Rechenschiebers Mondflug
Ulm. Die Zeit, als ohne Computer gerechnet wurde, liegt noch gar nicht so weit zurück. Damals waren Rechenschieber unentbehrlich.
. Als Buzz Aldrin mit Neil Armstrong und Michael Collins 1969 zum Mond flog, hatte er seinen Pickett N600-ES Rechenstab dabei. Freilich gab es damals schon Computer. Doch galten die noch nicht als zuverlässig genug für solch eine Mission.
"Bis zur Eroberung des Mondes wurden die amerikanischen und sowjetischen Raumfahrzeuge überwiegend mit Rechenschiebern geplant und konstruiert", erzählt Jochen Konrad-Klein. "Kein Haus, kein Auto, keine Raffinerie, keine Wasserleitung oder Heizung wurde damals ohne diesen Stab konstruiert", ergänzt Werner Rudowski.
Die beiden müssen es wissen. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Rechenschieber-Sammler. Etwa 50 davon hatten sich am Samstag zu ihrem Frühjahrstreffen mit Sammlern aus Österreich und der Schweiz im Hotel Stern zusammengesetzt.
Rechenschieber gibt es seit fast 400 Jahren. Erfunden hat ihn der Engländer William Oughtred 1622. Wenige Jahre zuvor hatten der Schweizer Uhrmacher Jost Bürgi und der schottische Mathematiker John Napier unabhängig voneinander die Logarithmen-Berechnung entwickelt und somit die Voraussetzung geschaffen, auf diese Art zu rechnen. Ingenieur Rudowski aus Bochum besitzt gut tausend Stück. "Ich habe mich auf die alten Engländer spezialisiert. Meine ältesten Sammelstücke, jeder ist einige tausend Euro wert, reichen ins frühe 18. Jahrhundert zurück."
Frühe Rechenschieber wurden vor allem vom Militär, zur Navigation auf See und vom englischen Fiskus zur Berechnung von Bürgers Steuerschuld genutzt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sie sich bis in den Schulalltag durch. Zum Inventar der deutschen Schüler zählten sie bis 1970. Noch heute haben Rechenschieber nicht ausgedient. Speziell in der Luftfahrt und im Anlagenbau lässt sich mit ihnen manches schneller und bequemer berechnen als mit dem Computer.
Die Sammler hat es diesmal auch deshalb nach Ulm gezogen, weil hier einst Michael Scheffelt lebte. 1699 soll dieser Mathematiker den ersten deutschen Rechenschieber gebaut haben.
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Autor: JÜRGEN BUCHTA | 09.05.2011
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Bis 1970 zählten derartige Instrumente zum Standard-Inventar der deutschen Schüler. Foto: Matthias Kessler
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