Kögel geht an Humbaur
Neu-Ulm. Kögel soll als Marke mit eigener Produktion erhalten bleiben. Das versichert Ulrich Humbaur, Käufer des insolventen Fahrzeugherstellers. Nicht gesichert ist die Zukunft des Kögel-Standorts im Ulmer Donautal.
Die meisten Arbeitsplätze bei Kögel sollen erhalten bleiben. Mit dieser guten Nachricht gingen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und der Kögel-Käufer Ulrich Humbaur gestern vor die Presse. Demnach wird Humbaur von den 711 unbefristet angestellten Beschäftigten 442 übernehmen. Das seien gut 60 Prozent der Belegschaft und weit mehr als nach den Plänen der anderen Kaufinteressenten, betonte Geiwitz.
Humbaur, dessen Unternehmen in Gersthofen bei Augsburg Lkw- und Pkw-Anhänger und seit drei Jahren auch Sattelauflieger herstellt, will Kögel als eigene Marke erhalten. Auch sollten Entwicklung und Produktion an einem eigenen Standort fortgeführt werden: "Alle wesentlichen Bestandteile werden bei Kögel bleiben." Nach der zweiten Insolvenz innerhalb von fünf Jahren brauche Kögel "wieder einen Unternehmer, der zum Unternehmen steht". Er sei sicher, dass Kögel die Position als drittgrößter Hersteller von Sattelaufliegern in Europa halten, vielleicht sogar zur Nummer zwei aufsteigen werde. "Wir sehen das Ganze langfristig", sagte der 48-jährige Unternehmer.
Kurzfristig allerdings verlieren 233 Kögel- Beschäftigte den Arbeitsplatz. Sie werden Geiwitz zufolge von einer Transfergesellschaft übernommen. Bis zu sechs Monate erhalten sie dort 80 Prozent des letzten Nettogehalts.
Ungewiss ist die Zukunft des Kögel-Standorts im Ulmer Donautal mit etwa 100 Beschäftigten. Dort sind zum Beispiel der Ersatzteile-Vertrieb, technischer Kundendienst und Reparaturwerkstatt sowie Teilefertigung untergebracht. Letztere wird Geiwitz zufolge aufgegeben. Der Kundendienst soll ins Produktionswerk nach Burtenbach (Kreis Günzburg) verlagert werden. Dort werde 21 Mitarbeitern aus Ulm die Weiterbeschäftigung angeboten, sagte Geiwitz. Reparatur und Ersatzteileversand mit zusammen knapp 60 Mitarbeitern bleiben vorläufig im Donautal, werden aber nicht vom Humbaur übernommen. Für beide Bereiche suche er noch Käufer und habe auch schon Gespräche geführt, sagte Geiweitz. Vielleicht komme auch eine Kooperation mit Humbaur zustande, der zugesichert habe, an die bisherige Kögel-Werkstatt Reparaturaufträge zu erteilen.
Bei Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft stößt dieses Vorgehen auf Unverständnis. Die Teilefertigung aufzugeben und die Reparaturwerkstatt nicht zu übernehmen, sei nicht nachvollziehbar, sagten Mario Terrasi vom Ulmer Kögel-Betriebsrat und Michael Braun von der IG Metall. Viele Ersatzteile für ältere Fahrzeuge seien nicht mehr auf Lager, müssten auftragsbezogen hergestellt werden, und nur mit eigener Teilefertigung seien kurze Reparaturzeiten zu möglich. Vor allem um Großkunden zu halten, sei "absoluter Top-Service" notwendig, sagte Braun, aber das scheine Humbaur zu verkennen.
Ebenso wie im Produktionswerk in Burtenbach wurden gestern Vormittag die Mitarbeiter am Standort Ulm von der Übernahme und den Plänen Humbaurs informiert. Geiwitz zufolge gab es Burtenbach Beifall, die Mitarbeiter in Ulm hingegen hätten fassungslos und geschockt reagiert, berichtet Mario Terrasi. Viele arbeiteten schon seit Jahrzehnten bei Kögel.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: THOMAS STEIBADLER | 31.10.2009
| Artikel twittern |
|
|
Ulrich Humbaur aus Gersthofen hat Kögel gekauft.
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Kögel-Käufer demonstriert Selbstbewusstsein
Burtenbach An Selbstvertrauen mangelt es Ulrich Humbaur nicht. Nach dem Kauf der Firma Kögel sieht der Unternehmer dem Poker mit den früheren Eigentümern um das Firmengrundstück in Burtenbach gelassen entgegen.... mehr
Wieder Hoffnung für den Kögel-Standort Ulm
Ulm Für den Standort Ulm des insolventen Trailerherstellers Kögel gibt es nun wieder eine Perspektive. Ein Personalabbau scheint aber unausweichlich.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK
