Neue Therapie bei Brustkrebs
Ulm. Neues Verfahren an der Uni-Klinik: Brustkrebspatientinnen werden während der OP bestrahlt. So lässt sich die nach dem Eingriff beginnende Strahlentherapie verkürzen. Zukünftig könnte sie ganz wegfallen.
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 57 000 Frauen neu an Brustkrebs. Die brusterhaltende Behandlung sieht im Normalfall so aus: An die operative Entfernung des Tumors schließt eine sechs- bis siebenwöchige Strahlentherapie an. Damit sollen jene Krebszellen zerstört werden, die nach der OP möglicherweise zurückgeblieben sind. Bestrahlt wird zunächst die gesamte Brust. Auf die Stelle, an der der Tumor saß, gibt man dann noch eine zusätzliche Dosis, den so genannten "Boost". Seit diese Methode Standard ist, ist das Risiko eines Rückfalls deutlich gesunken - statt 40 Prozent bekommen nur mehr 5 Prozent der Frauen binnen zehn Jahren ein Rezidiv, das belegen wissenschaftliche Studien.
Als erstes Zentrum im Südwesten bietet die Uni-Klinik Brustkrebspatientinnen seit kurzem eine von der bisherigen Linie abweichende Behandlungsmethode an: die Intraoperative Radiotherapie (IORT), die durch ein interdisziplinäres Zusammenspiel von Chirurgen und Radiologen möglich wird. Noch während die Operateure zugange sind, beginnen Strahlenmediziner mit einer direkten, präzisen und hochdosierten Bestrahlung des Tumorbettes. Dazu wird ein spezielles Bestrahlungsgerät direkt in die Wundhöhle eingesetzt. Die OP verlängert sich dadurch zwar von einer auf etwa zwei Stunden, eine stärkere Narkose ist jedoch nicht notwendig, sagt Prof. Rolf. Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik. "Deshalb besteht auch kein höheres OP-Risiko." Vorteil der neuen Behandlungsmethode sei, dass die Zeit der nachträglichen Strahlentherapie um zwei auf dann fünf Wochen verkürzt werden könne, sagt Prof. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie. Zudem werde durch das neue Verfahren gesundes Gewebe geschont. Sowohl Kreienberg als auch Wiegel sind sich einig: Die Bestrahlung während der OP sei so effektiv, dass - zumindest bei Tumoren im Frühstadium - die nachträgliche Bestrahlung in absehbarer Zukunft ganz wegfallen könnte. Damit sei allerdings erst in einigen Jahren zu rechnen. "Wir müssen noch die Ergebnisse dreier großer Studien abwarten", sagt Kreienberg.
Die neue Therapie wird bislang nur bei Patientinnen über 40 Jahren angewandt. Voraussetzungen sind, dass es sich nicht um ein schnellwachsendes Karzinom handelt, der Durchmesser unter drei Zentimetern liegt. Zehn Eingriffe nach der IORT-Methode haben Kreienberg und Wiegel bisher durchgeführt.
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Autor: CHRISTOPH MAYER | 24.11.2010
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Prof. Thomas Wiegel: Mehr Lebensqualität durch kürzere Bestrahlungszeit.
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