Neuer Online-Marktplatz

Produkte im Internet suchen und diese dann lokal im stationären Handel einkaufen: So funktioniert von nächstem Jahr an unser Online-Marktplatz. Mit einem Leitartikel von Hans-Uli Thierer zur Ulmer Stadtentwicklung.

Das Berliner Start-Up-Unternehmen "Locafox" und die SÜDWEST PRESSE gehen eine Kooperation ein. Von 2016 an können Einzelhändler aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung ihre Produkte für potenzielle Kunden im Internet auffindbar machen. Kunden können das Produkt dann online reservieren, gekauft wird es aber im stationären Geschäft, Stichwort "Click and Collect".

"Auf dem Online Marktplatz können lokale Händler künftig ihre im Ladengeschäft verfügbaren Produkte einstellen, ohne dass dafür ein Online-Shop notwendig ist. Auch das Verpacken und Versenden von Waren entfällt, da die Produkte zwar online reserviert, aber im Laden gekauft werden. Konsumenten informieren sich über die abgebildeten Waren im Internet, die Beratung und das Kauferlebnis finden jedoch vor Ort im Geschäft statt", erläutert Thomas Brackvogel, Geschäftsführer der Neue Pressegesellschaft, Mutterhaus der SÜDWEST PRESSE und ihrer Lokalverlage. So stärkt der Online-Marktplatz den lokalen Einzelhandel im Wettbewerb gegen den reinen Online-Handel, da er Kunden in die Läden bringt.

Lokaler Online-Marktplatz, Local Commerce, Local Shopping - für den großen Online-Trend, der seit einigen Monaten den klassischen Online-Handel ergänzt, gibt es viele Bezeichnungen. Dahinter steht eine einfache Vision: Den stationären Handel in die Online-Welt integrieren und gleichzeitig den Kundenbedürfnissen von heute gerecht werden. Denn die Digitalisierung hat rasch zu einem deutlich verändertes Konsumverhalten bei Verbrauchern geführt.

Sich online informieren und offline kaufen - dieser Trend setzt sich in der deutschen Verbraucherwelt durch: Laut einer GfK-Studie recherchieren 41 Prozent der Verbraucher erst online über Produkte, die sie anschließend im stationären Geschäft kaufen.

Auch lokale Informationen im Netz sind gefragt: 76 Prozent suchen regelmäßig nach Informationen zu Geschäften und Dienstleistern in ihrer Umgebung, das zeigt eine Studie von 1&1. Sie unterstreicht, wie wichtig es auch für den lokalen Handel ist, im Internet präsent zu sein - mit Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Produktverfügbarkeiten und Anfahrtswegen.

Die Kunden sind heute online, kaufen aber auch stationär. Ihre Treue zu Marken, Läden, Standorten nimmt ab, sie sind service- und leistungsorientiert, auch preissensibel. Kurz: Der Verbraucher will alles und überall zugleich. Während sich in der Vergangenheit mit eCommerce und stationärem Einzelhandel zwei separate Stränge gebildet haben, setzt ein neuer Gedanke bei der Verbindung dieser Stränge an: Lokale Online-Marktplätze schlagen eine Brücke zwischen Online- und Offline-Welt.

Die Idee: Um neue Kunden für mein Geschäft zu gewinnen, muss ich sie da abholen, wo sie nach Produkten suchen - im Internet. Das Medienhaus SÜDWEST PRESSE unterstützt lokale Einzelhändler bei ihrem Start in diese Online-Welt mit Informationen, technischer Dienstleistungen, Medialeistung.

Info Eine Infoveranstaltung für den Einzelhandel "Lokaler Online-Marktplatz - Wie Sie als Händler profitieren können" ist am Dienstag, 17. November, 19 Uhr, in der Galerie der SÜDWEST PRESSE, Frauenstr. 77.
 

Leitartikel von Hans-Uli Thierer: Experimentierfeld Ulm

Online-Marktplätze? Das sind neue Orte im digitalen Zeitalter, die das Verbraucherverhalten im Überschalltempo revolutionieren. Rasende Veränderungen lassen Handelskonzepte, die morgens noch als richtig gelten, schon abends überholt erscheinen. Von dieser Atemlosigkeit zeugt, dass in der Neu-Ulmer Glacis-Galerie bereits personelle Konsequenzen gezogen worden sind. Das Ulmer Blautal-Center dreht den Abwehrkampf um in eine Flucht nach vorn: Mit Millionenaufwand ist die Einkaufsmeile am Stadtrand aufgehübscht worden. Und für die Sedelhöfe im Zentrum liegt ein Konzept vor, das - lange bevor der erste Stein auf den zweiten gesetzt ist - bereits zum dritten Mal durchgreifend umgedreht worden ist.

Die Verfallsdaten werden nicht nur für Einzelhandelskonzepte immer kürzer. Sondern auch - ganz aktuell wegen der Flüchtlingsthematik - im Wohnungsbau oder wegen sich verändernder Mobilität in der Verkehrspolitik. Die Stadt wird daher verstärkt zum Experimentierfeld, die Stadtplanung ist das Labor. Nun ist Ulm wie alle ehedem Freien Reichsstädte eine Stadt mit ebenso viel Eigensinn wie Sinn für Tradition. Weil solche Orte zur Selbstverliebtheit neigen, fällt es dort schwerer, sich auf die immer kürzeren Zyklen neuer Entwicklungen einzulassen als in modernen Orten aus der Retorte.

Die Phase unabwendbarer Veränderungsprozesse fällt in eine Zeit personeller Zäsuren: Die Sozial- und Kulturbürgermeisterin ist wie der Gemeinderat noch jung im Amt, der neue Baubürgermeister gerade da, ein neuer OB wird demnächst gewählt. Ulm wird ganz unabhängig vom Wahlausgang danach einen neuen Finanzbürgermeister brauchen.

In diesem tiefgreifenden Wechsel an der Stadtspitze steckt die Chance, dass sich eine neue politische Kultur herausbildet. Niemand tritt Ivo Gönner und seinem präsidialen Stil zu nahe, wenn er für die Zukunft plädiert, dass im Rathaus mehr denn je fächerübergreifend gedacht und geplant, im Team agiert und gehandelt werden muss. Dass sich die Favoriten der OB-Wahl weitgehend von ihren Parteien gelöst haben, ist eine gute Basis. Denn wer sich - wie schon Gönner - aus dem Parteiengestrüpp befreit, löst sich auch von jenen Abhängigkeiten, die schnelles Reagieren und unkonventionelles Entscheiden in der Politik so oft verhindern.

Ulm kann im Blick auf sein Spitzenpersonal eh beruhigt in diese bewegte neue Zeit gehen. In Iris Mann verfügt die Stadt jetzt über eine Sozialbürgermeisterin, die durch unaufgeregtes Steuern der Flüchtlingsthematik dabei ist, ihr zweites kommunalpolitisches Staatsexamen cum laude zu bestehen. Und der neue Baubürgermeister Tim von Winning steht schon nach wenigen Monaten im Ruf, ein Mann zu sein, der durch Verbindlichkeit die Bürger gewinnen kann für mitunter auch unbequeme Lösungen drängender stadtplanerischer Fragen.

Stadtplanung braucht angesichts der ungestümen Wandlungsprozesse nicht nur neue Ideen, sondern auch neues Zutrauen. Wenn ihr Vormann fachlich besteht und den Bürgern dabei auch noch sympathisch begegnet, ist das gute Voraussetzung, um neue urbane Herausforderungen - wie sie auch Online-Marktplätze erzeugen - zu meistern.

1 Kommentar

07.11.2015 14:36 Uhr

Unabweisbare Enthaltsamkeit

Die letzte grundsätzliche Veränderung mit globaler Wirkung, die gesellschaftlich noch heute als Paradigmenwechsel gilt, liegt bereits weit über 20 Jahre zurück. Was gegenwärtig demnach als "Revolution im Überschalltempo" erscheint, ist in Wahrheit bloß rasender Stillstand, der zu allen Zeiten die immer nur begrenzt verfügbaren Ressourcen im Unverstand verschleudert und sich um die dadurch längst einer eigenen Logik folgenden Wirklichkeit einen Teufel schert. Vor allem eine Migration ins Internet ergibt angesichts dessen keinerlei Sinn, sobald dort dasselbe Fehlverhalten zwar technologisch hochentwickelt, aber letztlich identisch reproduziert wird. Der in wenigen Wochen in Ulm/Do. neu zu wählende Oberbürgermeister kommt deshalb nicht umhin, sich jedweder aktiven als auch passiven Beförderung solch eines selbstzerstörerischen Handelns zu enthalten, wenn die Stadt ihre Aussichten auf eine prosperierende Zukunft zum Wohle aller nicht vollends verspielen will.

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