OB-Kandidat Dr. Detlef Kröger will der Stadt Neu-Ulm ein freundliches Gesicht geben

Für Dr. Detlef Kröger hat Edwin Scharffs Plastik „Drei Männer im Boot“ vor dem Rathaus in Neu-Ulm gleich mehrfache Symbolkraft für seine Politik als OB: „Sie zeigt, dass wir zusammen viel erreichen können.“

EDWIN RUSCHITZKA |
Die Vorgabe an alle drei OB-Kandidaten war es, unsere Zeitung zu drei Orten in der Stadt Neu-Ulm zu führen, die exemplarisch für ihre Politik als OB stehen.

 

Rathausplatz: Dr. Detlef Kröger steht im schwarzen Lodenmantel und mit Hut auf dem Rathausplatz und zeigt auf die Plastik auf dem hohen Sockel. Oben staken drei Männer in einem Boot. Die vom gebürtigen Neu-Ulmer Künstler Edwin Scharff Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts entworfene Plastik „Drei Männer im Boot“ beeindruckt den OB-Kandidaten der SPD, Grünen, Freien Wählern und der FDP schwer. Und das aus mehrfachen Gründen. „Sie ist nicht nur sinnbildlich dafür, dass ich im Wahlkampf von drei Parteien und einer Vereinigung unterstützt werde.“ Schade nur, dass Edwin Scharff nicht vier Männer in sein Boot gesetzt habe. Viel wichtiger ist für ihn: „Alle drei Männer schauen in die gleiche Richtung, haben ein gemeinsames Ziel“, sinniert Kröger weiter. Falls ihn die Neu-Ulmer am 16. März zu ihrem neuen Oberbürgermeister wählen sollten, wäre das nicht nur der Leitspruch seiner Wahlkampagne, sondern seiner Arbeit im Rathaus überhaupt: „Gemeinsam mehr möglich machen.“

Der erste Ort, also der Rathausplatz, steht bei Kröger für mehr Gemeinsamkeit, aber auch für die kulturelle Vielfalt und die Innenstadt-Attraktivität, die er fördern will. Vor allem das Zentrum gebe einer Stadt ihr Gesicht, sagt Kröger. Nicht umsonst habe der Marketing-Professor Alexander Doderer auf Einladung von „Wir in Neu-Ulm“ das Bild der Innenstadt scharf kritisiert und an vielen Stellen attraktive Konzepte vermisst. Der Stadt Neu-Ulm will Kröger also ein freundliches Gesicht geben. Er stehe dabei für weniger Bürokratismus, sagt er und verweist auf die für ihn unleidige Diskussion über Gebühren für Blumenkübel vor Ladentüren.

Kröger schüttelt den Kopf, und er fragt sich: „Soll Neu-Ulm tatsächlich aufblühen? Oder soll weiter die kalte Hand des Bürokratismus die Stadt regieren?“ Das könnten die Wähler am 16. März entscheiden. „Deshalb ist diese Oberbürgermeisterwahl für mich auch eine Richtungswahl, wie es mit Neu-Ulm weiter geht.“

Pfuhler Hauptstraße: Zweiter Ort ist für Kröger die Hauptstraße in Pfuhl. Sie soll zum einen zeigen, dass auch er die Stadtteile im Blick hat. Und sie ist wieder ein Beispiel für ihn, dass es der amtierende OB mit der Beteiligung der Bürger nicht ernst meint. „Dass er die Bürger nicht wirklich ernst nimmt, hat er zuletzt mit der Genehmigung der modernen Bebauung am Schlossberg in Reutti gezeigt.“

Auch in Pfuhl seien Bürger-Ideen, wie die Hauptstraße freundlicher gestaltet werden könnte, gleich mehrfach im Keim erstickt worden. „Das habe ich aus meinen Gesprächen im Stadtteil erfahren.“ Unzufrieden seien mit dem Amtsinhaber viele, auch in den CSU-Reihen. Dabei verweist Kröger, dass sich auch die Pfuhler CSU in die von ihm wieder angestoßene Diskussion um die Straßenbahn eingeschaltet und eine Linie bis Pfuhl oder Burlafingen gefordert habe. Das sei für ihn ein deutlicher Fingerzeig gewesen.

 

Evobus: Dritter exemplarischer Ort ist für Kröger die Niederlassung von Evobus im Ried. Der Omnibusbauer unter dem Daimler-Dach ist mit rund 3600 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Neu-Ulm. „Ich bin der Kandidat mit dem besten Netzwerk in der Wirtschaft“, sagt Kröger im hohen Brustton der Überzeugung. Allerdings fällt schon auf, dass sich Vertreter der heimischen Wirtschaft auffällig aus dem Neu-Ulmer OB-Wahlkampf heraus halten. Kröger selbst ist Unternehmer und Unternehmensberater, aber auf Unterstützung aus Kreisen der Unternehmerschaft kann er kaum verweisen – zumindest nicht offiziell. Auch nicht aus dem Club der Industrie, in dem Kröger seit vielen Jahren wirkt.

Darauf angesprochen gibt sich Kröger ausgesprochen wortkarg. Er verweist lieber auf seine guten Kontakte – auch zu Evobus. Erst im Februar sei er dort wieder im Betrieb gewesen, um Gespräche über moderne Bussysteme zu führen. Er wolle zwar den Ausbau der Straßenbahn vorantreiben. Aber zum Personennahverkehr gehöre auch ein leistungsstarkes Buslinienkonzept. Und das will er in Neu-Ulm zusammen mit Evobus modellhaft aufbauen. „Auf diesen Linien soll Evobus neueste Busmodelle fahren lassen und den weltweiten Kunden realitätsnah präsentieren können.“ Diesbezüglich hat er auch mit der Verkehrabteilung bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm gesprochen, aber noch nicht mit den Verantwortlichen beim Landkreis und den privaten Buslinien-Betreibern, die auf vielen Strecken in Neu-Ulm und im Hinterland fahren. Auch was dieses modellhafte Bussystem betrifft, „gehören hier alle Beteiligten in ein Boot“, sagt Kröger. Womit er wieder den Bogen zu den „Drei Männern im Boot“ gespannt hat.

Was den OB-Wahlkampf betrifft, spürt Kröger eine Aufbruchstimmung in der Stadt. Viele hätten genug von der zehnjährigen Herrschaft des Amtsinhabers. „Das höre ich immer wieder aus persönlichen Gesprächen.“ Er trifft sich mit Interessenvertretern, er tingelt von Haustüre zu Haustüre. Anfangs seien die Menschen etwas reserviert, dann aber erfahre er sehr viel Zustimmung. Schade, sagt er, dass er mit diesem Häuserwahlkampf vielleicht etwas spät begonnen habe. Davon, dass er dazu nach dem Wahlgang am 16. März nochmals 14 Tage Zeit haben könnte, will Kröger nichts wissen. „Ich will es gleich im ersten Wahlgang packen“, sagt er nicht zum ersten Mal. Spricht’s und lacht – und alle, die die Kunde vernehmen, bleiben ratlos zurück: Übertreibt da einer schamlos in eigener Sache? Oder sehnen sich die Neu-Ulmer wirklich nach frischem Wind im Rathaus?

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