Mehr als 1000 Teilnehmer bei Mahnwache auf Münsterplatz

Ulm.  Betroffenheit und Solidarität standen im Zentrum einer Mahnwache auf dem Münsterplatz. Aber auch die Forderung, zu dem vor zehn Jahren beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft zurückzukehren.

Beinahe wie zu Hoch-Zeiten hat die Anti-AKW-Bewegung am Montagabend mehr als 1000 Menschen auf den Münsterplatz mobilisiert. „Wir sind zusammen gekommen, um unserer Betroffenheit und unserer Trauer über die schrecklichen Folgen des Erdbebens und des Tsunamis in Japan Ausdruck zu verleihen“, sagte der Regionalgeschäftsführer des BUND, Ralf Stolz.

Der Sprecher des „Aktionsbündnisses Atomausstieg jetzt“, sprach aber auch seine Wut und Empörung darüber aus, dass trotz all der kleineren und größeren Zwischenfälle in den Kernkraftwerken auf der Welt weiterhin an der Nutzung der Atomenergie festgehalten werde. „Wir erwarten mehr von unserer Regierung, als die Laufzeitenverlängerung nur um Monate auszusetzen“, sagte Stolz unter großem Beifall.

Die Stimmung der Teilnehmer getroffen hat auch Oberbürgermeister Ivo Gönner, der den Ausstieg aus dem Ausstieg „unklug und wirtschaftlich falsch“ bezeichnete. Auch in seiner Ansprache beherrschten Mitgefühl für die Menschen in Japan und notwendige politische Debatte über die Kernkraft in Deutschland den Inhalt.

Gönner mahnte, dass die Folgen noch lange nicht absehbar seien, und sprach von „unvorstellbar grausamen Auswirkungen“ des Erdbebens und des Tsunamis. Er warnte vor Parteipolitik auf dem Rücken der Japaner. Doch bei aller Betroffenheit müsste auch über die politischen Folgen diskutiert werden.

Er erinnerte an den vor zehn Jahren geschlossenen Kompromiss mit der Industrie, aus der Kernenergie auszusteigen und die Laufzeiten der Anlagen in Deutschland zu begrenzen: „Das war klug und ein vernünftiges Programm.“ Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm hätten in dieser Zeit beispielsweise zehn Milliarden Euro in neue Energiequellen und Kraftwerke investiert und Pläne für weitere zehn Milliarden in der Schublade. „Wir haben uns auf das Ausstiegsszenario verlassen.“ Gönner forderte, zum alten Atomausstieg zurückzukehren.

Uta Wittich kritisierte das „durchsichtige Vorgehen“ der Regierung, durch ein Moratorium der Laufzeitenverlängerung nur die Stimmung beruhigen zu wollen. „Sollen wir der Kanzlerin glauben?“, fragte die Sprecherin des örtlichen Aktionsbündnisses in die Menge, und gab selber die Antwort: „Ich habe große Zweifel.“ Auch die jetzt havarierte Anlage in Fukushima habe eine Laufzeitverlängerung hinter sich.

Der frühere Pfarrer Reinhart Müller lenkte den Blick darauf, den Globus als eine Welt zu sehen. „Ich kann das Geschwätz nicht mehr hören, bei uns gäbe es keine Tsunami, Japan sei weit weg und die Winde günstig. Kehrt um, und verlasst die von den Menschen nicht zu beherrschende Kernenergie. Jetzt.“

Das Aktionsbündnis veranstaltet am Freitag, 17 Uhr, auf dem Münsterplatz eine Kundgebung mit anschließender Demonstration.


Kommentare (26)

17.03.2011 08:00 Uhr |   Beobachter1

Voll doof - Japan 2011 ist überall.

Voll doof - Japan 2011 ist überall.

Es ist jetzt schon voll doof, das gerade die CDU/CSU/FDP einen anderen Standpunkt zur Atomkraft einzunehmen 'droht'.

Dürfen die das denn überhaupt?
Haben die sich die Erlaubnis von den Grünen, den Linken, der SPD geholt?

Thema Laufzeitverlängerung.
Hier bereiten die Oppositionsparteien eine Verfassungsklage vor.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Laufzeitverl%C3%A4ngerung_deutscher_Kernkraftwerke#Verfassungsklagen)

Wenn das Handeln der aktuellen Regierung so pöse ist, dann sollten die Oppositionsparteien vielleicht 'andere' Klagewege beschreiten?!

Vielleicht auf sofortige Wieder-Inbetriebnahme der aktuell abgeschalteten AKW's klagen?!
Wenn das dann durch ist, dann vor den AKW's Demos organisieren.
Sollten sich zu wenig Menschen lokal zusammentrommeln lassen, dann einfach Busfahrten aus anderen Regionen dorthin anbieten - ^^.

Voll doof, das Japan 2011 überall ist und das die aktuelle Regierung zu schnell handelt - ^^.
16.03.2011 18:41 Uhr |   Obenbleiber

Kehrtwende geradezu heuchlerisch

Einen Wendehals namens Mappus, der seinen Kopf schneller drehen als dieser denken kann, braucht den unser Land wirklich?
Noch am politischen Aschermittwoch verkündete er unter Ovationen vor einem handverlesenen Abnickerpublikum ungefähr wörtlich: "Warum sollten wir in Deutschland unsere technisch auf neuesten Stand befindlichen und absolut sicheren Kernkraftwerke abschalten, nur um nachher den Strom kostspielig aus dem Ausland importieren zu müssen?"
Soviel zur Glaubwürdigkeit dieses edlen Herrn. Da fehlen einem ganz einfach die Worte.
Bin mal gespannt, welch frohe Botschaften dieser Scharlatan heute abend im SWR-Fernsehen wieder auf Lager hat und für wie dumm er das Volk verkaufen will.
16.03.2011 15:35 Uhr |   ares

Gesetzestexte sind toll

Doch was will uns Beobachter1 denn sagen?
Nirgendwo in den angegebenen Links habe ich die Erlaubnis zur willkürlichen Stilllegung der AKWs gefunden.
Nachdem bis zu den Vorfällen in Japan immer von Regierungsseite versichert wurde, dass die alten Risikomeiler kein Sicherheitsrisiko darstellen, bin ich nun doch überrascht, womit Frau Merkel das Abschalten rechtfertigen will.
Entweder waren die Reaktoren vorher schon gefährlich, dann hat sie uns alle einem hohenRisiko ausgesetzt.
Oder die Reaktoren sind technisch unbedenklich, dann hat sie gegen ihr eigenes neues Gesetz zur Laufzeitverlängerung verstoßen.
Wie auch immer.
Es gibt keine Rechtsgrundlage für ein willkürliches vorläufiges Abschalten ohne konkreten Störfall an einem der Anlagen oder ohne neue Sicherheitsüberprüfung.
Dass am Ende eine dauerhafte Abschaltung stehen sollte ist den Grünen schon lange klar.
Doch in einem Rechtsstaat hat sich auch die CDU-Regierung an die Gesetze zu halten.

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Autor: Hans-Uli Mayer | 14.03.2011

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