Naturheilverein Ulm blitzt mit Vortrag ab

Ulm.  Noch hält der Ulmer Naturheilverein an einem umstrittenen Esoterik-Vortrag fest. Aber: Kein Veranstalter ist bereit, ihm dafür einen Raum zu geben.

Ein für 26. März angesetzter Vortrag beim Naturheilverein Ulm/Neu-Ulm (wir berichteten) sorgt weiter für Wirbel.

Der Verein habe bisher noch nicht darüber entschieden, ob er den Vortrag des Sendener Medizinjournalisten Nicolas Barro absetzen wird, sagt der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Otto Aydin.

Dies solle erst auf einer Vorstandssitzung am 16. März geschehen. Die Entscheidung sei aber noch völlig offen.

Schon jetzt allerdings hat der Naturheilverein ein eminentes Raumproblem: Sämtliche Versuche, einen Ort für die Vortragsveranstaltung anzumieten, sind gescheitert.

Wie Michaela Köger, Geschäftsführerin des Hauses der Begegnung (HdB), mitteilt, hatte der Naturheilverein bereits vor knapp einen Jahr für den 26. März einen Raum im HdB angemietet, ohne anzugeben, um was für einen Vortrag es sich handelt.

Nachdem sie erfahren habe, dass Barro der Referent sei, habe sie Kontakt mit der evangelischen Landeskirche in Stuttgart aufgenommen, berichtet Köger. Die dortige Beauftragte für Weltanschauungsfragen habe ihr dringend geraten, den Termin abzusagen.

Der Grund: Barro verbreite in seinem unter dem Titel „Einführung in die fünf biologischen Naturgesetze“ angekündigten Vortrag Thesen des umstrittenen Arztes Ryke Geerd Hamer.

Hamer ist Begründer der „Germanischen Neuen Medizin“, einer bizarren Heilslehre, die Schulmedizin mit „Massenmord“ gleichsetzt und Krebserkrankungen als „sinnvolle biologische Entwicklung und Teil des natürlichen Heilungsprozesses“ bezeichnet.

Zudem ist Hamer mehrfach durch antisemitische Äußerungen aufgefallen. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk behauptete er unter anderem, jüdische Ärzte wollten Nichtjuden mit Chemotherapie vernichten.

Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE distanzierte sich Barro von Hamers Antisemitismus, ebenso von dessen medizinischen Handlungsanweisungen. Ihm gehe es lediglich darum, die fünf biologischen Naturgesetze Hamers „theoretisch und wertneutral“ darzustellen.

Hamer wiederum beschimpft Barro auf seiner eigenen Homepage und hat ihm „verboten, meine Germanische Neue Medizin zu verbreiten“.

Nachdem der Naturheilverein im HdB abgeblitzt war versuchte er, einen Raum in der Familienbildungsstätte (FBS) zu bekommen – auch dort, ohne die Verantwortlichen über den Referenten und dessen Thema zu unterrichten.

Als in der Familienbildungsstätte ein E-Mail-Hinweis auf die Brisanz des Vortrags eingegangen sei, habe man Erkundigungen eingeholt, berichtet FBS-Mitarbeiterin Steffi Fröhler. Konsequenz: Vor zwei Wochen wurde der Naturheilverein ausgeladen.

Einen bislang letzten Versuch unternahm der Verein dann bei der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS), die ebenfalls Vortragsräume zur Verfügung stellt.

„Wir haben zuerst zugesagt, weil wir keine Ahnung hatten, was sich hinter dem Vortrag verbirgt“, sagt UWS-Geschäftsführer Frank Pinsler.

Nach Bekanntwerden der Hintergründe habe man es sich aber rasch anders überlegt: „Am Mittwoch haben wir dem Naturheilverein abgesagt.“


Kommentare (10)

23.03.2010 17:43 Uhr |   buecherwurm

NATURheil-Verein???

Zunächst verstehe ich nicht so ganz, was die GNM mit einem Naturheilverein zu tun haben soll. Zu reservieren und nicht das Thema des Vortrages bekanntzugeben zeugt doch von einer gewissen Feigheit, sich einer evtl. Ablehnung zu stellen.

Ich sehe das in der Tat auch so, dass man sich wirklich Gedanken machen sollte, inwieweit man weiterhin mit so einem Verein zusammenarbeitet, wenn dieser bereit ist, sektenähnliche Ideologien und Doktrien zu verbreiten und zeitgleich zu vertreten. Ein Glück, dass hierzu alle Schotten dicht gemacht werden und sie mit ihrem gewollten Auftritt auf Ablehnung stoßen.

Dass der Bügermeister nicht auf E-Mails reagiert und Links sich komischerweise unlöschlich in Archiven befinden zeigt wie bürgernah die Regenten Ulms sind.

Hier muss was unternommen werden!
18.03.2010 21:11 Uhr |   ama

Hunderte Tote durch die Todessekte UND SIE WISSEN...

Wir beobachten die Hamer-Szene seit rund 10 Jahren und haben umfangreiches Material zusammengetragen, das wir Redaktionen von Print, Radio und Fernsehen zur Verfügung stellen. Einen Einblick in die Hintergründe gibt diese Domain: http://www.todessekte.de
,von der es eine englische Version ( http://www.deathsect.com ) und eine französische (in Arbeit: http://www.secte-de-la-mort.net ) gibt.
Wir sind in Kontakt mit Hinterbliebenen der Opfer.

Die Drahtzieher der Todessekte wissen sehr genau, was sie anrichten. Todesfälle werden totgeschwiegen, Kritiker werden verklagt. Das Landgericht Stuttgart läßt sich von derlei Mätzchen allerdings nicht beeindrucken!

Mehrere Familien von Opfern haben sich jetzt zusammengeschlossen und bereiten neue Dokumentationen vor, insbesondere über die sich "Metamediziner" nennende Gruppe, die mit großer Geldgier und Tücke agiert und hauptsächlich aus Ärzten und Heilpraktikern besteht.
In Norwegen gab es Fernsehberichte darüber. Und über die Toten.
18.03.2010 20:57 Uhr |   Steffen

In der Tat...

Das ärgert mich als Ulmer ganz massiv.

Meine schon vor Wochen an die Stadt Ulm gesendete E-Mail diesbezüglich wurde gar nicht erst beantwortet... traurig

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