Schulterschluss für die Magistrale

Schwächt die Europäische Union die im Ausbau befindliche Bahn-Magistrale Paris- Budapest über Stuttgart und Ulm durch eine nördliche Konkurrenztrasse? Das befürchten zumindest die IHKs.

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Die IHK Schwaben hat Bedenken, die Bahn-Magistrale Paris-Budapest über Stuttgart, Ulm, Augsburg und München könnte Konkurrenz durch die Strecke Frankfurt, Nürnberg, Regensburg und Passau erhalten. Das war der Tenor einer gemeinsamen Veranstaltung der IHK Schwaben mit dem Wirtschaftsbeirat Bayern (WBU) in Augsburg. Das Konzept der EU-Kommission, das eine "gleichberechtigte" alternative Streckenführung über Frankfurt vorsieht, habe Wirtschaft und Politik in der großen Region im Süden alarmiert.

Sie sieht dagegen keine Gefahren für die Magistrale, sagte Ellen Kray von der EU-Generaldirektion für Verkehr in der Veranstaltung. Gerade mit dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Stuttgart-Ulm habe die südliche Variante "die stärksten Argumente". Die Fahrzeitverkürzung um eine halbe Stunde werde die Strecke für den internationalen Verkehr noch attraktiver machen. Die neue nördliche Variante diene vor allem dem Güterverkehr von Rotterdam nach Österreich und gefährde nicht die Anbindung im Süden mit dem ICE und dem TGV.

Die Vertreter der IHK Schwaben beruhigte das nicht; Auch die nördliche Route sei in den EU-Karten als künftige Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgewiesen und umfasse sogar eine optionale Neubaustrecke zwischen Passau und Linz.

Ministerialdirigent Hans Peter Göttler vom bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium will dagegen "nicht von einer Konkurrenz sprechen". Der Ausbau der Projekts "von Neu-Ulm bis Freilassing, auch für den Güterverkehr, auch mit dem Bahnknoten München, auch mit einer Flughafenanbindung, werde "uneingeschränkt als vordringlich" angesehen. Die Entscheidungen über die Prioritäten würden national getroffen. "In den nächsten Jahren geht es also um einen Schulterschluss der Region", fügte er hinzu.

Den übt die Initiative "Magistrale für Europa" seit 1990. In dieser Initiative haben sich Industrie- und Handelskammern und Kommunen entlang der Strecke zusammengeschlossen.

"Wir wollen, dass die Strecke, die seit 20 Jahren gefordert wird, nun auch endlich ausgebaut wird", sagte der schwäbische Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU) in der Veranstaltung. Er forderte die EU-Kommission zu Wahrheit und Klarheit in den Karten auf. Der Ausbau zweier Strecken "ist in Zeiten knapper Kassen eine Illusion", warnte sein Parlamentskollege Bernd Posselt aus München. "Wir müssen uns auf eine lange und schwierige Auseinandersetzung einstellen", befürchtet er. Es gehe um die gesamte Technologie- und Industrieachse zwischen den Zentren Karlsruhe und Salzburg. "Das ist das Kraftfeld Europas nördlich der Alpen", sagte Günther Knoblauch, Erster Bürgermeister von Mühldorf/Inn. Die Region von Ulm bis Freilassing müsse nun geschlossen auftreten, "sonst werden wir erhebliche Probleme bekommen".

Die IHKs Schwaben und Ulm kritisierten die Pläne der EU für die alternative Streckenführung. Aus Ulmer Sicht mache die Entwicklung in Brüssel wieder einmal deutlich, wie wichtig es sei, beim Thema Stuttgart 21 endlich mit Volldampf zu Werke zu gehen. "Wenn es uns gelingt, das wesentliche Nadelöhr auf unserer Achse zu beseitigen, werden etwaige Alternativen an Attraktivität verlieren". sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. Auch wenn die EU-Konzeption keine Vorgaben für Fahrpläne oder Linienführungen konkreter Züge enthält, bedeute die Öffnung einer Nord-Variante für das deutsche Teilstück der Magistrale eine Schwächung der bisher unumstrittenen Trasse über Stuttgart und Ulm.

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