Blockheizkraftwerk abgeschaltet
Legionellen aus dem Telekom-Innenhof in Ulm
Ulm. Die mit Legionellen verseuchte Anlage auf dem Telekom-Gelände lief probeweise und war nicht abgenommen. Darauf weist der Hausbetreiber hin.
Ein Blockheizkraftwerk mit den dazugehörigen Kühltürmen im Innenhof des Telekom-Gebäudes in der Olgastraße ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Quelle für die Legionellen-Infektionen Anfang des Jahres in Ulm und Neu-Ulm. Nachdem die SÜDWEST PRESSE den mutmaßlichen Legionellen-Herd am Donnerstag öffentlich gemacht hatte, äußerte sich die "Strabag Property and Facility Services", die die Immobilie in der Olgastraße als eine Art Generalhausmeister betreibt, aber nicht deren Eigner ist. In einer Pressemitteilung bestätigte das Unternehmen unsere Darstellungen im Wesentlichen. Nach den Worten von Pressesprecherin Gabriele Renard hat sich die von Legionellen befallene Anlage bis zur Abschaltung im Januar im Testbetrieb befunden. Es handele sich um ein Blockheizkraftwerk samt Kühltürmen, das im vergangenen Jahr neu eingebaut worden sei.
Die Verantwortung für die Anlage will die Strabag-Tochter allerdings nicht übernehmen. "Bis jetzt ist sie noch nicht in unsere Betriebsverantwortung als Auftraggeberin übergegangen", so Renard. Der Pressesprecherin zufolge war die Anlage im September 2009 von einem Generalunternehmer eingebaut und in Betrieb genommen worden. Sie sei seither aber nur probeweise gelaufen. Erst nach einer endgültigen Abnahme wäre die Anlage an die "Power and Air Solutions", eine hundertprozentige Tochter der Telekom, übergegangen. Weiter wollte sich die Strabag-Tochter nicht äußern. Sobald die Untersuchungen des Falls abgeschlossen seien, werde man Stellung beziehen, sagte Renard. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung."
Die Verantwortung für die Anlage liegt demzufolge bei dem mit dem Einbau beauftragten Generalunternehmer. Wie die Pressesprecherin des Strabag-Dachkonzerns in Wien, Diana Klein, auf Anfrage mitteilte, handelt es sich dabei um die Firma "Kuhnert Haustechnik" mit Sitz im sächsischen Gottschdorf, südwestlich von Hoyerswerda. Von diesem Unternehmen war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. "Wir äußern uns nicht gegenüber der Presse", sagte ein Mitglied der Geschäftsleitung.
Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Ulm bestätigt, dass sie Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Verursacher der Legionellen-Infektion eingeleitet hat. Es gelte nun herauszufinden, ob der Betreiber der Anlage einen schuldhaften Fehler begangen habe, sagte Sprecher Michael Bischofberger. Es könne durchaus sein, dass die Anlage korrekt betrieben worden sei. Falls jedoch ein Verschulden nachweisbar sei, werde gegen den Betreiber wegen fahrlässiger Körperverletzung beziehungsweise fahrlässiger Tötung ermittelt.
Die Infektionswelle durch Legionellen in Ulm und Neu-Ulm hatte Anfang Januar fünf Todesopfer gefordert. 64 Menschen mussten wegen schweren Lungenentzündungen in Krankenhäusern behandelt werden. Drei Patienten liegen noch in der Ulmer Uni-Klinik.
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Autor: CHRISTOPH MAYER | 05.02.2010
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Die Telekom: von hier aus verbreiteten sich die Legionellen. Archivfoto
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Kommentare (1)
Legionellen ...
entstammen immer dem Trinkwasser und sind dort weit verbreitet. Sie vermehren sich in warmem Wasser, sind aber auch im kalten Trinkwasser ansteckend. 1 Legionelle reicht für eine Infektion. Über Legionellen wird selten berichtet, weil auch bei schweren und tödlichen Lungenentzündungen sehr selten auf den konkreten Erreger untersucht wird. Die CAPNETZ-Studie schätzt für Deutschland 30.000 Legionelleninfektionen und 4.500 Legionellentote jährlich ab. Die Theorie mit der Legionellenwolke aus der Kühlanlage ist ziemlich abenteuerlich.