Große Dramen ganz klein
Die großen Dramen auf kleinen Bühnen mit Minibesetzung. Das Neu-Ulmer Augus-Theater macht daraus im März ein eigenes Festival, das Pocket-Klassiker-Festival, für das auch ein Preis ausgelobt wird.
Was bleibt einem kleinen Theater, wenn es die großen Klassiker auf die Bühne bringen will? Die Verpflichtung von Gästen, aber das ist teuer. Oder eine Fassung, die mehr oder weniger mit den Ressourcen eines kleinen Hauses zu stemmen ist. Claudia Riese und Heinz Koch treiben seit 15 Jahren das Augus-Theater im Neu-Ulmer Konzertsaal um. Und das kleine Theaterteam hat beides schon gemacht - etwa Goethes "Faust" in der Originalfassung gespielt, 1996 war das. Im vergangenen Jahr feierten sie aber mit Albert Franks Miniaturfassung "Fast Faust" einen großen Erfolg. Auch Schillers "Räuber" gab es im Konzertsaal schon mal mit einem kleinen Ensemble und Shakespeares "Hamlet" in einer Fassung für zwei Darsteller.
"Aber es gibt nicht nur wirtschaftliche Gründe für die kleine Besetzung", sagt Heinz Koch. "Es ist auch die Lust, die Geschichte ganz anders, straffer zu erzählen. Dazu kommen die Freiheiten, die man sich herausnehmen kann." Denn wenn die Geschichte schon anders erzählt wird, kann man sie auch gleich aktualisieren. "Es macht auch Spaß, an einem Abend in mehrere Rollen zu schlüpfen." Und weil viele der Miniaturen die Klassiker als Theater im Theater auf die Bühne bringen, "wechseln auch ständig die Erzählebenen", erklärt Koch den Reiz.
Weil der Konzertsaal bekanntlich einen neuen Besitzer hat und der Fortbestand des Theaters am alten Platz fraglich ist, ist das Festival für Claudia Riese und Heinz Koch auch eine Chance auf Neuorientierung. Denn die Theatermacher haben zwar einen Mietvertrag bis 2014, suchen aber einen neuen Spielort, ob der aber so groß sein wird wie der Konzertsaal - dort finden 150 Zuschauer Platz - sei die Frage. Ein solcher Spielort habe ganz eigene Gesetze: "Wir haben da auch mit kleinen Besetzungen gespielt. Wenn wir diese Produktionen aber in unser kleineres Studio verlegt haben, kamen sie beim Publikum viel besser an." Wohin sich das Augus-Theater orientieren will, verrät Koch noch nicht, lässt aber durchscheinen, dass der nächste Spielort wohl kleiner sein wird - und damit auch leichter finanzierbar. "Wir bekommen zwar vom Freistaat pro Jahr 25 000 Euro Subventionen, die sind aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden", sagt Koch: Mindestens 100 Vorstellungen pro Jahr, vier eigene Inszenierungen, die keine Eigenproduktionen sein dürfen. "Unser preisgekröntes eigenes Stück ,Helden auf dem Abstellgleis würde da gar nicht zählen", sagt Koch.
Neun Monate haben Claudia Riese und Heinz Koch an der Organisation des Festivals und der Auswahl der Gäste gearbeitet - meist ohne Probleme. "Ablehnungen gab es keine, aber eine Reihe von Termin-Überschneidungen", erklärt Koch, dass nicht alle Wunschkandidaten der beiden Theatermacher beim ersten Festival dabei sein werden. Und es gab auch erstaunliche Tipps - etwa Bridge Marklands Version von Kleists "Der zerbrochne Krug". Die legte der Regisseur Donald Berkenhoff dem Augus-Team ans Herz - via Facebook. Berkenhoff? Ja, der ist jetzt am Stadttheater Ingolstadt, war nicht nur Oberspielleiter am Landestheater Tübingen, den Städtischen Bühnen Münster und am Badischen Staatstheater, sondern Anfang der 80er Jahre auch als Regie-Assistent und Schauspieler am Ulmer Theater verpflichtet. Koch hörte auf Berkenhoffs Rat, nahm via E-Mail Kontakt mit Bridge Markland auf. Zwei Stunden später war alles perfekt. So einfach kann großes Theater im Kleinen sein.
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Autor: HELMUT PUSCH | 19.01.2012
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Um ihn geht es: der Pocket-Klassiker-Award, den Claudia Riese und Heinz Koch (links unten) präsentieren. Um ihn bewerben sich unter anderem (von links oben) das Augsburger SEnsemble-Theater mit "Hamlet 4 You", Karl-Heinz Helmschrot mit "Fasst Faust", Bernd Lafrenz mit seiner Version von "Der Widerspenstigen Zähmung" und Bridge Markland mit Kleists "Der zerbrochne Krug". Foto: Helmut Pusch/ privat
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