Merckle fasst Firmen zusammen

Ulm. 

Der bevorstehende Verkauf des Arzneimittelherstellers Ratiopharm und die Konzentration verschiedener Merckle-Gesellschaften im brandenburgischen Zossen haben Befürchtungen ausgelöst, die Städte Ulm und Blaubeuren könnten in größerem Umfang Steuereinnahmen verlieren. Der Ulmer Finanzbürgermeister Gunter Czisch will dazu keine Prognose abgeben: „Das ist derzeit unmöglich.“

Die Merckle-Gruppe hat unter Ludwig Merckle nach Berichten der Stuttgarter Nachrichten über 70 Gesellschaften in Zossen zusammengezogen. Auch die Merckle-Finanzholding VEM wurde von Dresden in die frühere sowjetische Kommandantenvilla des Stadtteils Wünsdorf verlegt. Aus Ulm wurde demnach eine PH Vermögensverwaltung abgezogen, aus Blaubeuren die Holland Beteiligungen, die Diadin Gesellschaft chemisches Laboratorium und die Ludwig Merckle GmbH & Co. KG chem.-pharm. Fabrik, deren Löschung im Handelsregister nach 58 Jahren erfolgt sei. Der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold wusste davon bisher überhaupt nichts.

Die größte operative Merckle-Gesellschaft der Region, Ratiopharm, ist freilich von dieser Firmenkonzentration bei der durch die Finanzkrise in erhebliche Schwierigkeiten geratenen Merckle-Gruppe nicht berührt. „Das hat mit Ratiopharm nichts zu tun, am Verkaufsprozess ändert sich nichts“, sagte gestern Firmensprecher Markus Braun.

Merckle muss Ratiopharm verkaufen, um restliche hohe Schulden zu tilgen. Der Verkauf soll bis Ende März über die Bühne gehen. Als aussichtsreichste Interessenten gelten der US-Pharmakonzern Pfizer, der israelische Weltmarktführer bei Generika Teva sowie der schwedische Finanzinvestor EQT. Der Wert von Ratiopharm wird in Branchenkreisen auf etwa drei Milliarden Euro geschätzt. Der Produzent von Nachahmermedikamenten (Generika) beschäftigt in Ulm/Blaubeuren 2300 Mitarbeiter, weltweit 5000.

Die hohe Zahl an Beschäftigten vor Ort erhöht die Chancen der Städte Ulm und Blaubeuren, beim Verkauf an einen industriellen Investor ungeschoren davonzukommen – Finanzinvestoren dagegen bürden gekauften Firmen oft so hohe Schulden auf, dass Steuern überhaupt kein Thema mehr sind. Die Gewerbesteuer gilt in Konzern-Rechnungsabteilungen als eine Art „Kopfsteuer“. Sie richtet sich nach der Lohn- und Gehaltssumme, die an einem Standort ausbezahlt wird. Dies ist die maßgebliche Größe für die „Zerlegung“ oder rechnerische Verteilung des Firmengewinns auf die Kommunen und somit deren spätere Gewerbesteuerbescheide, erläutert Bürgermeister Czisch. Die Zerlegungsregeln seien klar definiert und werden von einem für die Firma zuständigen Finanzamt angewandt. Im Falle Merckle schien es bisher Dresden zu sein. Gewerbesteuerzahlungen fallen aber nur an, wenn ein Gewinn entstanden ist.

Czisch lobt Ratiopharm als einen „sehr treuen und verlässlichen Steuerzahler“. Bei einem Verkauf von Familienunternehmen an Konzerne sei es generell so, dass die Gewerbesteuer zunächst einmal einbreche, weil Gewinne besser mit Verlusten anderer Konzerntöchter verrechnet werden könnten. Oft komme es erst im Kontext von Steuerprüfungen Jahre später zu Nachzahlungen.

Auch der Verlust von Vermögensverwaltungsgesellschaften kann für die Stadt Ulm schmerzhaft sein, wenn dort Gewinne anfallen. Der Gewerbesteuer-Hebesatz beträgt in Ulm 360 Punkte, in Zossen ist es lediglich die gesetzliche Untergrenze von 200 Punkten, mit der der Ort auch im Internet für sich wirbt: „Hier zahlen Sie weniger.“



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: F. KÖNIG, J. STRIEBEL | 20.01.2010

Google 1+

Ratiopharm: Zukunft entscheidet sich bald

Ulm Die Ungewissheit der Ratiopharm-Mitarbeiter wer neuer Eigentümer wird, hält seit mehr als einem Jahr an. Mancher wünscht sich endlich Klarheit.... mehr

Ratiopharm-Zukunft entscheidet sich

Ulm Die Ungewissheit, wer neuer Eigentümer des Pharmakonzerns Ratiopharm wird, hält seit mehr als einem Jahr an. In diesen Tagen wird sich das Bieterfinale zwischen Teva, Pfizer oder Actavis entscheiden.... mehr
Ratiopharm in Ulm

Actavis will mit Ratiopharm an Börse

Ulm Die Deutsche Bank und Actavis planen nach der Übernahme von Ratiopharm einen Börsengang. Ulm soll Hauptsitz des neuen Konzerns werden.... mehr
Pfizer Illertissen

Pfizer will mit Ratiopharm wachsen

Ulm Der zum Verkauf stehende Generikahersteller Ratiopharm ist heiß begehrt. Am Freitag stellte der US-Riese Pfizer vor, wie er mit den Ulmern wachsen will.... mehr
ratiopharm Ulm

Ratiopharm vor dem Verkauf - eine Bestandsaufnahme

Ulm Die Konzerne Teva, Pfizer und Actavis wollen sich mit dem Kauf des Arzneimittelherstellers Ratiopharm stärken. Sie haben es bis ins Finale geschafft. Eine Chronologie und Bestandsaufnahme in Schlaglichtern.... mehr
Ratiopharm in Ulm

Ratiopharm: Vier Bieter noch im Rennen

Ulm Bis zu diesem Freitag müssen verbindliche Angebote für den zum Verkauf stehenden Arzneimittelhersteller Ratiopharm abgegeben werden. Die Finanzszene erwartet einen Preis von 2,8 Milliarden Euro.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr