Raus aus Zwängen, hin zum globalen Deal

Ulm.  Funktioniert ein nationaler Alleingang in Sachen Grundeinkommen? Darüber gingen die Meinungen beim ersten Ulmer Dialog auseinander.

Ulmer Modelle gibt es bereits, Ulmer Denkanstöße auch - aber Ulmer Dialoge sind neu. Der erste Ulmer Dialog hat am Donnerstagabend stattgefunden, initiiert von der Initiative Grundeinkommen Ulm - und mit rund 100 Zuhörern übertraf die Veranstaltungen alle Erwartungen. "Unsere Idee ist, dass man die Vision des Grundeinkommens im Zusammenhang mit Überlegungen zu Arbeit, Geldwesen, Finanzwesen, Kultur und Bildung denken muss. Darum bringen wir Menschen aus diesen Bereichen zum Dialog zusammen", sagte Initiativen-Sprecherin Gisela Glück-Gross.

So sprachen an diesem Abend der Soziologe Sascha Liebermann von der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung" aus Witten und der Ökonom Dirk Solte vom Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) aus Ulm über die Frage: Was hat das Grundeinkommen mit dem Weltfinanzsystem zu tun?

Bedingungsloses Grundeinkommen ist ein sozialpolitisches Finanztransfermodell, nach dem jeder Bürger unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage vom Staat die gleiche finanzielle Zuwendung erhält, ohne dass er dafür eine Gegenleistung erbringen muss.

Für Sascha Liebermann geht es um die grundsätzliche Frage: "Wie wollen wir als Gesellschaft leben?" Für ihn befreit das Grundeinkommen die Menschen aus vielen Zwängen, beispielsweise Ansprüche für spätere Zuwendungen erwerben zu müssen. So sei es nicht nötig, heute Geld in Lebensversicherungen für später zu investieren - weil das Auskommen später gesichert sei. Statt dessen würde das Geld "in der Gegenwart frei und könnte die Binnennachfrage stärken". Allerdings würde dieses Geld "dann dem internationalen Kapitalmarkt fehlen".

Liebermann sprach sich auch für einen nationalen Alleingang beim Grundeinkommen aus. Das sah Dialog-Partner Dirk Solte anders: "So etwas hat keine Chance zu funktionieren." Der Ökonom brachte die globale Perspektive fürs Grundeinkommen ins Spiel: Es sei dringend notwendig, sich weltweit auf verbindliche soziale und ökologische Standards zu einigen, "weil uns sonst der Planet um die Ohren fliegt". Es müsse gelingen, eine "bedingungslose Partizipation an Wertschöpfung" für alle Menschen in allen Ländern sicherstellen. Wertschöpfung lasse sich nicht beliebig steigern, weil die Ressourcen begrenzt sind. Solte sprach sich für einen "globalen Deal" aus: Eine "Co-Finanzierung" der reichen Länder, damit in den armen die Standards verbindlich eingehalten werden, von denen auch die reichen profitieren.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: VERENA SCHÜHLY | 05.06.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Frontal gegen Lkw: 19-Jährige bei Ehingen tödlich verunglückt

Ehingen Eine 19-Jährige ist in Ehingen mit ihrem Auto frontal gegen einen Sattelzug geprallt und gestorben. Die Frau war am Freitag aus zunächst ungeklärter Ursache in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geraten.... mehr