Roy El-Halabi zeigt sich wenig beeindruckt
Ulm/Berlin. Im Prozess gegen Roy El-Halabi sagten gestern die von ihm verletzten Sicherheitskräfte aus. Entschuldigt hat sich der Angeklagte nur bei einem.
Am zweiten Prozesstag gegen den ehemaligen Box-Manager Roy El-Halabi aus Ulm sind gestern vor dem Berliner Kriminalgericht zwei weitere Opfer seiner Bluttat vernommen worden. Die Männer gehörten zum Sicherheitspersonal. Der 44-Jährige hatte im April zuerst auf sie und dann auf seine Tochter, die Boxweltmeisterin Rola El-Halabi, geschossen.
Der zweite Tag des Prozesses, in dem sich Roy El-Halabi wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, lässt sich für den Angeklagten sichtbar entspannter an als der erste. Sein blaues Oberhemd hat der stämmige Mann gegen ein schwarzes Polo-Shirt mit Blumenmuster getauscht. Er lässt die Fingerknöchel knacken, schüttelt den Kopf, wenn er mit einer Aussage der Zeugen nicht einverstanden ist und schaut ansonsten grimmig drein.
Doch was die verletzten Sicherheitsmänner vor Gericht berichteten, wiegt schwer. Ein 35-Jähriger, der vor der Tür der Boxerin postiert war, schilderte, dass er im Vorfeld von den familiären Probleme im Hause Halabi wusste und durchaus eine Auseinandersetzung befürchtete - jedoch nicht mit einer solchen Eskalation rechnete.
Als Roy El-Halabi an jenem Abend zu seiner Tochter wollte, habe er zu ihm gesagt: "Nicht jetzt und nicht heute." Der Chef der Sicherheitsfirma habe sich eingeschaltet und "ganz ruhig" mit dem 44-Jährigen gesprochen, doch der habe plötzlich eine Waffe gezogen. Der erste Schuss ging in die Decke, dann wurde der Russe und anschließend ein Sicherheitsmann des Veranstalters getroffen, der den Täter von hinten umklammert hatte. Doch den vor Wut rasenden El-Halabi konnte nichts aufhalten. Als die Männer am Boden lagen, stürmte er in die Kabine seiner Tochter und schoss auf sie (wir berichteten).
Bis heute leidet der große schlanke Mann mit kahlrasiertem Schädel unter der Tat. Der Schuss zerschlug seine linke Hüfte und das rechte Bein. Seinen Beruf als Sicherheitsmann kann er nicht mehr ausüben, finanzielle Probleme sind die Folge. Auch psychisch belaste ihn das Geschehen sehr, sagt er.
Etwas weniger schwer hat es derweil das zweite Opfer getroffen, einen ebenfalls 35-jährigen Mann. Der hat einen Durchschuss durch den Oberschenkel erlitten und heute keine Probleme mehr, wie er vor Gericht sagte. Er war der Einzige, bei dem sich der Angeklagte gestern entschuldigte.
Der Prozess wird am 18. Oktober fortgesetzt und findet nicht mehr wie noch zum Auftakt im Saal 700 des Moabiter Kriminalgerichts statt, wo die spektakulären Fälle verhandelt werden. Unter anderem war hier dem Politbüro der ehemaligen DDR der Prozess gemacht worden. Hier stand aber auch die ehemaligen Box-Legende Bubi Scholz vor Gericht, der vor Jahren auf seine Ehefrau geschossen hatte.
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Autor: DIETGARD OBERST | 30.09.2011
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Der Angeklagte Hicham E. sitzt am Dienstag im Gerichtssaal 700 des Landgerichtes Berlin hinter einer Glasscheibe. Der 44-Jährige soll seine 26 Jahre alte Stieftochter am 01.04.2011 vor einem Wettkampf in Berlin mit gezielten Schüssen in die rechte Hand, den rechten Oberschenkel und Fuß sowie den linken Unterschenkel schwer verletzt haben. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Ihm wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
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