Nachtkritik: Kitsch und Ironie

Davon war in der Euro-Krise bislang nicht die Rede: dass ein Diplomat durch die Heirat einer millionenschweren Witwe seinen bankrotten Staat retten muss. "Fürs Vaterland zu erben", heißt die Operetten-Parole - eine nette Möglichkeit des Schuldenabbaus.

JÜK |

Davon war in der Euro-Krise bislang nicht die Rede: dass ein Diplomat durch die Heirat einer millionenschweren Witwe seinen bankrotten Staat retten muss. "Fürs Vaterland zu erben", heißt die Operetten-Parole - eine nette Möglichkeit des Schuldenabbaus. Wobei diese Hanna Glawari für das klamme Theater Ulm auch eine gute Partie wäre. Das Bühnenbild für Franz Lehárs "Der lustigen Witwe": öde Kulissen in grellbunten Farben. Und die berühmten Grisetten: Kein Bein-hoch-Ballett, es müssen Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt und Öffentlichkeitsarbeiterin Susanne Lemke ran, schwarzperückt im roten Puff-Fummel. Sparmaßnahmen? Nicht direkt, eher Silvesterball und Faschingsklamotte schon vor dem 11. 11. im Großen Haus zu flott von Kapellmeister Michael Weiger dirigierten Melodien und Tänzen. Und das Bühnenbild ist ebenfalls ein Gag, auch wenn mans nicht so merkt. Regisseur Benjamin Künzel inszeniert "Die lustige Witwe" nämlich als Fernsehoperette der 60er Jahre. Eine gute Idee, die er noch hätte aufwändiger ausspielen können. Die Akteure: Oxana Arkaeva in der Titelpartie und Tomasz Kaluzny als Graf Danilo sangen gewöhnungsbedürftig, Maria Rosendorfsky erhielt als mitreißende Valencienne gestern Abend den lautesten Applaus in einer stark beklatschten Premiere.

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