Komödien im Zweimaster
Sommertheater einmal ganz anders. Morgen, Freitag, startet die Theaterei in ihre erste Spielzeit im weißen Pagodenzelt an der Ehrensteiner Straße in Blaustein: mit Yasmina Rezas Komödie "Kunst".
Es thront auf dem Platz zwischen dem Bad Blau und der Lixpark-Gaststätte. Es ist kreisrund, hat zwei Masten und einen Durchmesser von 20 Metern. Und es ist in den kommenden Monaten die Heimat der Theaterei Herrlingen. 195 Zuschauer finden in dem neuen Theaterzelt vor der halbrunden Bühne Platz. "Jeder im Publikum hat freie Sicht auf die Bühne, kein Pfeiler stört", sagt Theaterei-Prinzipal Wolfgang Schukraft stolz. In der Tat: Die Bestuhlung ist angenehm locker. In dem fast 200 Quadratmeter großen Zelt fänden auch ein paar Zuschauer mehr noch bequem Platz.
Doch Schukraft will das seinen Zuschauern nicht zumuten: Es werden nicht mehr als 195 Tickets pro Vorstellung verkauft. Auch deshalb, weil diese Zuschauerzahl einen Vorteil hat: Schukraft braucht keinen ausgebildeten Zeltmeister, wie etwa das wesentlich größere Ulmer Zelt. Vor den Vorstellungen wird das Zelt aber vom TÜV abgenommen.
Überhaupt der Komfort der Besucher - der ist Schukraft wichtig. Als Zeltboden hat der Schauspieler, Regisseur und Dramatiker einen recycelten Kunstrasen aus Berlin geholt. "Der lag einmal auf einem Fußballplatz. Unter der Bühne sind noch die Markierungen des Strafraums zu sehen." Welcher Verein einst auf dem Kunstrasen gekickt hat, weiß er allerdings nicht.
Das Zelt kann auch beheizt werden, die Garderobe hat Schukraft in einem Container untergebracht, ein weiterer Container enthält die Toiletten. Und die Bewirtung? Die findet in einem kleineren benachbarten Gastro-Zelt statt. Das ziemlich schmucke, von Bühnenbildner Jörg Stroh möblierte Areal ist eingezäunt. Damit sich aber keiner "wie in der Tiermenagerie fühlt", zieren von Zuschauern, Schauspielerkollegen und Musikern ausgesuchte Zitate den Zaun.
Und welches Zitat hat sich der Theaterei-Prinzipal ausgesucht? "Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, und jedermann erwartet sich ein Fest" aus Goethes Faust-Vorspiel auf dem Theater. "Das ist doch eine wunderbare Hommage an eine Wanderbühne", sagt Schukraft, der dem Zelt ein ganz besondere Magie zuschreibt. "Irgendwie fühlt man sich in so einem Zelt, als wäre man unterwegs."
Was nicht der Fall sein wird. In dem etwa zweieinhalb Jahre alten Zelt, das Schukraft für 30 000 Euro von einer Wanderbühne gekauft hat, wird bis 15. September auf dem Platz zwischen Bad Blau und Lixpark-Gaststätte gespielt. Rund 60 000 Euro investiert Schukraft insgesamt in seine Sommer-Spielstätte. "Und da ist kein einziger Euro an öffentlichen Subventionen dabei", ist Schukraft stolz - sehr wohl aber Spenden von 300 Freunden der Theaterei.
Los geht das Sommertheater in Blaustein am Freitag, 20 Uhr, mit Yasmina Rezas Komödie "Kunst". Die stand schon mal vor zehn Jahren auf dem Spielplan der Theaterei. "Das ist aber keine Wiederaufnahme, das Stück ist völlig neu inszeniert", sagt Schukraft. Auch deshalb, weil neben ihm und Walter Frei ein neuer Akteur mit von der Partie ist: Walter von Have.
Vom 21. Mai an wird Walter Frei auch seine Fassung von Sebastian Sailers Singspiel "Die schwäbische Schöpfung" im Pagodenzelt spielen. Und am 16. Juli wird die schwäbische Komödie "Harry und Ludwig" aus der Feder Schukrafts im Zelt uraufgeführt.
Am 16. Juni gastiert ein prominenter Fan der Theaterei im Zelt: der aus Blaubeuren stammende Olympiasieger Dieter Baumann mit seinem Kabarett-Programm "Körner, Currywurst, Kenia". Schukraft: "Baumann hat mir erzählt, dass er früher immer schon in die Theaterei gekommen ist."
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Autor: HELMUT PUSCH | 06.05.2010
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Hereinspaziert: Theaterei-Prinzipal Wolfgang Schukraft vor seinem Pagodenzelt in Blaustein. Foto: Maria Müssig
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