Premiere in Neu-Ulm: Martin-Walser-Stück "Der Abstecher"

Realistisch, absurd, unterhaltsam: Das Martin-Walser-Stück "Der Abstecher" feierte jetzt im Theater Neu-Ulm Premiere. Der Clou: Das Stück spielt in Ulm.

NINA ALBUS |

Blau ist die Donau, und blau ist der Bühnenvorhang des Theaters Neu-Ulm. Darauf ist die Silhouette eines Flusses zu sehen, das Mondlicht spiegelt sich darin. Zu hören sind die Klänge des Glockenspiels am Münsterplatz, entfernte Stimmen, leise Schritte. "Berthold, schau, die Ulmer schlafen", flüstert Firmen-Chef Hubert Meckel seinem Chauffeur (Jermaine Wolff) zu. Worauf dieser erwidert: "Es geht auf halb elf zu, Herr Direktor."

Diese Szene sorgte am Freitag in Neu-Ulm für einen heiteren Auftakt des Theaterabends. Claudia Rieses Inszenierung der absurden Komödie "Der Abstecher" ist fast ein Heimspiel. Der Schauplatz des ersten Bühnenstückes von Martin Walser aus dem Jahr 1961 ist Ulm, thematisiert wird Zwischenmenschliches.

In "Der Abstecher" geht es um Frieda, die verflossene Geliebte des Direktors Hubert Meckel. Frieda lebt in Ulm. Auf der Durchreise entscheidet sich Hubert zu einem spontanen Besuch. Frieda, die mittlerweile mit dem handfesten Lokomotivführer Erich verheiratet ist, ist alles andere als erfreut und will sich an Hubert rächen, der sie vor vier Jahren sitzen gelassen hat. Ihr Ehemann hilft ihr dabei, und plötzlich findet sich Hubert gefesselt auf einem Stuhl wieder, die nackten Füße in einer Schüssel mit Wasser, während Erich das Stromkabel des Bügeleisens schon in der Hand hält.

Dieser Höhepunkt schwankt zwischen Dramatik und Absurdität, genauso wie das gesamte Stück. Da steht Erich, gespielt von Peer Roggendorf, mit einem funkensprühenden Stromkabel. Claudia-Maria Haas gibt eine hasserfüllte Frieda ab, die mit einem Wurstmesser herumfuchtelt, während der Egomane Hubert hilflos ruft: "Und Sie glauben, ich mache da mit?"

Regisseurin Claudia Riese hat das etwa 90-minütige Stück zwischen Klamauk und Realsatire mit schnellem Tempo inszeniert. Es wird viel geredet, gelogen, fantasiert - und gelacht. Die vier Schauspieler bringen Walsers spitzfindige Dialoge so auf die Bühne, dass die Pointe meist sitzt. Matthias Christian Rehrl gibt einen brillanten Hubert ab, der durch und durch Mann ist, aber immer wieder gekonnt in die Opferrolle schlüpft.

Doch wie endet die absurde Dreiecks-Geschichte? Frieda bleibt die Betrogene: "Als Frau zahlst du drauf", sagt sie, während Hubert und Erich zu einer gemeinsamen Sauftour durch Ulm aufbrechen. Am Morgen trifft Hubert seinen Chauffeur zur Abfahrt wieder auf dem Münsterplatz.

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