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LEITARTIKEL · ROCKERMILIEU: Gefährliche Entwicklung

Das Thema Rocker war bislang weit weg von uns. Jetzt ist es da. Doch von einem Rockerkrieg zu sprechen, ist unnötige Angstmacherei. Ein Leitartikel von Hans-Uli Mayer

HANS-ULI MAYER | 2 Meinungen

Das Thema Rocker war bislang weit weg von uns. In den USA, vielleicht noch in Hamburg, jedenfalls nicht in der schwäbischen Provinz. Dabei gibt es so genannte Chapter als örtliche Rocker-Organisationen und ähnliche Gruppen schon lange auch in Ulm. Traditionell vertreten in der Region sind die Bandidos und die Outlaws; in den letzten Jahren kamen die Rock Machine und die Black Jackets hinzu. Und mit ihnen eine Reihe von Straftaten und Problemen, die eine neue Qualität darstellen.

Historisch gesehen ist die Rockerbewegung Anfang der 60er Jahre entstanden, als sich aus Vietnam heimgekehrte Soldaten nicht mehr in der bürgerlichen US-Gesellschaft zurecht fanden und eine in sich geschlossene Subkultur bildeten. In diese Zeit fällt das Roadmovie "Easy Rider", ein verklärt-harmloses Bild von der großen Freiheit auf zwei Rädern. Heute aber ist von der einstigen Sub- und Protestkultur wenig übrig geblieben.

Zumindest legen die Meldungen des vergangenen Jahres in Ulm und Neu-Ulm den Schluss nahe, dass sich Rocker und ihnen ähnliche Gruppe zunehmend kriminalisieren. Immer mehr machen im Rotlicht-Milieu ihre Geschäfte, bewaffnen sich und handeln mit Drogen aller Art. Wie brutal sie bei der Durchsetzung ihrer Interessen mitunter vorgehen, zeigen die jüngsten Vorkommnisse in der Blaubeurer Straße oder im Neu-Ulmer Industriegebiet.

Freilich wird diese Entwicklung von der Polizei sehr ernst genommen, wie die Fahndungserfolge der vergangenen Wochen zeigen. Die sowieso schon schwierige Arbeit der Beamten wird nicht gerade einfacher, wenn die Konflikte innerhalb des Rockermilieus politisch oder publizistisch motiviert zu einer kriegerischen Auseinandersetzung hochstilisiert werden. Von einem "Krieg" zu sprechen, wie dies mancherorts getan wird, ist inhaltlich nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, weil es den Eindruck erweckt, als sei man hierzulande seines Lebens nicht mehr sicher.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen links und rechts der Donau deutet nichts auf einen derartigen Krieg hin, obwohl in Neu-Ulm im Dezember der Chef einer Sicherheitsfirma erschossen wurde. Schon gar nicht auf einen Rockerkrieg um die Vormachtstellung im Rotlicht-Milieu. Diese Wortwahl mag populär sein, sie ist aber unangemessen, geht vor allem am wirklichen Problem vorbei. Hier wie dort geht es schlicht und ergreifend um Kriminalität, die die Polizei aufzuklären und die Justiz zu ahnden hat. Alles andere ist unnötige Angstmacherei.

Polizei und Justiz sind also gefragt, aber nicht nur Sie. Seit Inkrafttreten des Prostituiertengesetzes 2002 hat sich das Gesicht der Blaubeurer grundsätzlich verändert: Tagsüber strömen dort die Menschen in die Geschäfte und Märkte, nachts in Clubs, Striptease-Lokale und Bordelle. Zu letzterem mag man moralisch stehen wie man will, aber offenbar gibt es in der Gesellschaft eine große Nachfrage nach käuflichem Sex, und so greift das Angebot weiter um sich. Die Frage ist nur, ob dabei alles legal zugeht und ob alles auf so engem Raum konzentriert sein muss.

Hier kommt die Stadt ins Spiel, die rechtlich zwar nicht allzu viele Möglichkeiten hat, mit etwas Phantasie und Geschick aber eben doch beschränken und lenken kann. Insofern sollten die Stadträte nicht nur am Handel, sondern auch am Wandel an und um die Blaubeurer Straße interessiert sein.

2 Kommentare

25.03.2013 11:00 Uhr

Rocker Teil 2

Und wieder einmal versuche ich zu hinterfragen, warum rockerähnliche Gruppierungen wie die Black Jackets immer eine fette Überschrift mit Rocker bekommen????? Wo wurden illegale Dinge gefunden, wer streitet um die Türen, wer begeht eine Straftat nach der anderen???????? ROCKERÄHNLICHE GRUPPIERUNGEN, das steht doch jedes mal weiter unten im Text... Warum kann man es denn nie, wirklich nie auch schon in den fetten Überschriften auf den Punkt bringen, dass es sich nicht um die regionalen MC`s handelt, sondern um eben diese Gruppierungen, zu denen ich mich nicht äussern will

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24.03.2013 16:36 Uhr

Leitartikel . Rockermilieu :

Und warum wird nichts an der Situation geändert ?

Ganz einfach :
die Herrschaften die über die Zulassung zu entscheiden haben sind doch wahrscheinlich selbst

" Stammgast "

im Milieu.

Die Zulassung kann man schnell entziehen -- wenn man will !!

Einfach einmal nachschauen welche Personen sich NACHTS in den Vergnügungsstätten aufhält -

Man würde sich wundern welch ein Personenkreis da verkehrt !!!

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