Neuer Partner für die Sedelhöfe

Die Projektentwicklungsgesellschaft DC Commercial aus Hamburg gilt als heißer Aspirant auf das Sedelhöfe-Projekt. Nach wochenlangen Gesprächen scheint der Einstieg der Hansestädter so gut wie sicher. Mit einem Kommentar von Hans-Uli Thierer: Totgesagte leben länger.

HANS-ULI THIERER | 2 Meinungen

Und es geht doch noch was: Interesse an dem Ulmer Einzelhandels- und Wohnquartier Sedelhöfe hatte nach dem angekündigten Ausstieg des Investors MAB zunächst mehr als ein halbes Dutzend Investoren. Zuletzt verdichtete sich ihre Zahl auf drei, respektive zwei:

- den Kölner Großbaukonzern Strabag (12.000 Beschäftigte), der unter anderem das neue Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo realisiert hat und zur Umsetzung des Ulmer Vorhabens den Hamburger Einzelhandels-Entwickler ECE ins Boot genommen hätte. ECE war vor Jahren mit Plänen eines Einkaufscenters nördlich des Hauptbahnhofs an raumplanerischen Einsprüchen gescheitert und hat nun in der Neu-Ulmer Glacis-Galerie das Center-Management übernommen.

- den Hamburger Gewerbeprojekt-Entwickler DC Commercial (siehe Info-Kasten). Auf ihn hat sich der bisherige Investor MAB festgelegt. MAB zieht sich zwar aus dem Geschäft zurück und wird abgewickelt. Das Unternehmen hat aber aus der europaweiten Ausschreibung, aus der es 2012 den Zuschlag erhalten hatte, Realisierungsrechte für die Sedelhöfe. Umsetzen sollte das Konzept mit 18.000 Quadratmetern Einzelhandelsflächen, Wohnungen und Tiefgarage mit 500 Plätzen die durch MAB gegründete Projektgesellschaft SPV11. Sie ist Vertragspartner der Stadt für die Sedelhöfe und soll nun übergehen an DC Commercial. Die Hanseaten, deren geschäftsführender Gesellschafter Lothar Schubert gestern Kontakt zur Ulmer Stadtspitze hatte und die derzeit angeblich Projekte in einer Größenordnung von insgesamt 900 Millionen Euro verfolgen, sollen also sozusagen der Prinz werden, der die brachliegenden Sedelhöfe aus dem Dornröschenschlaf wachküsst.

MAB hat der Stadtspitze mitgeteilt, man gedenke, die Ulmer Projektgesellschaft an DC Commercial zu verkaufen. Die Stadt, der die Grundstücke nach wie vor gehören, ist damit einverstanden. Die Verwaltung wird dem Gemeinderat vorschlagen, den Deal abzusegnen und das Sedelhöfe-Projekt mit DC Commercial fortzuentwickeln und umzusetzen. Das haben OB Ivo Gönner und Finanzbürgermeister Gunter Czisch - der ebenfalls federführend mitwirkende Baubürgermeister Alexander Wetzig war gestern krankt - dem Ältestenrat mitgeteilt. Die Verträge zwischen MAB/SPV11 und DC Commercial sollen unterschriftsreif sein und diese Woche unter Dach und Fach gebracht werden.

Sofern der Gemeinderat den Gesellschafterwechsel in seiner Sitzung am 28. Januar absegnet, greift die Stadt das Bebauungsplanverfahren wieder auf. Die Pläne sind dann abzustimmen auf fortentwickelte Vorschläge des neuen Partners.

Das Unternehmen

DC Commercial Die Unternehmen DC Commercial (gewerbliche Immobilien), DC Residential (Wohnungen) und DC Values (Investments) sind Tochterfirmen des Hamburger Projektentwicklers Dahler & Company. Er ist spezialisiert auf hochwertige Wohnungen und Premiumlagen für Gewerbe und Einzelhandel in ganz Deutschland. Die Firma hat laut eigener Darstellung 250 Beschäftigte, unterhält in 29 Städten 42 Büros. Einer der Gesellschafter im Hintergrund ist John Jahr junior, Spross aus dem bekanntem Hamburger Verlegerhaus.

Kommentar von Hans-Uli Thierer: Totgesagte leben länger

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder: Totgesagte leben länger. Jedenfalls hat es allen Anschein, als müsse das seit einem Jahr stockende Sedelhöfe-Projekt doch nicht begraben werden. Spätestens seit gestern, seit der Gemeinderat weiß, wer neuer Investor werden soll, ist wieder Bewegung im Spiel.

Das ist angesichts der komplizierten und komplexen Gemengelage nicht selbstverständlich. Der Projektentwickler, die MAB, existiert nicht mehr, sondern ist abgewickelt, wickelt aber - irgendwie schon absurd - auch selber noch ab: die Sedelhöfe. Dies, indem die MAB die durch sie gegründete Ulmer Projektgesellschaft mit allen Rechten und Pflichten an einen neuen Investor verkauft, nämlich an den als finanzstark eingeschätzten Hamburger Projektentwickler DC Commercial. Mittendrin die Stadt, der die Grundstücke gehören. Sie hat also den Daumen noch drauf, wenngleich sie Millionen draufzahlt, weil der neue Investor sich auf ein weitgehend fertiges Konzept einlassen muss, was den Preis drückt.

Um den verfahrenen Karren wieder zum Laufen zu bringen, waren Geduld, Langmut und diplomatisches Geschick der Stadtspitze nötig, vornehmlich des Kämmerers Czisch und des Baubürgermeisters Wetzigs, die OB Gönner in die Gesprächsgefechte schickte. Fürs weitere Verfahren gilt nun das Prinzip Hoffnung. Möge aus Hamburg kommen, was Südlichter aus er Hansestadt erwarten: seriöse, weltläufige Geschäftsleute.

2 Kommentare

20.01.2015 10:27 Uhr

Wieder so ne Klitsche, der man Millionen sonstwohin rein schiebt!

Wieder so ne Klitsche, der man Millionen hinten rein schiebt! 250 Beschäftigte, das klingt nicht gerade nach ner Riesenfirma - da wäre Strabag wohl ein ganz anderer Partner gewesen. Hätte aber wohl nicht so viel gezahlt.

Wobei sich mir die Frage stellt, warum MAB das Projekt überhaupt verkaufen und daraus auch noch Geld scheffeln kann. Sind wir wieder in der Sklaverei?? Haben die Grundstücke nicht, haben den Wettbewerb gewonnen, mit ihrer eigenen Vorstellung, und jetzt machts irgend jemand ganz anderes, der vielleicht beim Wettbewerb irgednwo ganz hinten gelandet ist und nie in die Auswahl gekommen wäre.

Hier solte die Stadt einfach das Ganze selbst machen, dann hätte sie das in der Hand und köntne bestimmen, was läuft. Macht auch jeder Unternehmer so - aber die Stadt kann nur Steuern eintreiben, aber nichts für den Bürger. Trauriges Bild!

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20.01.2015 13:53 Uhr

Antwort auf „Wieder so ne Klitsche, der man Millionen sonstwohin rein schiebt!”

Jetzt sollten wir doch einfach mal abwarten bis wir genaues wissen und ein Vertrag unterschrieben bzw wir genau wissen wie es kommen soll oder was jetzt geplant ist.
Aber jetzt mit der ersten Meldung in der Presse gleich wieder Donner und Doria das ist einfach falsch.
Es könnte ja sein das wir mit diesem Investor mehr an Wohnungen als die bisher geplanten bekommen und am Ende alles besser wird.
Aber im zu schlagen und ablehnen sind wir doch Spitze.

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