Kunst und Getreide

Seit Herbst ist Isabel Greschat offiziell Chefin im Museum der Brotkultur. Nun zeigt sie ihre Handschrift und stellt ihr Programm vor. Es geht immer noch um Kunst, aber auch um das Thema Ressourcen.

LENA GRUNDHUBER |

"Was macht man eigentlich, wenn das Thema Brot abgearbeitet ist?", werde sie häufig gefragt, erzählt Isabel Greschat amüsiert. Und gibt umgehend die Antwort: "Da gehen uns die Ideen in den nächsten 50 Jahren bestimmt nicht aus!" Den Beweis will sie nun mit dem Jahresprogramm 2016 antreten, in dem die neue Chefin des Museums für Brotkultur einige eigene Akzente setzt.

Sowie die aktuelle Ausstellung "Was is(s)t die Welt?" abgebaut ist, wird mit "Lebensstoff Wasser" der erste Teil einer Ausstellungstrilogie zu den unveräußerlichen Grundgütern beginnen, die der Mensch zum Leben braucht: Wasser, Boden und Luft. Neben einer Wissensebene wird dabei auch dem besonderen Charakter des Museums Rechnung getragen, mit Fotografien von Edward Burtynsky, einer Meeres-Installation der Künstlerin Juliette Israel, Werken von HA Schult aus seinem internationalen Projekt "Action Blue" und Arbeiten des Künstlerpaars Steiner/Lenzlinger.

Woran sich eine weitere Verschiebung in der Museumsarbeit zeigt: Künftig wird der eigene Sammlungsbestand verstärkt durch Leihgaben ergänzt. So auch im Herbst bei "Essen für die Ewigkeit", einer Ausstellung über Grabbeigaben aus verschiedenen Kulturen. "Aufhänger sind unsere ägyptischen Exponate", sagt Greschat. "Wovon leben die Toten im Totenreich?" - das haben sich nicht nur die alten Ägypter gefragt. Bis ins späte Mittelalter seien Lebensmittel als Grabbeigaben zu finden, erklärt die Museumsleiterin.

In der Ausstellung "Gastmahl", die bis zum Beginn des Jahres 2017 laufen wird, sind dann diverse zeitgenössische Künstler eingeladen, Stücke aus dem Depot des Museums in Dialog mit der eigenen Arbeit zu bringen. "Da bin ich selber gespannt, was draus wird", sagt Greschat, die damit wieder einmal den "Spagat zwischen Kulturgeschichte und Kunst" wagen will.

Einige neue Formate finden sich auch im Veranstaltungsprogramm. Beim "Kunstschmaus" an jedem ersten Mittwoch im Monat sollen je drei oder vier Werke gemeinsam betrachtet werden, damit hinterher bei einem Essen darüber gesprochen werden kann. Der erste Durchlauf sei schon gut angekommen, sagt Isabel Greschat. Noch konzentrierter ist das "Kunstkonfekt" konzipiert: kleine Vorträge zu je einem einzigen Werk aus der Sammlung, denn allein in Salvador Dalís "Buste de femme retrospective" stecke mehr als genug drin für eine eigene Führung, wie die Kunsthistorikerin findet; Premiere ist am 5. Juni.

Ganz nah am Thema Brot ist die Reihe "Urgetreide neu entdeckt", mit der man einen Trend aufgreife, wie Greschat sagt: "Es gibt ein Bewusstsein dafür, dass es sinnvoll ist, vielfältige Getreidesorten zu haben." Zu erwarten ist etwa ein Vortrag mit Verkostung zum Schwäbischen Dickkopfweizen. Im Herbst steht eine Vortragsreihe zum "Vulkanwinter 1816/17" an, der zu Missernten und Hungersnöten führte.

Die Besucher forderten vom Museum auch die Auseinandersetzung "mit dem, was heute ist", mit der Politik von Konzernen wie Monsanto zum Beispiel, sagt Isabel Greschat. "Das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen dem, was man hier tut und dem, was in der Welt geschieht, ist deutlich höher geworden." Deshalb sollen Themen wie die Welternährung künftig in der Dauerausstellung abgebildet sein, die 2017 neu präsentiert wird. Der Kern des Museums bleibt aber unangetastet: "Es wird ein großer Schwerpunkt auf der Kunst liegen."

Im Jahr 2016

Die Ausstellungen "Was is(s)t die Welt?" ist noch bis 24. April im Museum der Brotkultur zu sehen, dazu führt am Sonntag, 15 Uhr, Agrarwissenschaftlerin Sabine Wunderlich durch die Ausstellung. Darauf folgt von 8. Mai bis zum 28. August "Lebensstoff Wasser", der erste Teil einer Grundgüter-Trilogie. Nach dem Sommer geht es von 11. September bis 20. November weiter mit "Essen für die Ewigkeit. Grabbeigaben aus verschiedenen Kulturen". Zum Jahresabschluss werfen Künstler ab 4. Dezember Blicke auf die Sammlung unter dem Aspekt "Gastmahl".

Nächste Veranstaltungen In der Reihe Urgetreide ist am Donnerstag, 18. Februar, 19 Uhr, die Sorte Emmer an der Reihe. Dazu gibt es einen Backworkshop mit der Schapfenmühle Ulm. Anlässlich des 90. Geburtstags von Hermann Eiselen und 25 Jahre Museum im Salzstadel hält am Mittwoch, 2. März, 19 Uhr, Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall einen Vortrag über "Ländliche Entwicklung".

Informationen Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr. Weitere Infos: www.museum-brotkultur.de

 

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