Rola El-Halabi: "Ich durfte doch nirgendwo alleine hin"
Ulm/Berlin. Wie intim war die Beziehung zwischen Rola El-Halabi und ihrem Freund wirklich? Diese Frage steht im Zentrum der Verhandlung gegen Rolas Vater.
„Wann hatten Sie zum ersten Mal Sex?“ Richter Thomas Gross stellte diese Frage am Donnerstag im Berliner Kriminalgericht sowohl der Boxerin Rola El-Halabi als auch deren Freund, mit dem sie inzwischen verlobt ist. Normalerweise eine Frage, die die Öffentlichkeit nichts angeht. Doch unter den gegebenen Umständen der Gerichtsverhandlung könnte die Antwort durchaus Einfluss auf das Strafmaß haben. Letztlich geht es darum, aus welchem Motiv heraus Roy El-Halabi auf seine Tochter geschossen hat. Wie berichtet, missbilligte er die Beziehung seiner Tochter zu einem verheirateten Griechen.
Schon kurz vor Silvester 2010, so hatte es der Angeklagte vor Gericht geschildert, habe der Mann ihm gegenüber eine sehr obszöne Bemerkung gemacht, aus der er geschlossen hatte, dass seine Tochter eine intime Beziehung pflegte. Sowohl die 26-jährige Boxweltmeisterin als auch deren noch verheiratete Lebensgefährte, mit dem sie seit Mai dieses Jahres zusammenlebt, bestritten das am Donnerstag. „Ich durfte doch nirgends alleine hin, musste immer Bescheid sagen, was ich mache“, sagte die Boxerin als Zeugin. Sie habe ihren Freund nie allein treffen können, sondern ihn nur in der Halle gesehen, wo beide trainierten. Auch der junge Mann beteuerte, die Beziehung sei rein platonischer Art gewesen, er habe nur über die Internetplattform Facebook zu Rola Kontakt halten können. Dennoch sei die Situation in ihrer Familie immer mehr eskaliert.
Roy El-Halabi habe gedroht, den Griechen „platt zu machen“. Etliche Freunde hätten ihm dies zugetragen, sagte der Mann als Zeuge vor Gericht. Außerdem seien die Drohungen bereits Stadtgespräch gewesen. Richter Thomas Gross erschienen diese Ausführungen nicht schlüssig: „Wieso macht der Angeklagte so einen Aufriss, wenn zwei Menschen sich bloß ein bisschen schreiben?“, bezweifelte er die Aussagen des Paares.
„Rola hatte Angst, sich mit mir zu treffen“, sagte der junge Mann. „Das wird nichts mit uns, es spricht zu viel dagegen“, habe sie gesagt. Um die Widerstände zu überwinden, will sich der Grieche zweimal mit dem Vater getroffen haben. Sie hätten sich freundschaftlich unterhalten, bei einem zufälligen Treffen kurz vor Silvester seien aber die Fäuste geflogen. Das Urteil wird für den 14. November erwartet.
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
- Rückkehr ins Rampenlicht: Rola El-Halabis Box-Comeback
- Boxerin Rola El-Halabi beginnt nach der Familientragödie mit dem Training für das Comeback
- Rola El-Halabi: Strafe für Stiefvater zu mild
- Roy El-Halabi: Kein Blick für die Tochter
- Kommentar: Auf der Suche nach Normalität
- Urteil: Roy El-Halabi muss sechs Jahre in Haft
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: DIETGARD OBERST | 20.10.2011
| Artikel twittern |
|
|
Die Boxerin Rola El-Halabi sitzt im Landgericht Berlin im Gerichtssaal 700 neben ihrem Verteidiger Manfred Gnjidic. Der 44-jährige Stiefvater der Sportlerin soll die 26-jährige am 01.04.2011 vor einem Wettkampf in Berlin mit gezielten Schüssen in die rechte Hand, den rechten Oberschenkel und Fuß sowie den linken Unterschenkel schwer verletzt haben. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Ihm wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Urteil gegen Adoptivvater der Boxerin El-Halabi erwartet
Berlin/Ulm Im Prozess gegen den Adoptivvater der Profiboxerin Rola El-Halabi wird heute vor dem Berliner Landgericht das Urteil gesprochen.... mehr
Mehrjährige Haft für Roy El-Halabi beantragt
Berlin/Ulm Der Adoptivvater der Ulmer Profiboxerin Rola El-Halabi soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung sechs Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Der 44-Jährige hatte mehrmals auf die 26-Jährige geschossen und sie erheblich verletzt.... mehr
Anschlag auf Rola "von langer Hand geplant"
Berlin/Ulm Sechster Tag im Prozess gegen den Stiefvater der Boxerin Rola El-Halabi. Für den Anschlag ist Roy El-Halabi voll verantwortlich, sagt der Gutachter.... mehr
Fünfter Verhandlungstag: Kann Rola wieder boxen?
Ulm Fünfter Verhandlungstag im Prozess gegen Roy El-Halabi: Am Dienstag wurde in Berlin die Frage behandelt, ob Boxerin Rola El-Halabi ihre Boxkarriere aufgrund der erlittenen Verletzungen beenden muss.... mehr
Roy El-Halabi: Tochter "kampfunfähig schießen"
Ulm/Berlin Dritter Verhandlungstag gegen Roy El-Halabi, der seine Adoptivtochter Rola vor einem Boxkampf schwer verletzt hatte: Ihr betreuender Ulmer Arzt schilderte jetzt vor Gericht die Situation von Rola El-Halabi.... mehr
Roy El-Halabi zeigt sich wenig beeindruckt
Ulm/Berlin Im Prozess gegen Roy El-Halabi sagten gestern die von ihm verletzten Sicherheitskräfte aus. Entschuldigt hat sich der Angeklagte nur bei einem.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK

Kommentare (4)
Warum, darum!
Roy hatte einen Waffenschein, somit durfte er eine Waffe tragen, der Vorsatz ist somit also nicht gegeben.Roy war in Syrien Soldat und hier in Deutschland hatte er auch einen Sicherheitsmannausbildung mit Waffe und war im Umgang mit der Waffe also vertraut.
Er hat nicht wahllos geschossen, sondern gezielt auf Arme und Beine und keine Lebensbedrohlichen verletztungen herbeigeführt.
Ihm Mord/Mordversuch anzuhängen gibt unter diesen Umständen unser Gesetz nicht her und das gilt für uns alle.
Das hat nichts mit der Ehre zu tun.
Richter folgen nicht dem BGH
Schön, das hier einige auch unter ihrem Klarnahmen ihren Beißreflex nicht verloren haben. Man kann natürlich das Problem ideologisch ignorieren, und warten, das es sich auswächst, oder nach den Ursachen fragen, was, wenn es sich um „christliche“ Täter handelt, in unserer Gesellschaft zu Recht schonungslos geschieht.Aber „Ehr"-Motive werden meist von den Gerichten garnicht oder sogar ausdrücklich strafmildernd berücksichtigt (quelle: http://www.taz.de/!75563/ ). Und das, obwohl der Bundesgerichtshofes in Fällen „zur Wiederherstellung der Ehre" grundsätzlich eine Bestrafung wegen Mordes/Mordversuches fordert.
Aber auch dieser Richter scheint nicht gewillt zu sein, diese Forderung durchzusetzen und damit ein Zeichen gegen patriarchalische Gewalt zu setzen. Die Frage bleibt offen, warum Richter so urteilen, unter Juristen ist es aber ein offenes Geheimniss, das harte Urteile nicht hilfreich für die Karriere sind.
Populismus ohne Sinn und Verstand
Haben sie denn noch immer nicht gelernt, dass deutsche Richter nach Deutschem Recht urteilen.Ob sie dabei immer die dem Ausmass des Volkszornes angemessene Härte der Strafe finden, in dessen Namen sie ja das Urteil verkünden, ist diskutierbar.
Wozu aber braucht die Welt ihre unbegründeten und völlig sinnfreien Antiislam-Parolen?
@Reiner Hohn als Verteidiger der Werte des christlichen Abendlandes, welch eine amateurhafte Fortstellung.
Sie können uns hier in der SWP doch ihre persönlichen Wahnvorstellungen nicht ernsthaft als Realität präsentieren.
Nur weil ein egomanischer Vater, der sich noch als Patriarch der ganz alten Schule sieht, ein Verbrechen begeht, ist doch nicht seine Religion schuld daran.
Glauben sie christliche Familienherrscher handeln weniger brutal und verbrecherisch?
Ursache ist ein pariarchales Familiensystem, das nicht mehr in unsere Zeit passt.
Menschen GEHÖREN niemandem, weder Vater, noch Mutter noch Ehemann.