Paradiese aus zweiter Hand

Ulm/Neu-Um.  Die Gronne an der Donau ist das einzige Naturschutzgebiet im Stadtkreis Ulm. Wann der Lichternsee endlich dazukommt, ist weiter unklar. Und in Neu-Ulm besticht der Plessenteich durch seine Vogelvielfalt.

Haubentaucher, Bekassine und Reiher-Ente sind nur drei der vielen Vogelarten, die in der Gronne leben. Das rund 40 Hektar große Feuchtgebiet zwischen der Donau und der Landstraße zwischen Ulm-Wiblingen und Gögglingen ist seit 1972 Ulms einziges Naturschutzgebiet. Damals gab es dort bereits 120 Vogelarten, heute sind es mehr als 140. Besonders hervorzuheben ist die Wiederansiedlung der Flussseeschwalbe. Ulmer Naturfreunde um Initiator Roland Maier installieren nach wie vor mit finanzieller Unterstützung des Landes Brutflöße auf dem Donau-Altwasser der Gronne. Der Bruterfolg der Flussseeschwalben, die in Westafrika überwintern, kann sich sehen lassen, sofern ihnen nicht die Lachmöwen zuvorkommen, die die Brutflöße auch gerne in Beschlag nehmen.

Die Gronne ist ein wertvolles Vogelreservat, obwohl die Zustände des Schutzgebiets nicht immer paradiesisch sind (siehe Infokasten). "Am Ufer wird immer noch gegrillt und gezeltet, dabei ist dies verboten", sagt Kathrin Haas von der Ulmer Abteilung Umweltrecht. Angeblich gibt es sogar ein Geocachingversteck in der Gronne. Dieses soll aber beseitigt werden, sagt Kathrin Haas. Damit nicht auch noch ferngesteuerte "Schatzsucher" durchs Schilf trampeln und den seltenen Sumpfseggenbestand gefährden. Mit den Anglern des örtlichen Fischereivereins sei man inzwischen zu einem Kompromiss gekommen, indem sie nur an bestimmten Uferstellen angeln dürfen.

Opfer bringen und auf Boote und Gastfischer verzichten würden die Fischer auch am Lichternsee, der sich zwischen Donau und Industriegebiet an die Gronne anschließt. Denn dieses 15 Hektar große Gebiet nahe der Hans-Lorenser-Straße soll nach Plänen der Stadt Ulm und etlicher Umweltverbände ebenfalls zum Naturschutzgebiet erklärt werden. Ein Vorhaben, dass so langsam vorankommt, wie das Donauwasser in die Feuchtbiotope sickert. "Die in Auftrag gegebene Kartierung der Vogelarten liegt uns bisher nicht vor", sagt Kathrin Haas. Und am Lichternsee hielten sich noch mehr Erholungssuchende auf als in der Gronne. Bis so ein Gebiet beruhigt und das Ausweisungsverfahren durch ist, könne es Jahre dauern. Überdies konnte das Ulmer Liegenschaftsamt noch nicht alle bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen zukaufen, bestätigt Abteilungsleiter Ulrich Soldner.

Das Problem des Grunderwerbs wurde am Neu-Ulmer Plessenteich, zwischen Ludwigsfeld und Gerlenhofen gelegen, auf ganz andere Weise gelöst: Diesen einstigen Baggersee eines Hartschotterwerkes haben Naturliebhaber davor gerettet, ein ausgewachsener Freizeitsee zu werden. Sie streckten den Kaufpreis in Höhe von 215 000 Euro durch ein zinsloses Darlehen vor. Mit Hilfe von Baggern wurden dann in dem 30 Hektar großen Gebiet lange Seeufer, Flachwasserzonen und Kiesbänke geschaffen. Ein Wall schützt die empfindlichen Bereiche, jedoch können Besucher von Aussichtstürmen aus die Vögel in dem Paradies aus zweiter Hand beobachten.

Wolfgang Gaus, Biologe und Geschäftsführer der verantwortlichen Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum, hat in den vergangenen Jahren in der Sommerzeit mehr als 60 vom Aussterben bedrohte Vogelarten gefilmt und damit ihr Vorkommen dokumentiert. Er hat sie geordnet nach Brutvögeln wie Kiebitz und Schwarzkehlchen und nach "Durchzüglern" wie Fischadler und Uferschnepfe. Weiter entdeckte Gaus unter den Amphibien den Laubfrosch und den Bergmolch. Und der Biber lief ihm schon mehrmals über den Weg.

Um das gesamte Trittsteinbiotop - dort rasten wie auch in der Gronne und am Lichternsee Vögel auf ihren Fernflügen - nicht zu stören, werden nur noch ruhige Badegäste zugelassen, sagt Gaus. Diese wiederum passten inzwischen auf "ihren" Plessenteich auf, damit dort keine Zeltlager mehr entstehen.


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Autor: CAROLIN STÜWE | 08.05.2010

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