Schutz vor Hochwasser
Gerlenhofen. Das erste Szenario war erschreckend, die zweite Berechnung nicht mehr ganz so schlimm. Dennoch droht einigen Häusern in Gerlenhofen die Überflutung. Die Stadt Neu-Ulm denkt über Schutzmauern nach.
Der Landgraben ist ein unscheinbarer Wasserlauf. Er kann aber ganz anders. Bei richtig starken Unwettern tritt er schon mal über die Ufer. Dass hier und da Wiesen und Felder überflutet sind und das Wasser bisweilen unangenehm nah an die Häuser rückt, kennen die Gerlenhofener. Doch wie groß ist die Hochwassergefahr tatsächlich, vor allem bei Unwettern, wie sie nur alle paar Jahrzehnte auftreten? Das wollte das Landratsamt wissen, als die Stadt Neu-Ulm südlich der Hausener Straße am Landgraben neue Baugebiete vorsah.
Eine erste Schätzung lieferte erschreckende Ergebnisse. Bei einem so genannten hundertjährlichen Hochwasser stünde Gerlenhofen östlich der Bahnlinie unter Wasser, die Gleise wären überflutet, ebenso Teile der nordwestlichen Bebauung. Das von der Stadt beauftragte Büro Obermeyer Planen und Beraten untersuchte daraufhin alles genau. Sämtliche Details wurden berücksichtigt, zum Beispiel Topografie, Bodenbeschaffenheit, Abfluss.
Diese genaue Untersuchung brachte ein weitaus besseres Ergebnis. Zwar wäre das Gelände links und rechts des Landgrabens immer noch überflutet. "Das Überschwemmungsgebiet wäre aber um 19 Hektar kleiner", erläuterte Andrea Jobst vom Büro Obermeyer in der Sitzung des technischen Ausschusses. Die Bahnlinie wäre nicht betroffen, und auch deutlich weniger Häuser. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser würde in 28 Häusern in Werzlen das Wasser stehen, in 13 davon bis zu 25 Zentimeter hoch, hat Jobst berechnet. Geht man von einem hundertjährlichen und vier zwanzigjährlichen Überschwemmungen aus, würde sich der Schaden auf rund 1,3 Millionen Euro summieren.
Um dem entgegenzuwirken, schlägt Jobst Hochwasserschutzmauern vor. Sie sollten auf einer Länge von rund 300 Metern im bebauten Gebiet entlang des Landgrabens entstehen - dort reichen einige Grundstücke bis ans Wasser heran. Die Kosten würden sich auf bis zu 900 000 Euro belaufen. Vernünftige Alternativen gebe es nicht, sind sich Jobst und der städtische Abteilungsleiter Uli Frommer einig.
Die Stadträte zögern dennoch, so viel Geld locker zu machen. "Das Verhältnis von Kosten zum Nutzen ist zu gering", sagte Gerhard Rauch (Grüne). Hans Unseld (CSU) verwies auf die Verantwortung der Hausbesitzer, die sich gegen Hochwasser versichern müssten. Sein Fraktionskollege Rupert Seibold hatte schon beim Häuslebau in Gerlenhofen Vorsorge getroffen und eine Schutzwanne eingebaut, "so war es im Kaufvertrag empfohlen".
Es gab aber auch Kritik an der Stadtverwaltung. Dass 2009 am Landgraben neue Baugebiete ausgewiesen worden sind, sei "hirnrissig" gewesen, schimpfte Georg Oßwald (FDP). Der Gerlenhofener Arbeitskreis Umwelt (Gau) habe vor Überschwemmungen gewarnt. Auch Johannes Stingl (CSU) und Rauch mahnten, aus dem Ganzen zu lernen und in Zukunft auf solche Baugebiete zu verzichten.
Abteilungsleiter Frommer und OB Noerenberg wiesen die Kritik zurück. Erstens habe es bei der Ausweisung der Bauflächen keine belastbaren Zahlen über Hochwasser gegeben, auch beim Wasserwirtschaftsamt nicht. Zweitens soll im Lichte der Erkenntnisse die Baufläche zwischen Landgraben und Landgrabenweg nicht bebaut werden.
Wie es nun weitergeht? Die Verwaltung wird tiefer in die Planung einsteigen und die Ergebnisse vorlegen. Erst dann wird entschieden.
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Autor: CHIRIN KOLB | 04.02.2012
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