Neu-Ulmer Konzertsaal droht Abbruch
Neu-Ulm. Der Umbau in der Neu-Ulmer Innenstadt schreitet voran. Der Konzertsaal hat einen neuen Besitzer, der ihn abbrechen will. Auch die Eigentümerin des Bettenhauses Renftle will das Haus am Petrusplatz verkaufen.
Was das Traditionsbettenhaus Renftle am Petrusplatz betrifft, gegründet im Jahr 1933, ist die Zukunft noch offener. Inhaber Günter Stemmler hat der SÜDWEST PRESSE gegenüber bestätigt, dass die Eigentümerin das Haus verkaufen will. Erste Gespräche mit dem Ulmer Bauträger Realgrund, der das Weiß-Areal und die Flussmeisterei am Jahnufer bebaut, seien gescheitert – weil keine Tiefgarage möglich sei. Stemmlers Mietvertrag läuft noch über ein Jahr: „Wenn nicht verkauft wird, dann werden wir hier noch die nächsten Jahre zu finden sein.“ Unterschrieben sei bislang gar nichts, die Kunden des Bettenhauses müssten sich vorerst auch keine Sorgen machen.
Der Verkauf des Konzertsaals, der nicht unter Denkmalschutz steht, ist dagegen bereits unter Dach und Fach und wurde von der Immobilienbüro von Sebastian Hirn aus Senden eingefädelt. Er arbeitet mit Rolf Kunze Immobilien aus Langenau eng zusammen. Nach Auskunft Hirns hätten Statiker und Architekten das Gebäude untersucht und festgestellt, „dass es nicht mehr zu retten ist“. Eine Sanierung sei unmöglich, vor allem die leerstehenden Geschosse über dem Café befänden sich in einem katastrophalen Zustand. Sie seien einsturzgefährdet. Die Balkone dürften nicht mehr betreten werden, die Stromleitungen seien gekappt worden.
Erste Überlegungen, das Café im Erdgeschoss zu erhalten und in den Neubau zu integrieren, hätten sich wegen der schlechten Bausubstanz zerschlagen. Hirn: „Wenn dort eine neue Lampe aufgehängt wird, kommt die halbe Decke runter.“ Der Mietvertrag mit dem Café laufe bis September 2012, „und wir werden ihn auf alle Fälle einhalten“, sagte Hirn. Karin Eck, der Pächterin des Cafés, habe er angeboten, später in den Neubau einziehen zu können. Allerdings müsse sie sich vorübergehend eine andere Bleibe suchen. Karin Eck äußerte sich gegenüber der SÜDWEST PRESSE ziemlich aufgelöst: „Wir sind davon ausgegangen, dass das Gebäude saniert werden kann. Jetzt aber steht unsere Zukunft auf dem Spiel.“ Bereits 2004 war sie vom Café Häberle auf dem Petrusplatz in den Konzertsaal umgezogen. Jetzt könnte sich zu einem erneuten Wechsel gezwungen werden.
Auf Anraten Hirns hat sich Karin Eck im Café Tagblatt auf der westlichen Donauinsel umgeschaut. Dort wird ein neuer Pächter gesucht. Die Konditorin würde liebend gerne ins Tagblatt einziehen, doch die Gastronomie befinde sich in einem beklagenswerten Zustand. Und die Miete sei zudem viel zu hoch angesetzt. Sollten die Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, Geld in die Hand nehmen und sanieren, „wäre der Standort mit dem schönen Biergarten für uns nahezu ideal“. Und so setzt Karin Eck auf weitere Gespräche.
Vom Abbruch des Konzertsaals ist auch das Augus-Theater betroffen, das in den vergangen 16 Spieljahren etwa 200000 Euro in den Theaterbetrieb investiert hat. Eine Brandschutzbegehung vor zwei Jahren habe eklatante Mängel offen gelegt, sagt Claudia Riese. Seither sucht das Augus-Theater in Zusammenarbeit mit der Stadt nach einer neuen Spielstätte. Mehrere Objekte, auch in Pfuhl und Burlafingen, seien besichtigt worden, hätten sich aber aus ungeeignet erwiesen. Claudia Riese hofft, die 16. Spielzeit abschließen zu können. Jeder Wechsel, so sagt sie optimistisch, berge auch eine neue Chance in sich.
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Autor: EDWIN RUSCHITZKA | 30.11.2011
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Dem Konzertsaal in Neu-Ulm droht der Abbruch.
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Kommentare (1)
NU21
Neu-Ulm hat genau eine Vorzeigelocation, was den theatralen Kulturbetrieb angeht. Wäre doch schade, wenn dieser abgerissen würde. Klar, wenn die Bausubstanz zu marode ist, dann hilft alles Klagen nichts, Abrissbirne ran.Aber: Es würde in diesem Falle doch lohnen, das mal breit zu treten und den existierenden Stimmen Gehör zu schenken, die sagen: Sanierungsfähig!
Und ja: Ich glaube, hier ist die Stadt gefragt, denn es geht um mehr, als eine Immobilie. Es geht um Stadthistorie und Stadtkultur. Da sollte man lieber zweimal überlegen.
(PS: Ich bezweifle ja, dass ein Neubau sich hier langfristig rechnet, ist ja nicht so, als wären Neu-Ulmer Büroneubauten in der letzten Zeit so überaus erfolgreich.)