Alles dreht sich um den Tod
Neu-Ulm. Der Tod beschäftigt auch Kinder. Weil das Haustier stirbt oder der Opa. Das Kindermuseum Neu-Ulm, das dem Thema eine Ausstellung widmet, hat nun mit dem Hospiz Ulm einen Aktionstag organisiert.
Zum bundesweiten Tag der Kinderhospizarbeit, der jedes Jahr am 10. Februar begangen wird, hat sich das Hospiz Ulm immer eine Aktion ausgedacht. Dieses Mal lag eine Kooperation nahe: Im Neu-Ulmer Kindermuseum, das dem Edwin-Scharff-Museum angegliedert ist, läuft seit Mitte Oktober die Ausstellung "Erzähl mir was vom Tod", die Kinder auf behutsame und spielerische Art mit dem Thema vertraut machen will. Schon als die Ausstellung konzipiert wurde, arbeitete das Museum mit dem Hospiz zusammen. Die Verbindung von Kunst und Sozialem sei sehr gelungen, sagt Hospiz-Geschäftsführerin Claudia Schumann. "Es lässt sich vieles transportieren."
Behutsam und spielerisch wollen Museum und Hospiz am Freitag Kindern das Thema Tod näherbringen: mit Lesungen, Mitmach-Aktionen, Rappern und Führungen durch die Ausstellung (siehe Info-Kasten). Kinder mit Tod und Sterben konfrontieren? Davor schrecken manche Eltern zurück, hat Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod festgestellt. "Die Ausstellung schauen sich oft erst Erzieherinnen, Lehrer oder Eltern allein an." Sie ist aber überzeugt: Kinder profitieren von dieser Art der Auseinandersetzung. "Die Ausstellung hat etwas Heilsames", sagt sie. Das Thema Tod ist darin nicht so akut wie oft im richtigen Leben.
Denn dass Sterben und Tod Kinder umtreiben, ist für Gutbrod und Schumann keine Frage. Viele haben in der Familie oder im Freundeskreis den Tod von Menschen erlebt, haben Fragen, Ängste vielleicht. "Kinder wollen über das Thema Tod reden, ob es nun das Sterben der Oma oder des Haustiers betrifft", sagt Schumann. Ausstellung und Aktionstag sollen auch dazu dienen, dieses Bedürfnis von Kindern ernst zu nehmen.
Zudem möchte der Hospiz-Verein die Gelegenheit nutzen, seinen ambulanten Kinderhospizdienst bekannter zu machen. Speziell geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter stehen Familien zur Seite, zu denen ein Kind mit einer lebensverkürzenden Erkrankung gehört. Die Hospiz-Mitarbeiter entlasten Eltern, kümmern sich um Geschwisterkinder, machen mit ihnen mal Ausflüge oder Spiele. "Diese Familien leisten Unglaubliches", sagt Schumann. "Familien, die mit dem Sterben eines Kindes leben müssen, gehen absolut an ihre Grenzen."
Knapp 23 000 Kinder in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an einer lebensverkürzenden Erkrankung, sagt die Hospiz-Geschäftsführerin. Der ambulante Kinderhospizdienst, dessen Einzugsgebiet sich 50 Kilometer rund um Ulm erstreckt, betreut vor allem Kinder, die an einem Gendefekt leiden oder deren Erkrankung unerklärliche Ursachen hat. "Bei etwa einem Drittel der Kinder gibt es keine Diagnose", sagt Imogen Saß vom ambulanten Kinderhospizdienst. Mit an Krebs erkrankten Kindern haben sie und ihre Mitarbeiter eher selten zu tun. Für kleine Krebs-Patienten gebe es in Ulm eine gute Versorgung mit Beratungs- und Hilfseinrichtungen.
Der ambulante Kinderhospizdienst will seine Angebote ausweiten. Dabei soll ein neuer Mitarbeiter helfen: Bernhard Schmidt, der vorher an der Uniklinik gearbeitet hat, verstärkt jetzt das Team.
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Autor: CHIRIN KOLB | 08.02.2012
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Museums- leiterin Helga Gutbrod: Kinder auch beim Thema Tod ernst nehmen.
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