Lächeln statt hecheln: Unterwegs mit dem Gesundheitscoach
Frühling heißt für viele Menschen: Endlich wieder Sport treiben! Wer dabei Motivation braucht, dem hilft vielleicht ein Personal Trainer: eine Stunde mit dem Lauf- und Gesundheitstrainer Marko Vrbancic.
Autor: CHRISTINE LIEBHARDT |"Stellen Sie sich zur Motivation drei Riegel Ihrer liebsten Schokolade vor - für jede zehn Minuten Sport gibts einen." Marko Vrbancic hat mich bei meiner Lieblingsschwäche gepackt - und weiß sie auszunutzen, um mich anzutreiben. Die Motivation seiner Klienten gehört ebenso zu seiner Arbeit wie der Sport, den er mit ihnen treibt. Marko Vrbancic ist Gesundheitstrainer, coacht Einzelpersonen und Laufgruppen individuell. Der 52-jährige Ulmer setzt auf sanfte Motivation und Empathie. Sein Training soll vor allem die Gesundheit seiner Klienten fördern und Fett verbrennen, nicht Hochleistungssportler aus ihnen machen. Die Kunden sollen sich wohl fühlen beim Sport, nicht sich total verausgaben. "Mein Motto ist: Lächeln statt hecheln." Entsprechend sanft starten wir in unser Training. Am Anfang steht das Aktivieren von Gelenken und Gliedmaßen, die von unten nach oben ausgeschüttelt werden: Füße, Hüften, Arme, Schultern, Kopf. So soll nicht nur die Wirbelsäule wieder ins rechte Lot gebracht werden, sondern auch die Sorgen des Alltags wortwörtlich abgeschüttelt werden.
Das Aufwärmen dient der Sensibilisierung für die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Welche Körperteile tun mir weh? Ist das linke Fußgelenk vielleicht weniger geschmeidig als das rechte? Woran liegt das, und wie kann man durch ein entsprechendes Training Besserung bewirken? Seine Beobachtungen lässt der Coach in die nachfolgenden Übungen und in den Trainingsplan einfließen, den er individuell für jeden Kunden erstellt. In der Regel gehören Lauftraining und Kraftübungen dazu. Die Intensität kann ganz unterschiedlich sein, je nach Anforderung: Eine geübte Läuferin, die beim Marathon unter drei Stunden ins Ziel kommen will, braucht ein anderes körperliches Training und unterschiedliche Motivation als jemand, der seit 20 Jahren keinen Sport mehr getrieben hat.
Die meisten seiner Klienten sind etwa im selben Alter wie Marko Vrbancic und haben irgendwann aufgehört, Sport zu treiben, weil ihre Lebensumstände keine Zeit mehr dazu zu lassen schienen: der einen kam das stressige Berufsleben dazwischen, der andere wollte seiner Familie mehr Zeit widmen. Es sind viele Wiedereinsteiger, die zu ihm kommen: "Mit denen muss ich auch erstmal wieder bei Null anfangen." Heißt: ganz langsam beginnen. Vor dem ersten Training stehen zunächst die Anamnese und ein persönliches Gespräch, in dem Marko Vrbancic mit seinem Klienten vereinbart, welche Ziele sie gemeinsam erreichen wollen. "Diese Ziele müssen natürlich realistisch sein. Wenn jemand mit 50 Kilo Übergewicht einen Marathon laufen will, geht das nicht." Zum Job gehöre auch immer etwas Psychologie. Darin unterscheide sich die Coaching-Arbeit gar nicht so sehr von der Mitarbeiterführung, die Marko Vrbancic noch aus seiner Zeit als Geschäftsführer im Buchhandel vertraut ist. Trainiert wird in der freien Natur oder beim Kunden zu Hause, ohne große Ausstattung: "Das Krafttraining können wir auch mit zwei Bierflaschen machen, wenn man keine Hanteln hat."
Während des Trainings beobachtet der Coach seine Klienten und greift gegebenenfalls korrigierend ein. Bei mir sind es die Arme, die ich beim Hügellauf zu sehr hängen lasse: "Wenn Sie die Arme bewusst parallel halten, kommen Sie die Steigung viel leichter hinauf", rät er. Der Luxus eines persönlichen Trainers, den man früher vor allem von Hollywood-Stars kannte, scheint auch in Ulm gefragt zu sein. Während wir an der Donau entlang joggen, kommen uns gleich zwei andere Coaches mit ihren Schützlingen entgegen. Diese Exklusivität hat ihren Preis: 60 Minuten Einzeltraining bei Marko Vrbancic kosten je nach Aufwand 70 bis 90 Euro, für Gruppen berechnet er 120 Euro.
Das abschließende Dehnen und die Kraftübungen sind inklusive. Mehr als die Steine am Donauufer brauchen wir nicht dafür. Und für die Belohnung sorge ich selbst: Zu Hause gibt es ein übrig gebliebenes Schokoladen-Ei.





