SAGEN SIE MAL: Die Kraft des Donauwassers
Die Donau gibt Ulm einen internationalen Anstrich. Doch eine Donaustrategie? Vision? Halluzination? Wunsch? Wirklichkeit? Fragen an OB Ivo Gönner.
Ist Ihnen heute schon das Wort Donau über die Lippen gegangen?
IVO GÖNNER: Noch nicht. Sollte?
Na ja, die Donau ist nicht erst seit der EU-Konferenz in Ulm in vieler Munde. Es wird viel Wind gemacht um eine Donaustrategie.
GÖNNER: Nicht nur Wind, es stecken gute, richtige, wichtige konzeptionelle Ansätze dahinter - und viel Arbeit, die in Brüssel geleistet wird.
Was denn, durch wen?
GÖNNER: Kommissar für regionale Fragen ist Johannes Hahn aus dem Donauland Österreich; Kommissar für Erweiterung und Nachbarschaft ist der Tscheche Stefan Füle. Die Donaustrategie selber, die bis zum Jahresende nicht nur verfasst, sondern durch das EU-Parlament auch verabschiedet sein soll, schreibt der Ire Colin Wolfe, der schon in Ulm war. Eine internationale Sache also.
Was hilft es, dass in Günther Oettinger auch ein bekennender Donaufreund EU-Kommissar ist?
GÖNNER: Unterstützung kann nie schaden. Im Ernst: Herr Oettinger ist jetzt eine maßgebliche Figur auf der Brüsseler Bühne. Er ist zuständig für die Energie, ein Thema, das auch entlang der Donau eine Rolle spielen wird. Im Übrigen: Er wirkt locker, ich habe ihn selten so aufgeräumt erlebt wie jüngst bei einem Empfang im Brüsseler Rathaus.
Energie aus Wasser des Flusses - das gibt noch keine Donaustrategie . . .
GÖNNER: . . . kann aber Teil einer Gesamtstrategie fürs Wasser in der Makro-Region Donau werden.
Das klingt akademisch, theoretisch. Was heißt denn Makro-Region?
GÖNNER: Europa definiert die Regionen anders als die Nationalstaaten. Baden-Württemberg wird in Europa als Region gesehen. Darüber hinaus gibt es einige Makro-Regionen, also Großregionen, mit besonderen ökonomischen oder ökologischen Verbindungen; etwa die Ostseeangrenzer bis zu den baltischen Staaten oder die Kanal-Region mit England, Frankreich, den Benelux-Ländern, die Mittelmeer-Region - und die Donau-Region.
Die Donau als Bindeglied?
GÖNNER: Nicht nur symbolisch. Es sollen in einer Donaustrategie konkrete Ziele formuliert werden. Zum Beispiel, dass im Jahr X bestimmte Wasserqualitäten erreicht sind, etwa durch Bau von Kläranlagen.
Da gibt es großen Nachholbedarf.
GÖNNER: In der Tat. Ganz Belgrad hat keine Kläranlage. Da könnte unser Knowhow aus dem Klärwerk Steinhäule helfen. Doch nicht nur die Sauberkeit des Wassers und der Schutz des Trinkwassers sind Themen. Ein anderes ist, dass die Wasserstraße Donau als Verkehrsweg ausgebaut werden muss. Oder eben die Energiegewinnung aus der Kraft des Donauwassers - womit wir bei Herrn Oettinger wären.
Was passiert, wenn das hehre Ziel besserer Wasserqualität auf dem Papier einer Donaustratgie steht?
GÖNNER: Daraus leiten sich konkrete Projekte ab. Auf der Basis dieser Maßnahmen können die betroffenen Anrainer, die Städte und Landkreise, zur EU marschieren und Förderanträge stellen. Wir sehen, wie die interkommunale Zusammenarbeit Bedeutung gewinnt. Mit dem Rat der Donaustädte sind wir auch da auf einem richtigen Weg.
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Autor: HANS-ULI THIERER | 12.03.2010
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Ivo Gönner: Immer ganz Ohr, wenn das Wort Donau fällt. Archivfoto
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