SWU-Chef: „Die Leute stehen lassen können wir nicht“
Ulm. So manchem Ulmer Studenten stinkt’s. Zumindest jenen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Uni müssen. Das Problem: Die Busse sind vor allem zu den Stoßzeiten teilweise so voll, dass gar nicht mehr alle mitkommen. Die Folge: Wartezeiten und jede Menge Frust.
Benedikt Schedler ist genervt. Den Bus, der ihn morgens zur Uni und abends nach Hause bringen soll, hat er schon häufig einfach vorbeibrausen sehen. Grund: Überfüllung. In einer E-Mail, die der Online-Redaktion vorliegt, hat er seinem Ärger jetzt Luft gemacht. Dort fordert er, "dass die Verkehrsmittel ein Mindestmaß an Kundenorientierung aufweisen" sollten. Schedler findet, die Linienführung der Busse und die bereitgestellte Kapazität der Fahrzeuge müsse der Nachfrage entsprechen. „Aus meiner täglichen Erfahrung weiß ich aber, dass dies leider nicht zutrifft.“
Auf dem Oberen Eselsberg vereinen sich Universität, Hochschule, Kliniken und Privatwirtschaft zur Wissenschaftsstadt. Vor allem die Linien 3 und 6 transportieren die Fahrgäste auf den Berg und wieder herunter. Wer zwischen 7 und 9 Uhr morgens hoch muss, braucht Geduld und vor allem Ellenbogen - zu den Stoßzeiten sind die Gefährte proppenvoll. Das führt häufig dazu, dass an den Haltestellen ein regelrechtes Gerangel entsteht und alle gleichzeitig in den Bus drücken. Eine Studentin berichtet: „Vor allem zu Semesterbeginn ist es schlimm.“ Und auch am Ende des Tages sieht’s häufig nicht besser aus. „Manchmal kommen zwei, drei Busse ohne die Türen aufzumachen. Dann steht man hier 20 bis 30 Minuten“, erzählt eine angehende Zahnmedizinerin, die an der Haltestelle „Uni Süd“ steht.
Ingo Wortmann, Geschäftsführer der SWU Verkehr, kennt das Problem. Seine Erklärung für die überquellenden Busse: „Die Fahrgastzahlen haben sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt.“ Die Ursache seien mehr Studenten und Beschäftigte an Universität und Fachhochschule. Zudem seien einige Hundert Nokia-Angestellte von München auf den Eselsberg umgezogen.
Auf die verstärkte Nachfrage haben die SWU vor zwei Jahren reagiert. Seither werden von 7 bis knapp vor 10 Uhr und abends von 15 bis kurz vor 18 Uhr Extra-Fahrzeuge eingesetzt, so dass Busse im Fünf-Minuten-Takt hoch- beziehungsweise herunterfahren. „Von unseren 60 Bussen werden allein 10 zwischen 6.30 und 8.30 Uhr eingesetzt“, sagt Wortmann.
Student Benedikt Schedler sieht diese Verbesserungen, sagt aber auch: „Es ist noch zu wenig.“ Er stellt fest: „Wenn ich will, dass viele fahren, muss ich das auch komfortabel gestalten.“ Andernfalls ist er sich sicher, „steigen viele eben aufs Auto um“. Teilweise sei das jetzt schon der Fall. Ingo Wortmanns Antwort. „Wenn das so ist, dann müssen wir mehr fahren.“ Konkrete Zusagen macht er nicht. Aber: Die SWU Verkehr, darauf verweist er, unterstehe - juristisch betrachtet - einer Beförderungspflicht. „Leute stehen lassen können wir nicht.“
Mehr Busse bedeuten aber auch mehr Kosten, so Wortmann. Um die 350.000 Euro müsse für einen Gelenkbus bezahlt werden. Eine Investition, die sich nicht mehr rechne, wenn die Gefährte nur in den Spitzenzeiten eingesetzt würden, den restlichen Tag aber herumstünden. Zwei weitere Faktoren spielten zudem eine Rolle. Wortmann: „Es gibt eine Nachfrage-Differenz zwischen Sommer und Winter. Im Sommer nehmen viele das Fahrrad.“ Und obendrein werde es zunehmend schwieriger, den Fahrplan zu koordinieren, wenn man einzelne Fahrer nur für kurze Zeitspannen brauche. Schon jetzt springen deshalb etwa Verwaltungsmitarbeiter der SWU für einzelne Touren ein.
Für das kommende Wintersemester hat die SWU indes vorgedacht. Jedes Jahr werden neue Busse gekauft und andere dafür ausgemustert. Geplant sei, so Wortmann, die neuen diesmal früher als sonst im Oktober, anstatt erst im November oder Dezember zu bekommen und die ausgedienten länger fahren zu lassen.
Eine endgültige Lösung sieht der SWU-Chef in der geplanten Straßenbahnlinie zur Universität, die, sollte der Grundsatzbeschluss dazu Ende des Jahres gefällt werden, 2013 realisiert werden könnte. Kopple man zwei Bahnen aneinander, könnten dann 340 Fahrgäste auf einmal befördert werden, erklärt Wortmann. Zum Vergleich: In einen Bus passen etwa 100 Menschen. Für Benedikt Schedler dürfte die Bahnlinie allerdings zu spät kommen. Er ist bereits im 7. Semester.
Auf dem Oberen Eselsberg vereinen sich Universität, Hochschule, Kliniken und Privatwirtschaft zur Wissenschaftsstadt. Vor allem die Linien 3 und 6 transportieren die Fahrgäste auf den Berg und wieder herunter. Wer zwischen 7 und 9 Uhr morgens hoch muss, braucht Geduld und vor allem Ellenbogen - zu den Stoßzeiten sind die Gefährte proppenvoll. Das führt häufig dazu, dass an den Haltestellen ein regelrechtes Gerangel entsteht und alle gleichzeitig in den Bus drücken. Eine Studentin berichtet: „Vor allem zu Semesterbeginn ist es schlimm.“ Und auch am Ende des Tages sieht’s häufig nicht besser aus. „Manchmal kommen zwei, drei Busse ohne die Türen aufzumachen. Dann steht man hier 20 bis 30 Minuten“, erzählt eine angehende Zahnmedizinerin, die an der Haltestelle „Uni Süd“ steht.
Ingo Wortmann, Geschäftsführer der SWU Verkehr, kennt das Problem. Seine Erklärung für die überquellenden Busse: „Die Fahrgastzahlen haben sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt.“ Die Ursache seien mehr Studenten und Beschäftigte an Universität und Fachhochschule. Zudem seien einige Hundert Nokia-Angestellte von München auf den Eselsberg umgezogen.
Auf die verstärkte Nachfrage haben die SWU vor zwei Jahren reagiert. Seither werden von 7 bis knapp vor 10 Uhr und abends von 15 bis kurz vor 18 Uhr Extra-Fahrzeuge eingesetzt, so dass Busse im Fünf-Minuten-Takt hoch- beziehungsweise herunterfahren. „Von unseren 60 Bussen werden allein 10 zwischen 6.30 und 8.30 Uhr eingesetzt“, sagt Wortmann.
Student Benedikt Schedler sieht diese Verbesserungen, sagt aber auch: „Es ist noch zu wenig.“ Er stellt fest: „Wenn ich will, dass viele fahren, muss ich das auch komfortabel gestalten.“ Andernfalls ist er sich sicher, „steigen viele eben aufs Auto um“. Teilweise sei das jetzt schon der Fall. Ingo Wortmanns Antwort. „Wenn das so ist, dann müssen wir mehr fahren.“ Konkrete Zusagen macht er nicht. Aber: Die SWU Verkehr, darauf verweist er, unterstehe - juristisch betrachtet - einer Beförderungspflicht. „Leute stehen lassen können wir nicht.“
Mehr Busse bedeuten aber auch mehr Kosten, so Wortmann. Um die 350.000 Euro müsse für einen Gelenkbus bezahlt werden. Eine Investition, die sich nicht mehr rechne, wenn die Gefährte nur in den Spitzenzeiten eingesetzt würden, den restlichen Tag aber herumstünden. Zwei weitere Faktoren spielten zudem eine Rolle. Wortmann: „Es gibt eine Nachfrage-Differenz zwischen Sommer und Winter. Im Sommer nehmen viele das Fahrrad.“ Und obendrein werde es zunehmend schwieriger, den Fahrplan zu koordinieren, wenn man einzelne Fahrer nur für kurze Zeitspannen brauche. Schon jetzt springen deshalb etwa Verwaltungsmitarbeiter der SWU für einzelne Touren ein.
Für das kommende Wintersemester hat die SWU indes vorgedacht. Jedes Jahr werden neue Busse gekauft und andere dafür ausgemustert. Geplant sei, so Wortmann, die neuen diesmal früher als sonst im Oktober, anstatt erst im November oder Dezember zu bekommen und die ausgedienten länger fahren zu lassen.
Eine endgültige Lösung sieht der SWU-Chef in der geplanten Straßenbahnlinie zur Universität, die, sollte der Grundsatzbeschluss dazu Ende des Jahres gefällt werden, 2013 realisiert werden könnte. Kopple man zwei Bahnen aneinander, könnten dann 340 Fahrgäste auf einmal befördert werden, erklärt Wortmann. Zum Vergleich: In einen Bus passen etwa 100 Menschen. Für Benedikt Schedler dürfte die Bahnlinie allerdings zu spät kommen. Er ist bereits im 7. Semester.
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Autor: Dominique Leibbrand | 15.02.2010
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Die Busse zur Uni auf dem Ulmer Eselsberg sind regelmäßig überfüllt.
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Kommentare (6)
Nadelöhr Theater
Das Hauptproblem ist doch, dass, egal aus welchem Stadtteil man kommt, der Weg immer zwangsweise mit den Linien 3 und 5 über die Haltestelle Theater auf den Eselsberg führt.Warum gibt es beispielsweise keine ordentliche Busverbindung aus Söflingen/Kuhberg direkt über die Weststadt auf den Eselsberg? Ebenso wäre eine relativ direkt fahrende Linie aus der Oststadt (viele Studenten wohnen dort) auf den Eselsberg denkbar, die nicht über die Haltestelle Theater fahren muss.
...und sie tun es trotzdem!
Wie einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2007 zu entnehmen ist, hatte die SWU damals noch 68 Busse. Heute sind es nur noch 60 - bei inzwischen gestiegenem Fahrgastzahlen. Während in anderen Städten etwas getan wird, um das immer weiter steigende Fahrgastaufkommen zu bewältigen (in Stuttgart und Tübingen fahren z.B. neuerdings längere, vierachsige Gelenkbusse), macht die SWU das Gegenteil und baut ab.Die SWU wirtschaftet sich selbst herunter, es wird nur noch gespart, bei den Fahrzeugen und beim Fahrpersonal, das immer unfreundlicher wird. So kann es nicht weitergehen, denn früher oder später kommt die Quittung - und damit meine ich keine Fahrscheinquittung.
Vorschlag: Als Ersatz für die Linie 14 könnte man doch die Linie 4 zu den Stoßzeiten von Böfingen bis zur Uni verlängern (über die neue Tangente, so wie ein paar E-Busse schon fahren)...
Standortnachteil
Die fehlenden Strassenbahnverbindungen in der Stadt sind ein Standortnachteil für die Uni.Es war ein schwerer Fehler in Ulm die Strassenbahnlinien zu redzieren. Vergleicht mal mit den Strassenbahn/U-Bahn-Netzen in anderen Grossstädten.