NACHGEFRAGT: MATTHIAS BERZ: Mit Laufzeitverlängerung gerechnet
Die Einigung der Koalition auf längere Laufzeiten für die Atommeiler haben die SWU nicht erfreut. Wir sprachen mit ihrem Chef, Matthias Berz.
Herr Berz, haben Sie mit dem Ergebnis gerechnet, das am Sonntagabend ausgehandelt wurde? Sind Sie enttäuscht?
MATTHIAS BERZ: Die Entscheidung ist für die SWU keine echte Enttäuschung, da wir aufgrund der politischen Diskussionen mit einer Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke gerechnet haben.
Wie wird sich die Entscheidung auf Investitionen der SWU in neue Anlagen auswirken?
BERZ: Bereits gestartete Projektinvestitionen in neue Kraftwerke wie das Holzgas-Heizkraftwerk in Senden werden nicht gestoppt. Noch nicht baulich gestartete Investitionen in neue Kraftwerke stehen aber schon unter Vorbehalt, da wir den genauen Wortlaut der verhandelten Einzeldetails vom Sonntag noch nicht kennen. Diese Details müssen von den SWU erst noch bewertet werden.
Gehen Sie davon aus, dass der Entscheid so umgesetzt wird, wie er verkündet wurde?
BERZ: Die SWU glauben, dass die gestrigen Beschlüsse noch nicht dem Ende der Fahnenstange entsprechen. Die politischen Widerstände sind zu groß.
Was ärgert Sie am meisten in der aktuellen Entscheidung?
BERZ: Steuerlich abgeschriebene Atomkraftwerke können Strom viel preiswerter produzieren als neue umweltschonende Anlagen, die im Vertrauen auf das Gesetz zum stufenweisen Ausstieg aus der Atomkraft gebaut wurden beziehungsweise noch gebaut werden.
Was ist gegen preiswerten Strom einzuwenden?
BERZ: Rein wirtschaftlich gesehen zunächst mal nichts. Insbesondere die Industrie hat massives Interesse an billigem Strom. Aber das Ziel, das die Bundesrepublik seit Jahren verfolgt, ist ein anderes. Demnach soll Strom so teuer werden, dass es einen Anreiz gibt, ihn möglichst effizient zu nutzen. Ebenso erklärtes Ziel ist, den Preis so weit steigen zu lassen - gut ein Drittel der Kosten, die der Endabnehmer zu bezahlen hat, machen ohnehin schon Mehrwertsteuer, Ökosteuer und die EEG-Umlagen aus -, dass alternative Produktionsformen konkurrenzfähig werden. buc
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07.09.2010
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Matthias Berz: Schon gestartete Projekte werden nicht gestoppt.
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