Neues Legionellen-Gutachten Staatsanwaltschaft stellt bei Hausdurchsuchung weitere Beweismittel sicher
Ulm. Das Hygiene-Institut der Uni-Klinik Bonn soll ein neues Gutachten zur Ulmer Legionellenepidemie verfassen. Auftraggeber ist die Staatsanwaltschaft Ulm.
In die seit Monaten stockende Aufklärung der Ulmer Legionellenepidemie vom Jahresbeginn 2010 kommt Bewegung. Wie die Staatsanwaltschaft Ulm gestern mitteilte, hat sie das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uni-Klinik Bonn damit beauftragt, ein neues Gutachten zu erstellen – und zwar „speziell unter strafrechtlichen Aspekten“, wie Oberstaatsanwalt Rainer Feil sagt. Konkret soll geprüft werden, ob und wenn ja welche Firmen gegen ihre Sorgfaltspflicht verstoßen haben, als sie im Herbst 2009 das Blockheizkraftwerk auf dem Telekomgelände neben dem Hauptbahnhof bauten beziehungsweise in Betrieb nahmen.
Wie berichtet, hatte sich in dem Ende Dezember 2009 noch im Probebetrieb laufenden Blockheizkraftwerk seinerzeit eine extrem hohe Zahl gefährlicher Legionellen-Bakterien angesammelt, die schließlich in einer Abluftwolke durchs Ulmer Stadtgebiet zogen. 5 überwiegend hochbetagte Patienten starben, 64 Menschen mussten wegen schwerer Lungenentzündungen intensivmedizinisch behandelt werden (wir berichteten).
Zwar hatten die Stadt Ulm und der Gebäudeverwalter – die Strabag Property and Facility Services – kurz nach dem Vorfall ein Gutachten in Auftrag gegeben: Die im Juni 2010 veröffentlichte und von der Stuttgarter RUK-Ingenieurgruppe verfasste 135-Seiten-Expertise benannte aber keinen Schuldigen. Laut Oberstaatsanwalt Feil war sie „an vielen Stellen unscharf“, an entscheidenden Punkten fehlten „präzise Fragestellungen“.
Zudem war immer wieder der Vorwurf laut geworden, das Gutachten sei parteiisch, weil die Strabag sowohl Betroffene als auch Auftraggeberin war und womöglich kein Interesse an einer Benennung der Schuldigen habe. Wann mit einer Vorlage des zweiten Gutachtens gerechnet werden kann, ist derzeit nicht absehbar, sagt Feil. Zumal auch die polizeilichen Ermittlungen noch andauerten.
Wie die Staatsanwaltschaft gestern ebenfalls mitteilte, haben Beamte im Zusammenhang mit der Legionellen-Welle bereits Anfang Juni die Geschäftsräume einer Firma durchsucht und mehrere Beweismittel sicher gestellt. Um welche Firma es sich handelt, darüber macht Feil keine Angaben. „Es ist eines der Unternehmen, die an der Errichtung des Blockheizkraftwerks beteiligt waren.“
Laut Feil gehen die Ermittler davon aus, dass eine zu geringe Konzentration des Biozids, das eine Verkeimung des Kühlwasserkreislaufs verhindern sollte, das Legionellenwachstum begünstigt hat. „Die Auswertung der jetzt sichergestellten Daten könnte da weiteren Aufschluss geben“, sagt der Oberstaatsanwalt.
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Autor: CHRISTOPH MAYER | 04.07.2011
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