Profis essen keine Bananen

Ulm.  Laufen kostet Energie - die muss auch während eines Marathons wieder reingeholt werden. Helfer des Lauftreffs Blaustein stehen an einem der sechs Versorgungsstände bereit. Bananen will aber nicht jeder.

Bananen sind leicht verdaulich, man muss nicht lange auf ihnen herumkauen, ihr Fruchtfleisch enthält viele Mineralstoffe, Magnesium etwa. Kohlenhydrate liefert sie ebenfalls reichlich. Alles, was das Läuferherz begehrt, also. Kein Wunder, dass Bananen an den Versorgungsständen auf dem Einstein-Marathon die erste Wahl sind. Fast 300 Kilogramm hält allein der Lauftreff Blaustein an seinem Stand bereit. In mundgerechte Happen zerteilt liegen die Früchte auf den Tischen am Rande der Strecke in der Griesbadgasse, zwei Helfer halten sie den Läufern auf Tabletts entgegen. Es ist Kilometer 14, der erste Stand, der außer Getränken auch Bananen anbietet.

Dennoch, der erste Läufer rauscht kurz nach 9.40 Uhr, eine Dreiviertelstunde nach dem Start, in beachtlicher Geschwindigkeit vorbei, ohne Getränke oder Bananen nur eines Blickes zu würdigen. Die Helfer vom Lauftreff überrascht das wenig, schließlich sind sie schon seit dem ersten Einstein-Marathon an den Ständen mit dabei und haben dementsprechend Erfahrung mit den Lauf-Gepflogenheiten. "Die richtig guten Läufer haben ihre eigene Verpflegung dabei", sagt Peter Blank, Abteilungsleiter des Lauftreffs. "Die wissen, was sie vertragen, da hat jeder seinen Spezialmix." Der werde meistens von Begleitern auf dem Fahrrad mitgenommen und bei Bedarf gereicht.

So stehen die Helfer erstmal mit Bechern - es gibt Wasser oder ein isotonisches Getränk - und Bananentabletts im Regen und werden nicht beachtet. Immerhin, der vierte Läufer, der den Stand passiert, schnappt sich einen Becher Wasser. Gar nicht so einfach im Laufen, die Hälfte schwappt auf die Straße, mehr als einen Schluck kriegt der Mann nicht ab. Der Becher folgt dem Großteil des Wassers auf die Straße. Das erste Bananenstück werden die Helfer dann an eine Begleitperson auf dem Fahrrad los, die diese dankbar annimmt - auch radeln ist schließlich anstrengend. Die nächsten Läufer ignorieren den Stand wieder weitgehend.

"Wie viel jeder trinkt und isst, ist individuell verschieden", sagt Edith Oschwald, Blanks Stellvertreterin im Lauftreff. Bei dem eher kühlen und feuchten Wetter sei der Bedarf ohnehin nicht so groß. "Das war letztes Jahr etwas anderes, da kamen wir kaum nach mit dem Ausschenken." Für die Läufer sei es in diesem Jahr deutlich leichter, meint sie. "Das ist doch ein Traumwetter." Einziges Problem sei vielleicht das durch den Regen rutschig gewordene Kopfsteinpflaster - tatsächlich kommt wenig später ein Mann ins Straucheln, kann sich aber wieder fangen.

10 Uhr, allmählich kommen größeres Pulks an den Tischen des Lauftreffs vorbei. Blanks Vorhersage bewahrheitet sich, jetzt nehmen die Läufer die sich ihnen entgegenstreckenden Plastikbecher gerne an - einige auch, um trotz des Regens mit dem Inhalt zu duschen. Auch die Bananen erfreuen sich besseren Absatzes. Die Läufer teilen sich jetzt in zwei Lager: Die, die offensichtlich auf Zeit rennen, und die, die einfach mitmachen wollen. Die einen grapschen sozusagen im Fluge nach Bechern oder Bananen, was einige Verluste der Nahrungsmittel bedeutet. Die Getränke schwappen über, die Bananen fliegen durch die Gegend. Die anderen nutzen den Stand für eine kleine Verschnaufpause und essen und trinken im Stehen. Und dann gibt es noch ein paar Wählerische, die lieber nicht von dem, zugegeben leicht vermatschten, Tablett nehmen, das die Helfer ihnen entgegenstrecken. Sie bedienen sich lieber direkt am Tisch von der frischen Ware, einer nimmt gleich eine ganze Banane mit. Die Helfer registrieren es grinsend - so ein Lauf kostet schließlich Energie.

Die Griesbadgasse ist inzwischen mit Plastikbechern und vereinzelten Bananenstücken bedeckt. Fegen ist zwecklos, zudem besteht die Gefahr, überrannt zu werden, denn die Läufer kommen nun in Massen am Stand vorbei. "Das räumt die EBU nachher mit der Kehrmaschine weg", sagt Oschwald. Für die Lauftreff-Helfer ist die Arbeit bald getan. "Gut, dass wir relativ weit vorne stehen und zeitig abräumen können", meint Blank erfreut. "So kriegen wir die Siegerehrung auf dem Münsterplatz noch mit."


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Autor: YASEMIN GÜRTANYEL | 19.09.2011

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