leiterin des Kinder- und Jugendhilfezentrums Guter Hirte; Michael Bösl, nicht weniger langjähriger Vize-Vorsitzender der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU). Sie ist vor 50 Jahren als Ulmer Knabenmusik gegründet worden durch Udo Botzenhart, der es sich, 89-jährig, gestern nicht nehmen ließ, der Ehrung seines langjährigen Vize beizuwohnen. Botzenhart war zusammen mit Alt-OB und Ehrenbürger Ernst Ludwig, auf den Weinhof gekommen.
Wie der Zufall so spielt: Die musikalische Umrahmung, die immer wechselt mit der Stadtkapelle Ulm, lag gestern auf den Lippen der 60 Jungen und Mädchen der JBU und in den Händen ihres Leiters Josef Christ. Was die JBU spielte, hat dem Landtagspräsidenten Willi Stächele (CDU) so gut gefallen, dass er hernach auf den Dirigenten zueilte und das Orchester mit einem anerkennenden „Donnerwetter!“ zu einem Auftritt in den baden-württembergischen Landtag einlud.
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Autor: SWP | 18.07.2011
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Kommentare (6)
wirklich ein Stadtfeiertag?
"Schlicht ein schöner Schwörmontag"Das mag für das Nabada und möglicherweise auch das Feiern in der Au gegolten haben, aber was man abends in der Ulmer Innenstadt ertragen mußte, war alles andere als "schön" und hatte mit einem Stadtfeiertag rein gar nix mehr zu tun.
Es ist mir völlig unverständlich, warum dieses Treiben in der Form toleriert wird. Ein Massenbesäufnis, massive Lärmbelästigung ... und den Rest erläutert der Polizeibericht.
http://www.swp.de/ulm/lokales/schwoer2011/Schwoer-was-los-2011-Polizeibilanz-Versuchte-Vergewaltigung-am-Schwoermontag;art1171351,1045180
Was ich auf dem Weg durch die Innenstadt erleben mußte, war alles andere als Werbung für unsere schöne Stadt. Mir war nach Davonlaufen zumute, nix wie weg! Erst auf der Neu-Ulmer Seite fand ich eine Atmosphäre, wie ich sie mir an einem Schwörmontag wünsche: gute Livemusik in einer angenehmen Lautstärke ... gut gelaunte entspannte Menschen ...
Wäre nicht die Au der geeignetere Ort für die Jugend?
Geeigneter Ort für die Jugend
Es kommt halt darauf an, was ich vom Schwörmontag erwarte!Wenn ich Party und Alkohol will, finde ich überall in Ulm etwas passendes.
Wenn ich dagegen ruhige Livemusik will, brauchts etwas mehr Mühe.
Stilvoll war auf jeden Fall die Thronrede unserer Ulmer Prinzessin Ira Dentler.
Auf jeden Fall humorvoller als die Schwörrede unseres bürgerlichen OB Gönner.
Und Walter Spira verwöhnte unsere leidgeprüften Sinne mit anspruchsvoller Sangeskunst und einer wunderbaren Nacht.
Es gibt also durchaus noch den Zauber einer Schwörmontagsnacht, die nicht als Sauforgie
endet.
Man muß halt wissen wo!
Prinzessin Ira war eigentlich das Ziel
meines abendlichen Spaziergangs, aber leider war der kleine Platz schon so überfüllt und umgeben von ohrenbetäubender Musik, daß ich die Flucht ins befriedete, bayrische Ausland vorzog.