Menschen in Not helfen
Ulm. Mit einer privaten Stiftung und der Gründung einer Denkfabrik in Berlin will Liqui-Moly-Chef Ernst Prost seinen Einsatz für mehr Ethik in der Wirtschaft abrunden. Er ist auch in der Endrunde der Mutmacher-Aktion.
Seit Ernst Prost mit seinen Forderungen nach mehr Ethik in der Wirtschaft auf große Resonanz in der deutschen Öffentlichkeit gestoßen ist, fühlt er den "unbändigen Drang, etwas Vernünftiges zu tun". Der Firmenchef des Ulmer Herstellers von Schmierstoffen Liqui Moly (siehe Infokasten) will daher zwei neue Projekte ins Leben rufen:
eine gemeinnützige Stiftung zugunsten von Menschen, die wegen Armut, Alter, Behinderung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit unverschuldet in Not geraten sind,
eine "Denkstube" in Berlin, die auf Basis sozialwissenschaftlicher Untersuchungen Anstöße für Verbesserungen in der Gesellschaft geben soll, denkbar ist die Form eines Instituts oder Vereins.
Prost (53) kündigte die beiden Vorhaben gestern bei der Verleihung einer Urkunde im Rahmen des Wettbewerbs "Mutmacher der Nation" an. Er hat es, wie kurz berichtet, in die Runde der letzten drei in Baden-Württemberg geschafft und nimmt somit an der Landesendrunde in Stuttgart teil. Die Entscheidung über den Bundessieger fällt im November in Berlin, sagte Gerrit Klein vom Ebner Verlag, der Prost die Urkunde im Namen der Telefonbuchverlage überreichte. Diese Verlage richten die Mutmacher-Aktion aus. Aus Sicht Kleins hat Prost als "Mann für kernige Sätze" klargestellt, dass es im Wirtschaftsleben in letzter Konsequenz um die Menschen geht und nicht um Eigenkapitalrendite und Personalabbau.
Entsprechend betrachtet Firmeninhaber Prost sein Unternehmen Liqui Moly als eine Familie, in der Werte wie Treue, Kameradschaft und Liebe eine entscheidende Rolle spielen. In den Konzernen gehe es dagegen nur noch um Shareholder Value, Dividenden, Boni und Abfindungen. Der Mensch komme nur noch vor, wenn bei Entlassungen pro forma ein Ausdruck des Bedauerns formuliert werde. Liqui Moly setze dagegen auf Anstand, Mut und Demut, denn ohne Demut werde aus Mut Leichtsinn. Für den Unternehmenserfolg sei außerdem Fleiß unverzichtbar: "Wir schaffen jeden Tag wie die Brunnenputzer." Bis August betrug der Umsatzzuwachs 22 Prozent, jedoch bereitet der steigende Rohstoffpreis Sorgen.
Wegen seiner TV-Spots erhält Prost viel Post von Menschen, die seinen konservativen Ansatz unterstützten, aber auch von Hilfsbedürftigen. Für ein Arztehepaar, das sein Haus am Tegernsee nicht wie gewünscht verkaufen könne, wolle er sich aber nicht einsetzen, während noch Kinder in Afrika verhungern.
Prost stellte klar, dass seine Stiftung nicht die Firma belastet, sondern er vielmehr privates Kapital in mindestens sechsstelliger Höhe zur Verfügung stellt. Zustiftungen von anderer Seite seien möglich.
Mit der Denkfabrik will Prost erreichen, dass ohne jeden Vorbehalt darüber nachgedacht wird, wie die Gesellschaft vorankommt. Dabei setzt er auf unabhängige "Freidenker". Die Parteienlandschaft und Parteiräson habe dazu geführt, dass es in Deutschland zu einer "geistigen Diktatur" gekommen sei. Er strebe die Unabhängigkeit von Politik, aber auch von Arbeitgeber- und Gewerkschaftslagern an. Er selbst stehe beispielsweise einer höheren Besteuerung von Kapitaleinkünften offen gegenüber, während die Arbeit schon zu hoch besteuert werde.
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Autor: FRANK KÖNIG | 03.09.2010
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Gerrit Klein vom Ebner Verlag (rechts) überreichte Ernst Prost die Urkunde zur Mutmacher-Aktion. Firmenfoto
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