Nachtkritik: Der falsche Prophet

"Ich höre Gottes Stimme", ruft Séide, zum Mord bereitet. Doch ist es die Stimme eines falschen Propheten, der den jungen Mann am Kragen packt, herumschleudert, manipuliert und zur Bluttat verleitet.

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"Ich höre Gottes Stimme", ruft Séide, zum Mord bereitet. Doch ist es die Stimme eines falschen Propheten, der den jungen Mann am Kragen packt, herumschleudert, manipuliert und zur Bluttat verleitet. Fanatismus und die Instrumentalisierung des Glaubens will "Im Namen von" entlarven - das Stück feierte gestern Abend am Theater Ulm Premiere.

Voltaire hatte 1741 mit "La fanatisme ou Mahomet le Prophète" ein aufklärerisches Skandalwerk geschrieben, Goethe hatte es 1802 als "Mahomet der Prophet" ins Deutsche übertragen, Andreas von Studnitz hat es erneut bearbeitet und inszeniert. Doch bald stellt sich die Frage: Was soll uns damit hier und heute noch tatsächlich erhellend vermittelt werden?

Gezeigt wird die Geschichte eines verbannten Tyrannen, der seine Heimatstadt unterwerfen will. Falls sich die Bürger zu seiner Religion bekennen und ihn als Propheten anerkennen, wird er sie verschonen - die Schleier hängen schon vom Himmel. Der Statthalter gibt nicht klein bei, doch dann geraten seine beiden Kinder, die er für tot wähnte, zwischen die Fronten.

Letztlich überlagert die grob gestrickte Familientragödie das Aufklärungsdrama. Zudem ist die Inszenierung karg, meist statisch und spannungsarm. Das Ensemble vermag da wenig Hilfreiches beizutragen und agiert nicht unbedingt stimmig (Ausnahmen: Sidonie von Krosigk, Florian Stern). Ein dürftiger, ja nichtiger Theaterabend. Höflicher Premierenapplaus.

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