Reste der mittelalterlichen Stadtmauer am Bahnhof freigelegt

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Bei den Grabungsarbeiten auf dem Areal der künftigen Sedelhöfe am Hauptbahnhof haben Archäologen erneut Reste der mittelalterlichen Befestigungen freigelegt. Grabungsleiter Steffen Killinger stieß bei den Baggerarbeiten in rund sechs Metern Tiefe auf die Fundamente der Stadtmauer von 1316 und der ihr vorgelagerten Zwingermauer, einem Teil der Dürerschen Bastei. Auch Fundamente des Gremlingerturmes, wegen seiner grünen Dachziegel auch „Grüner Turm“ genannt, sind gut im Boden zu erkennen. Zusammen mit Jonathan Scheschkewitz vom Landesamt für Denkmalpflege will Killinger das Alter der tief in den Boden gerammten Holzpfähle, die als Stützen dienten, bestimmen lassen. Bis Anfang März haben die Archäologen Zeit, die historischen Fundamente aus dem 14. Jahrhundert zu kartieren und zu dokumentieren, dann wird die Nordwestecke für die Ausschachtarbeiten freigegeben. Schließlich soll die Baugrube eine Tiefe von 18 Metern haben, bevor die Sedelhöfe nach oben wachsen. Denn die Arbeiten gehen planmäßig weiter.

Teamarbeit in der Tiefe

Sollten die Ulmer Archäologen nicht noch die Reste eine Flugsaurieres im matschigen Boden ausbuddeln, dürften die Bauarbeiten der Sedelhöfe planmäßig vorangehen. Denn der Fund der historischen Stadt- und Stützmauerreste sowie Teile der Fundamente des Grünen Turmes sind zwar aus archäologischer Sicht beachtlich. Ein Grund, die Bagger still zu legen, sind sie aber nicht. Denn schon in den letzten Jahren hatten die Männer vom Grabungsteam mittelalterliche Zeugnisse des wehrhaften Ulms tief im Boden entdeckt.

Zu verdanken ist das auch dem offenbar eingespielten Team aus Baufirma, Denkmalschutz und Grabungsleiter, wie in den Gruben gegenüber des Bahnhofes zu besichtigen ist. Baggerfahrer werden von Helfern eingewiesen, damit keine historischen Bauten beschädigt werden. Auf der anderen Seite arbeiten Wissenschaftler, die sehr genau um die Zeitpläne der Baufirmen wissen und das Areal nach und nach räumen.

Schade ist es dennoch, dass mittelalterliche Konstruktionen wie ein Kanal zur Kleinen Blau, von Bürgern wegen des Abzapfens des wertvollen Flusswassers „Bescheißfalle“ getauft, für immer verschwinden werden. Aber alles lässt sich nicht konservieren, der Zeitrahmen des Sedelhof-Projektes ist eng gesteckt. Weiter geht es also. Es sei denn, es steckt doch noch ein Flugsaurierskelett im Boden.

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