Mahlzeit!

Mittags Schule aus, Hunger - und dann? Viele Schüler greifen zum schnellen Essen etwa von der Tankstelle. Wie gesund ist Junk Food? Eine Ernährungsberaterin bewertet den Speiseplan der Schüler.

Mittags kommt bei manchen vielleicht der kleine Hunger, bei vielen aber auch der große, vor allem, wenn das Frühstück bereits Stunden zurückliegt. So wie bei Felix Kleemann (14), Schüler am Humboldt-Gymnasium. Er beißt während dieser Mittagspause in eine "Weiße im Semmel", also eine Bratwurst. Die hat er sich an einem Imbiss in der Ulmer Innenstadt gekauft. Kosten: 2,40 Euro. Üblicherweise - "wenn ich nach der sechsten Stunde Schulschluss habe" -, geht der Schüler mittags nach Hause. Wenn die Schule allerdings nachmittags weitergeht, dann "esse ich in der Stadt". Macht die Wurst satt? Felix: "Ich könnte schon noch eine zweite vertragen, aber so viel Geld will ich heute nicht fürs Essen ausgeben." Felix Speiseplan sieht so aus: Zum Frühstück gibt es Toast, Kaba und Kaffee, zum Mittag wahlweise etwas Schnelles auf die Hand oder Muttis Küche wie Nudel oder Schnitzel, abends gibt es Brot.

Was sagt die ernährungsmedizinische Beraterin Sigrid Räkel-Rehner zum Speiseplan?

Dass Felix Hunger hat ist sehr verständlich. Der Energiebedarf bei 14-18 jährigen liegt 10 Prozent höher als bei den Erwachsenen. Bei seiner "Weißen im Semmel" hat er den Bedarf an tierischen Fetten für den Tag gedeckt. Deshalb empfehle ich ihm, keine weiteren Fleischwaren an diesem Tag zu essen. Bei den genannten Fast Food Gerichten schneidet der Döner aus ernährungspysiologischer Sicht am günstigsten ab, wegen des relativ hohen Salatanteils. Gerade Salat, Rohkost oder Gemüse(Suppe) und Hülsenfrüchte fehlen in seiner Ernährung, um den Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen zu decken. Salate oder Gemüse schmecken nicht nur gut, sondern sättigen auch. Sie sind auch immer mehr als Fast Food erhältlich. Falls mittags kein Salat gegessen wird, sollte die Portion abends doppelt so groß ausfallen. Ich finde es gut, dass Felix frühstückt. Für die Schulpause sollte er noch ein Körner- oder Vollkornbrot mit Käse und ein Stück Obst mitnehmen. Getränk? Hier empfehle ich Wasser, Tee oder hoch verdünnte Saftschorle (500 bis 1000 Milliliter) immer dabei zu haben.

Switlana Maghazuwa (17) isst in dieser Mittagspause ein belegtes Käsebrötchen. Die Ulmer Schülerin besucht das Kepler-Gymnaisum und kauft sich das Brötchen an der Tanke um die Ecke, sie will nämlich schnell zurück in die Schule, eine Sitzung der Schülerzeitungsredaktion steht an, anschließend noch eine Doppelstunde Französisch. Den Preis fürs Brötchen, 2,29 Euro, findet sie zwar ordentlich teuer, aber "ich habe jetzt Hunger, ich habe nämlich den ganzen Tag noch nichts gegessen". Das Frühstück musste ausfallen, sie ist nämlich zu spät aufgestanden. Erst um 15.20 Uhr ist für sie an diesem Tag die Schule aus - deshalb beißt sie jetzt ins Käsebrötchen von der "Tanke". Switlana versucht sich gesund zu ernähren, sagt sie, aber "es klappt nicht immer" und zwar schlicht aus Zeitgründen. Am Tag zuvor gab es zum Abendessen Tiefkühlpizza, an diesem Abend wird sie wahrscheinlich Schnitzel mit Reis und Salat essen.

Was sagt die Expertin zu diesem Speiseplan?

Käsebrötchen und das Abendessen sind gesunde Mahlzeiten, ergänzt durch Rohkostschnitze, optimal! Zur TK Pizza hätte noch ein Salat gehört. Da es für sie auch ein langer Tag in der Schule ist, empfehle ich ihr, doch täglich zu frühstücken. Das Frühstück füllt die leeren Energiereserven auf, fördert die Konzentration und verhindert ein unregelmäßiges Essen am Nachmittag. Ein Früchtemüsli mit geringem Zuckergehalt mit Milch ist schnell zubereitet. Zusätzlich sollte sie in der Schule immer ein Stück Obst dabei haben, besser wäre auch noch eine Brotzeit. Trinken nicht vergessen. Ich empfehle Wasser, Tee oder hoch verdünnte Saftschorle. Gesüßte Getränke sind nicht gesund. 1 Liter Eistee, süßer Sprudel, Cola oder auch Saft enthält im Durchschnitt 120 g Zucker. Knapp 500 "leere Kalorien". Somit wäre kein Platz mehr am Tag für einen Schokoriegel, Gummibärchen oder eine Handvoll Chips.

Fast food - aber gut, ist ein Motto der "Gruenbar", einem kleinen Bio-Restaurant in der Weststadt. Genau deswegen isst Talia Pfeil (15), Schülerin der St. Hildegard-Realschule, zum ersten Mal dort. "Ein paar aus meiner Klasse haben gesagt, dass es hier gut ist, und jetzt bin ich hier." Bestellt hat sie einen Wrap, der Teig besteht aus Dinkelmehl, dazu hat sie sich Hühnchenfleisch ausgesucht, etwas Salat dazu und obendrauf die "Gute-Laune-Soße" (Joghurt mit Kräutern). Ob mit ob ohne Mais oder Quinoa (glutenfreies Korn) - die Schüler dürfen selbst wählen, was hineinkommt. Tanjas Bestellung klingt ausgesprochen gesund und schmeckt "sehr gut", sagt Tanja. Ihr ist gutes, gesundes Essen wichtig, "man ist dann nicht so träge, weil einem der Magen nicht wehtut, sondern hat dann in der Schule mehr Energie".

In der Gruenbar zahlen Schüler Schülerpreise. So kostet der Wrap für Talia 3,50 Euro, Erwachsene müssen dafür 3,95 Euro hinlegen. Das Geld bekommt sie dafür von ihrer Mutter. Talia findet: "Der Preis ist in Ordnung." Häufig isst sie in der Schul-Mensa ihr Mittagessen, aber dort "schmeckt es nicht so gut und das Bestellen ist umständlich". Eine Woche zuvor müssen nämlich die Schüler per Internet ihren Essensbon bestellen und das Geld dafür (2,15 Euro) online abbuchen lassen. Talias sonstiger Speiseplan über den Tag verteilt liest sich folgendermaßen: Zum Frühstück gibt es immer Kaba mit Zwieback ("sieht furchtbar aus, schmeckt aber"). In der Schulpause isst Talia ein Brot, entweder mit Wurst oder Käse, dazu einen Apfel. Abends gibt es für sie ein Vesper.

Was sagt die Expertin dazu?

Dies ist sehr gesund. Wenn abends auch immer Salat oder Rohkost dabei ist, habe ich keine weiteren Verbesserungsvorschläge. Getränk? Ich empfehle immer Wasser, Tee oder Saftschorle dabei zu haben. Schade, dass die Mensabestellung so umständlich ist. Ich habe die neue Küche gerade erst kennen gelernt und bin beeindruckt. Hier wird bestimmt gut gekocht.

David Hirschmann (14), Schüler des Humboldt-Gymnasiums in Ulm, hat in dieser Mittagspause nicht viel Zeit - der Unterricht geht nämlich gleich weiter. Deswegen ist er mit seinen Kumpels Richtung Ulmer Innenstadt gegangen und kreuzt eine der Ulmer "Freßecken", das Hafenbad, um sich dort schnell ein Mittagessen abzugreifen. David hat sich für "Yufka" von einem türkischen Imbiss entschieden. Wobei die Bezeichnung "Yufka" falsch ist, meint das nämlich allein dünnen Blätterteig. Was David aber in den Händen hält, ist ein gerollter Teigfladen (Kosten: 4 Euro) gefüllt mit vielen Zwiebeln, Kraut, Tomate und Rindfleisch, eher bekannt als Dürüm. Wie es heißt, ist David egal, hauptsache es schmeckt. Schmeckts? David: "Mama kocht schon besser." Denn üblicherweise isst er mittags zu Hause, nur dann eben nicht, wenn mittags nach einer kurzen Pause die Schule weitergeht. "Mama findet es nicht so gut, wenn ich so etwas esse", erzählt Davied. Sie lege großen Wert auf gesundes Essen. David hingegen findet, Fastfood macht auch satt. Er selbst meint, dass er viel Essen braucht, schließlich trainiert er zweimal in der Woche Leichtathletik beim SSV Ulm. Zum Frühstück kommt bei David stets Brot mit Honig auf den Tisch, in die Schule nimmt er stets Pausenbrote und immer einen Apfel mit. Abends gibt es wiederum Vesper.

Was sagt die Expertin dazu?

David hat geregelte Mahlzeiten und ernährt sich gesund. Ab und zu ein Dürüm ist kein Problem. Ich finde es gut, dass er frühstückt, Pausenbrote und Obst dabei hat. Das Frühstück sollte noch durch Milch oder Joghurt ergänzt werden. Falls er keine Milch mag, sollten die Brote überwiegend mit Käse belegt sein, um den Kalziumbedarf zu decken. Ergänzend würde ich ihm noch empfehlen, öfters Rohkostschnitze je nach Jahreszeit, wie z. B. zurzeit Karottenschnitze mit zu nehmen. Getränk? Wie bei den anderen, am besten Wasser.

Info

Wie sieht der ausgewogene Speiseplan eines Jugendlichen aus? Ernährungsberaterin Sigrid Räkel-Rehner hat einen solchen Plan aufgestellt, unter www.swp.de/jungesulm.


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