Luigi Cherubinis "Médée" im Theater Ulm

Kindsmord, Raserei und unerfüllte Liebe kommen in der Oper "Médée" auf die Bühne des Theaters Ulm. Jede Menge blutrünstige Emotionen, meinen die von Christina Kirsch befragten Zuschauer.

SWP |

Carl-Friedrich Römer (62), Ulm: Dirigent Michael Weiger gelang es, die Szenen farbig heraus zu arbeiten. Besonders eindrücklich war das in der Gewitterszene zu hören. Bei den Gesangssolisten bewundere ich Oxana Arkaeva wegen ihrer Vielseitigkeit. Sie hat viele Klangfarben, ein angenehmes Timbre und zeigte sich auch im dramatischen Sprechgesang überzeugend. Dircé (Edith Lorans) war Wohlklang pur. Auch der Mezzosopran der Dienerin Néris (I Chiao Shih) gefiel mir sehr gut, während Gilles Ragon in der Rolles des Jason doch abfiel.

Helmut Fuchs (63), Tettnang: Mir gefiel, dass der Regisseur das Blutrünstige nur angedeutet hat. Das genügte durchaus. Obwohl in allen drei Akten das gleiche Bühnenbild (Hartmut Holz) zu sehen war, geriet die Oper kein bisschen langweilig. Dass die Korinther Pappkronen auf dem Kopf hatten, empfand ich als klamottig. Oxana Arkaeva hat die Schärfe und Aggression in ihrer Stimme optimal verkörpert. Auch die Dienerin Néris gefiel mir.

Detlev Megow (58), Blaustein: Die vielen Details waren irre. Als Dircé (Edith Lorans) in ihrem blauen Todeskleid neben ihrem Mann Jason (Gilles Ragon) stand, war er nur ganz leicht von unten blau angestrahlt (Licht: Klaus Welz). Solche Effekte wirken unterschwellig. Auch in den Kostümen (Angela C. Schuett) gefiel mir die Farbabstimmung. Das Ganze hat mich sinnlich angesprochen. Die Kinder wirkten für ihr Alter sehr professionell. Musik und Bühnenbild passten stets sehr gut zusammen.

Hannelore Meyer (70), Pfaffenhofen: Dieser Sandkasten in der Mitte war für mich ein Symbol für die Vergänglichkeit. Man sah ja ständig, wie der Sand den Menschen durch die Finger rieselte. Nichts war haltbar, nichts greifbar. Am heftigsten war für mich die Szene, als Medea die Puppen, also ihre toten Kinder, in den Raum warf. Das war so endgültig und prägnant, dass es mich richtig gepackt hat. Die Halbmasken unterstrichen meiner Meinung nach das Anonyme der Sänger.

Siegfried Rau (64), Bad Saulgau: Die Gefühlswelt der Medea, die zwischen Wahnsinn, Eifersucht, Rache und Mutterinstinkt hin und her schwankte, hat mich total gepackt. Der voluminöse Gesang der Chöre war berauschend. Dass die Sänger im Chor eine Krone auf hatten, habe ich allerdings nicht verstanden. Bei den Solisten ragte I Chiao Shih mit ihrer samtigen Stimme als Dienerin hervor, dagegen fehlte Gilles Ragon das Theatralische.

Helga Hennerich (66), Pfullingen: Opernchor und Extrachor waren gigantisch. Vor allem in diesem Hochzeitschor. Mir sind auch einige Szenen gut in Erinnerung, die das Musikalische in Aktion umgesetzt haben. Diese roten Seile, die die schwarz gekleideten Personen so langsam knüpften und über die Bühne zogen, waren für mich die Verkörperung von bösen Gedanken. Im dritten Akt wurde die Medea von diesen bösen Gedanken regelrecht gefangen.

Thomas Stiegelmayr (33), Krems: Das Theater Ulm lohnt eigentlich immer einen Besuch. Die Inszenierung der "Médée" wirkte auf mich märchenhaft. Regisseur Igor Folwill gab der Geschichte Raum. Es wurde nicht versucht, das Geschehen in eine zeitliche Ebene hinein zu pressen. Ein schöner Regiekniff war das Heraustreten der Medea aus der Bühne. Sie war die Ausgeschlossene, als die Festgesellschaft die Hochzeit von Dircé und Jason feierte. Der Platz am seitlichen Bühnenrand passte zu ihrer Situation als Fremde und Verstoßene.

Brigitte Liemert (73), Lichtenstein: Mir war die Ouvertüre zu lang. Dafür, dass Medea eine rasende Furie ist, trat sie mir am Anfang zu zögerlich auf. Jason gefiel mir auch optisch nicht. Den stellt man sich lebhafter vor. Die Einfachheit des Bühnenbildes war wieder einmal überzeugend. Mir gefällt auch an den Ulmer Inszenierungen, dass sie die alten Stücke nicht mit aller Gewalt auf modern trimmen.

Josefine Fischer (26), Ulm: Die haben ziemlich krasse Sachen gesungen, aber die starken Emotionen kamen bei mir nicht so richtig an. Gefallen haben mir die Kostüme, vor allem das Hexenmäßige von Medea. Die roten, zerzausten Haare und das rote Kleid passten gut zu der Figur. Mit dem Sandkasten konnte ich nicht so viel anfangen. Ein bisschen fehlte mir in der Inszenierung die Bewegung. Dafür gab es schön anzusehende Standbilder.

Info Das Theater Ulm zeigt Luigi Cherubinis "Médée" noch fünf Mal: am 29. März, 17. April, sowie am 3., 13.und 27. Mai.

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