Schavan: Nicht nur auf Forschung setzen
Ulm. Annette Schavan freut sich mit der Ulmer Uni-Leitung auf ein Helmholtz-Institut. Gleichzeitig rät die CDU-Politikerin der Uni, sich in der Lehre zu profilieren.
Annette Schavan, Bundesbildungsministerin und Ulmer CDU-Bundestagsabgeordnete, hat eine große Gemeinsamkeit mit dem Präsidenten der Universität Ulm, Karl-Joachim Ebeling: Beide eint die große Freude darüber, dass in Ulm im Dunstkreis des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung ein Helmholtz-Institut für Elektrochemie und Elektromobilität entsteht (wir berichteten).
An ihm sollen die Batterie- und Speichertechnologien der Zukunft erforscht und entwickelt werden. Ebeling geht nach dem Besuch des Präsidenten der deutschen Helmholtz-Gemeinschaft Jürgen Mlynek auf dem Oberen Eselsberg davon aus, dass dieses Vorhaben die Hürden im Senat dieser Gemeinschaft bis im Herbst genommen haben wird und dann 2011 umgesetzt werden kann. Das zu 90 Prozent aus Bundesmitteln finanzierte neue Institut - die restlichen 10 Prozent kommen vom Land - zieht drei neue Professorenstellen nach sich.
Annette Schavan bewertet die Einrichtung dieses Helmholtz-Instituts als weiteren Baustein, um das Fundament des Hochschulstandorts und der Wissenschaftsstadt Ulm zu festigen. "Ulm bleibt stark in der Medizin, vor allem in der Krebsforschung. Jetzt kommt als weiteres starkes Standbein die Elektromobilität hinzu", sagte sie gestern bei einem Redaktionsbesuch der SÜDWEST PRESSE. Dabei plädierte die Bundesbildungsministerin mit deutlichem Blick auf die Universität aber gleichzeitig auch dafür, geisteswissenschaftliche Ambitionen nicht aufzugeben. Zwar sei Baden-Württemberg nicht zuletzt dank des überdurchschnittlichen Engagements der Privatwirtschaft im Mittleren Neckarraum "der Tanker der europäischen Forschung". "Der Dialog zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft ist aber unbedingt notwendig."
Die Ministerin hält eine Stärkung der Lehre an den deutschen Hochschulen für zwingend. "Ich warne vor einer Kultur, in der die Forschung über alles geht und die Lehre ein reiner Selbstläufer ist." Jede größere Universität sollte den Ehrgeiz entwickeln, sich einen Ruf in der Lehre zu erarbeiten. Vorbild könnten die Colleges im anglikanischen Raum sein, die beispielsweise in England oder Irland für die Universitäten Aufgaben in der Studentenbetreuung übernehmen, die über die deutscher Studentenwerke hinausgehen. "Glanz sollte nicht nur von der Forschung ausgehen, auch glanzvolle Lehre muss belohnt werden. Da müssen wir finanzielle Zeichen setzen", sagte Schavan - ohne Zahlen zu nennen.
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Autor: HANS-ULI THIERER | 16.03.2010
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Annette Schavan: Zupacken in der Lehre.
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