Neu-Ulmer Volksfest-Schausteller lassen nicht locker

Neu-Ulm.  Das Kämpfen haben sie nicht eingestellt, die Schausteller, die bald das vorerst letzte Volksfest in Neu-Ulm ausrichten. Am 18. März wollen sie demonstrieren. Und wichtige Politiker haben sie auch angeschrieben.

Wahrscheinlich kommen die beiden nicht nach Neu-Ulm. Ganz sicher sogar. Aber immerhin haben die Neu-Ulmer Schausteller über ihren Landesverband in München einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer geschrieben und darin ihr Leid geklagt: Nach und nach würden Traditionsveranstaltungen wie Volksfeste von der Bildfläche verschwinden. Demnächst in Neu-Ulm, aber bald auch in Lindau und Bamberg, weiß der hiesige Sprecher, Manfred Winter. In Neu-Ulm soll auf dem Volksfestplatz an der Europastraße schon im Mai mit dem Bau der Multifunktionshalle begonnen werden. In Bamberg steht der Volksfestplatz offenbar der Landesgartenschau im Weg, die 2012 stattfinden wird. Deshalb blasen die Schausteller jetzt zur Attacke – mit einer Großdemonstration am Donnerstag, 18. März in Neu-Ulm. Der Vorsitzende ihres Landesverbands, Michael Bradac, wird auf dem Petrusplatz sprechen, auch der Bundesvorsitzende Albert Ritter. Manfred Winter ist der festen Überzeugung, dass mindestens 300 Schausteller nach Neu-Ulm kommen werden.

Den Schaustellern ist ihr Anliegen wichtig, und das über die eigene Existenzsicherung hinaus. Immerhin gehe es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch darum, in Bayern ein Kulturgut zu erhalten, eben das Volksfest. Und das wollen sie notfalls auch gerichtlich durchsetzen. Gabriele Hirschberg, die zweite Vorsitzende des hiesigen Schaustellerverbands, hat bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Ein Bürgerbegehren wollen sie ebenfalls auf den Weg bringen, und den Petitionsausschuss des bayerischen Landtags haben sie auch schon eingeschaltet.

In Neu-Ulm allerdings stehen die Zeichen bislang alles andere als gut, schnell einen neuen Standort zu finden. Zwar hatte die CSU-Fraktion vorgeschlagen, einen Platz am Rand des neuen Sport- und Freizeitparks im Wiley hinsichtlich seiner Volksfesttauglichkeit untersuchen zu lassen. Der Stadtrat indes hat das im vergangenen Dezember mit einer klaren 24-zu-12-Mehrheit abgelehnt. Sicher auch wegen der Proteste aus dem Wiley-Wohnumfeld, die laut geworden waren. Eine Alternative ist bislang nicht in Sicht.

So ist es durchaus wahrscheinlich, dass das 107. Volksfest, das vom 23. April bis zum 9. Mai stattfinden wird, für längere Zeit auch das letzte sein wird. Zumal die Neu-Ulmer Schausteller selbst eine generöse Offerte der Nachbarstadt Ulm abgelehnt haben. Deren Oberbürgermeister Ivo Gönner hatte ihnen auf dem Ulmer Volksfestplatz in der Friedrichsau ein vorübergehendes Asyl angeboten. Doch die Neu-Ulmer Schausteller, allen voran deren Sprecher Manfred Winter, wollten sich nicht mit dem Ulmer Spatz abspeisen lassen, sie haben immer noch die Taube im Blick – um ein Sprichwort zu bemühen.

Eine Antwort aus den Büros von Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Seehofer soll es auch schon geben: Beide wollen sich nicht einmischen, heißt es. Das Ganze sei eine Angelegenheit der Stadt Neu-Ulm.



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Autor: EDWIN RUSCHITZKA | 10.03.2010

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