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SSV 1846: Die vielen kleinen Schritte des Großvereins

Auf dem Gelände des SSV Ulm 1846 herrscht Winterruhe. Nur das Wasser ins Freibad plätschert, um Frostschäden vorzubeugen. Im Verein aber tut sich viel. Ein Gespräch mit Geschäftsführerin Dorothee Schmitt.

JAKOB RESCH | 0 Meinungen

Frau Schmitt, nach vielen Turbulenzen ist der SSV Ulm 1846 raus aus den politischen Schlagzeilen. Man hört gar nichts mehr von Euch. Geht"s Euch gut?

DOROTHEE SCHMITT: Uns geht es gut. Wir können jetzt wieder agieren und müssen nicht mehr nur reagieren.

Ist der SSV nach dem Konsolidieren also schon wieder am Prosperieren?

SCHMITT: Wir haben zwar immer noch Schulden aus der Insolvenz, können Tilgungen und Zinsen aber tragen. Ansonsten schauen wir nach vorn - mit Blick auf die Abteilungen.

Turnen, Leichtathletik, Aerobic: Im Spitzensport steht der SSV ja schon mal gut da. Ist da noch Luft nach oben?

SCHMITT: Da ist sicher noch Luft nach oben - auch wenn wir mit Kunstturnerin Janine Berger jetzt schon eine erfolgreiche Olympiateilnehmerin hatten. Man merkt es zum Beispiel im Leichtathletik-Bereich. Da ist im Mehrkampf ein Arthur Abele zu uns zurückgekommen, das hat mich sehr gefreut. Da tut sich einiges, siehe auch das Zehnkampfteam auf dem "Weg nach Rio" zu den Olympischen Spielen 2016.

Das hängt auch von den handelnden Personen ab, oder?

SCHMITT: Das kommt aus den Abteilungen selbst heraus, von aktiven Ehrenamtlichen und Trainern, die solche Projekte anstoßen.

Andere Sportarten darunter?

SCHMITT: Schwimmen ist im Herbst wieder zum württembergischen Leistungsstützpunkt gewählt worden. Da gibt es auch viele sehr talentierte Sportler, die sehr intensiv trainieren.

Das geht gegenüber einer Olympiateilnehmerin natürlich gerne mal unter. . .

SCHMITT: Ja, was die an Freizeit investieren, neben der Schule, mit Eltern, die sie überallhin fahren. . . Auch im Radsport entwickelt sich einiges, es gibt wieder mehr Jugendliche, die fahren. Tischtennis ist etwas, das sich mit geringem finanziellen Aufwand realisieren lässt. Und dann gibt es neben dem Jugendsportbereich zum Beispiel noch den Erwachsenensport Triathlon. Die Triathleten sind sehr erfolgreich, auch das geht immer ein bisschen unter.

Will der SSV 1846 eigentlich am geplanten Sportinternat für Ulm mitmachen?

SCHMITT: Das Interesse ist da, mit Blick auf die Leichtathleten, Sportaerobic und Kunstturnen. Was Janine Berger und andere, die in der 1. Bundesliga turnen, leisten, ist sehr, sehr trainingsintensiv. Für die wäre so ein Internat das Nonplusultra - nicht zuletzt für die Alltagsorganisation.

Was boomt denn gerade im Breitensport so?

SCHMITT: Ganz klar: das Hans-Lorenser-Sportzentrum (kurz: HaLo, die Red.). Da kann man individuell trainieren, ohne dass der Vereinscharakter verloren geht. Wer heute beruflich mehr eingespannt ist, der kann sich nicht mehr an feste Trainingszeiten halten. Im HaLo kann er dafür trotzdem Kontakte knüpfen und pflegen. Das ist nach wie vor das Wichtigste für einen Verein.

Platzt das HaLo denn schon aus allen Nähten? Wird es ausgebaut?

SCHMITT: Es ist gut ausgelastet, jetzt im Winter mehr, da kommen auch die Vereinssportler, die im Sommer draußen sind, zum Beispiel auf den Tennisplätzen. 1994 gebaut, werden wir das HaLo aber über kurz oder lang sanieren und den Gerätepark weiter modernisieren.

Wo herrscht noch Nachholbedarf im Sportangebot? Welche Sportart wäre noch wünschenswert?

SCHMITT: Im Kampfsportbereich. Judo, Karate, Jiu-Jitsu. So was wäre schön, ist aber von der Platzfrage her problematisch: Die brauchen einen großen Raum mit Matte. Die Raumfrage stellt sich übrigens bei vielen Anfragen, zuletzt auch nach Lacrosse (eine Ballsportart aus Amerika mit Wurfschlägern, die Red.). Dafür braucht man Sportplätze.

Alles redet derzeit vom Fitnesstrend Zumba - können die Abteilungen eigentlich mit dem Sportkurssystem leben?

SCHMITT: Ja, ganz einfach deswegen, weil dies die Abteilungen direkt anbieten. Wir verwalten die Kurse dann von der Geschäftsstelle aus.

Ganz schön aufwendig neben dem eigentlichen Vereinssportbetrieb her. Gibt es dafür eigentlich genug Personal?

SCHMITT: Tendenziell wird es schwieriger, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren, wie in allen Vereinen. Die Frage dabei ist doch: Stelle ich mich nach dem Job abends noch vor eine Gruppe, motiviere die und leite sie an, und das alles auch noch gut vorbereitet?

Blick ins Vereinsleben: Mit Vereinsball und Vereinsfest pflegt der SSV Ulm 1846 das Bild der großen Vereinsfamilie wieder neu. Kommt das an?

SCHMITT: Die Resonanz darauf war sehr gut. Das ist wie bei unserem beliebten Jubilartreff, da sehen sich all diejenigen wieder, die sich beim Sport früher jede Woche getroffen haben.

Auch ein Vereinsball will aber zusätzlich organisiert sein.

SCHMITT: Den ersten hat die Schwimmabteilung zu ihrem 100- jährigen Bestehen organisiert. Das können natürlich nur große Abteilungen leisten. Den Vereinsball 2013 stellt die Tanzsportabteilung in der Jahnhalle als Frühlingsball auf die Beine.

Sind 10 000 Mitglieder eigentlich noch eine Marke, die geknackt sein will?

SCHMITT: Nach wie vor streben wir die 10 000-Mitglieder-Marke an. Wir haben jetzt einen guten Anfang gemacht mit dem Angebot an Sportkursen, Vereinsball und Vereinsfest. Es ist wichtig, dass man was sieht und hört von uns. Und es muss nachhaltig sein. Was wir jetzt tun, machen wir für die nächsten Monate und Jahre.

Wie ist denn das Verhältnis zu den aus dem Großverein ausgegliederten SSV-Fußballern?

SCHMITT: Ich hatte immer schon ein gutes Verhältnis zu den Fußballern, mein Vater Werner Schmitt ist dort Sicherheitsbeauftragter, wir beide zusammen machen den Liveticker für das Internet bei den Spielen. Die Geschäftsstellen tauschen sich aus über Neues aus den Sportverbänden, Torwart Holger Betz ist Mitarbeiter bei uns im HaLo, und Trainer Paul Sauter kenne ich, seit ich Geschäftsführerin bin.

Was tut sich bei den Anlagen auf dem riesigen Vereinsgelände?

SCHMITT: Das Tennishallendach ist saniert, eine Photovoltaikanlage und eine energiesparende LED-Beleuchtung wurden installiert, das Lehrschwimmbecken ist erneuert, die Kabinendächer im Freibad sind gerichtet, ein neuer Heizkessel im Hallenbad ist eingebaut.

Dafür gibt es Zuschüsse.

SCHMITT: Vom Württembergischen Landessportbund und der Stadt. Die Stadt Ulm ist sehr sportfreundlich und macht viel für die Vereine.

Gibt es Pläne für neue Nutzungen? Was wird aus dem alten Rollsportplatz?

SCHMITT: Es gibt viele Ideen, die aber teuer werden können. Das Sportgelände muss offen sein für Neues, siehe Beachvolleyballplatz auf der Gänswiese. Auch der Rollsportplatz ist in der Diskussion. Aber auch da geht es nur Schritt für Schritt.

Welchen Sport treiben Sie eigentlich selbst?

SCHMITT: Wenn ich Zeit habe, gehe ich ins HaLo oder zum Qi-Gong.

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