Legionellen-Gutachten nicht vor Anfang Juni

Ulm.  Die Welle von Legionellen-Infektionen Anfang des Jahres in Ulm hat ein juristisches Nachspiel: Zehn Strafanzeigen wegen fahrlässiger Körperverletzung liegen der Staatsanwaltschaft Ulm mittlerweile vor, sagt Oberstaatsanwalt Christof Lehr.

Die Gretchenfrage: Wer ist verantwortlich dafür, dass die gefährlichen Bakterien in einem Blockheizkraftwerk auf dem Telekom-Gelände neben dem Hauptbahnhof entstehen, sich vermehren und in einer Abluftwolke durch die Stadt ziehen konnten? Die Telekom als Mieterin ? Die Strabag als Gebäudeverwalterin? Die sächsische Firma, die die im Probebetrieb laufende Anlage Ende 2009 eingebaut hatte? Ein Techniker, der fahrlässig vorging? Erkenntnisse erhofft sich Lehr aus einem Gutachten, das die Strabag im Einvernehmen mit der Stadt Ulm im Februar in Auftrag gegeben hatte. Ergebnisse stehen noch aus.

Laut Marlies Gildehaus von der Pressestelle der Stadt Ulm fand am 20. April eine Besprechung zwischen Bürgerdiensten, Strabag und dem Gutachterbüro statt. Dabei habe man vereinbart, dass die Expertise bis zum 31. Mai stehen solle. Zum damaligen Zeitpunkt lagen der mit dem Gutachten beauftragen Firma, der Stuttgarter Ingenieurgruppe RUK, jedoch noch nicht alle erforderlichen Informationen vor.

Roland Häußler von den Bürgerdiensten hält die lange Wartezeit für normal. Der Untersuchungsauftrag sei komplex, Geduld deshalb angebracht. „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“ Auch Gabriele Renard, Sprecherin der Strabag Property and Facility Services, sieht das so. „Wir sind an einer zügigen Aufklärung interessiert, aber das muss gründlich geschehen“, betont sie.

Die defekte Anlage auf dem Telekom-Gelände war Mitte Januar stillgelegt worden. Sie ist noch abgeschaltet. Acht Anlagen in anderen Ulmer Betrieben, in denen Anfang Januar geringe Konzentrationen von Legionellen entdeckt worden waren, sind unter Aufsicht des Gesundheitsamtes gereinigt worden. Die Abluft-Wolke hatte die bislang größte Legionellen-Erkrankungswelle in Deutschland ausgelöst. Fünf Menschen starben an Lungenentzündung, 64 weitere Personen mussten mit schweren Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus.


Kommentare (3)

07.05.2010 12:31 Uhr |   eurofan

An die Vorredner:

Volle Zustimmung.
07.05.2010 02:50 Uhr |   wilfriedsoddemann

Trinkwasser liefert Legionellen frei Haus

Legionärskrankheit: Tote und Kranke durch Legionellen im Trinkwasser

30.000 Legionelleninfektionen und 4.500 Todesfälle im Jahr in Deutschland: Quelle CAPNETZ Studie und u.a. Hessischer Rundfunk - Alles Wissen - Wenn Duschen krank macht - vom 11.03.2009: Jede/r 7. durch Legionellen infizierte stirbt an einer heftigen Lungenentzündung!
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=44888&key=standard_document_36549098
06.05.2010 21:10 Uhr |   legionaer

komisches vorgehen

also wenn ich es richtig verstehe, ermittelt die staatsanwaltschaft. und irgend ein ingenieurbüro macht ein gutachten, allerdings nicht im auftrag der staatsanwaltschaft, sondern als privatgutachter. wieso beauftragt nicht die staatsanwaltschaft und warum werden nicht namhafte fachleute beauftragt, sondern ein büro, das nahezu unbekannt ist, jedenfalls in dem fachlichen zusammenhang um den es hier geht. sehr seltsam. es wird ausgehen wie das hornberger schießen. oder noch ein gutachten. oder zwei.
genau so unqualifiziert wie mit dem kühlturm umgegangen wurde (weil jeder der damit zu tun hat weiß, dass man bei kühltürmen periodisch biozid zu dosieren hat) geht man jetzt die juristische aufarbeitung an. man kann nur sagen (wenn das stimmt was man hier lesen kann) - stümperhaft!

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Autor: CHRISTOPH MAYER | 06.05.2010

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