Kleingärten in Ulm und Neu-Ulm sind begehrt

Ulm/Neu-Ulm.  Im Mehrfamilienhaus wohnen und trotzdem einen eigenen Garten haben? Kein Problem. In Ulm und Neu-Ulm gibt es insgesamt fast 5000 Kleingärten. Bisweilen ist die Nachfrage höher als das Angebot.

Als Deutschland noch geteilt war und die vielen Selbstversorger-Kleingärten in der DDR nicht mitzählten, war Ulm beim Kleingarten-Ranking innerhalb Westdeutschlands stets unter den ersten fünf Städten, erinnert sich Ulrich Soldner, Leiter der Abteilung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung der Stadt Ulm. Aktuelle Rankings sind ihm zwar nicht bekannt, doch er ist sich sicher, dass Ulm immer noch im vorderen Feld liegt. Auch in Zukunft. Es sei erklärter Wille bei den jüngsten Haushaltsberatungen gewesen, dass die Kleingärten "als Erholungsgebiete für Familien" erhalten bleiben - vor dem Hintergrund des verdichteten Wohnungsbaus.

Insgesamt rund 3600 Kleingärten besitzt die Stadt Ulm, davon befinden sich 245 Gärten auf Neu-Ulmer Gemarkung. 1900 Kleingärten werden von vier Vereinen, beispielsweise in Lehr und Wiblingen, verwaltet. Weil dieses Ehrenamt aber seine Grenzen erreicht hat, betreut die Stadt die übrigen 1700 Gärten.

250 Bewerber stehen zurzeit auf der Warteliste. Lange warten müsse aber niemand, sagt Werner Laub, der in der Abteilung Liegenschaften die Pächter und die Bewerber betreut. Angebot und Nachfrage hielten sich die Waage, denn meistens gibt es pro Jahr so viele Anfragen wie Pächterwechsel. Gründe, dass ein Garten abgegeben wird, können das Alter des Pächters oder der Umzug in eine andere Stadt sein. An Gärten interessiert seien sowohl einheimische Ulmer als auch Zuzügler. Und: 70 Prozent der Neubewerber haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen etwa aus Weißrussland, aus dem früheren Jugoslawien, aus der Türkei oder aus dem Irak und sind es gewohnt, Gemüse selbst anzubauen oder im Garten gesellig beieinander zu sitzen.

Ist die Wirtschaftskrise mithin eine Ursache für die große Fluktuation, weil so mancher seine Pacht nicht mehr bezahlen kann? Dies komme selten vor, sagt Laub. Das Gegenteil ist der Fall: Wer infolge der Krise arbeitslos wurde, fragt erst recht nach einem Garten, weil er sich dort beschäftigen möchte. Und wem so manche Ablösesumme zu hoch ist - nach jeder Abgabe wird der Wert des Kleingartens samt Hütte neu geschätzt -, der wartet lieber auf eine günstigere Parzelle. Wer den Ort betreffend flexibel ist und etwas Geduld hat, bekomme beispielsweise schon für 160 Euro Pacht pro Jahr einen 400 Quadratmeter großen Garten, nennt Laub ein Beispiel.

Neuanlagen seien in Ulm vorerst nicht geplant, sagt Soldner. Einzige Ausnahme ist der Standort Wiblingen, weil dort die Nachfrage recht groß sei. Irgendwann werden vielleicht die Anlagen Binsenweiher (nicht mehr auf der Karte) und Galgenfeld erweitert.

Demgegenüber hat die Stadt Neu-Ulm neben ihren bestehenden rund 1360 Kleingärten bereits neue Gärten in ihrem Flächennutzungsplan ausgewiesen. Denn die Nachfrage ist im Neu-Ulmer Bereich größer als das Angebot. Anlagen bei Pfuhl und Offenhausen sollen langfristig erweitert werden. Und am Ortsrand von Ludwigsfeld und im Stadtteil Wiley könnten eines Tages völlig neue Kleingartenanlagen entstehen. "Im Wiley freuen sich schon 15 Parteien auf einen Garten, seit über diese Planung in der Zeitung berichtet wurde", sagt Christine Krnavek von der Neu-Ulmer Abteilung Liegenschaften. Sie erklärt sich die geringe Fluktuation in den 1360 bisherigen Parzellen damit, "dass die Gärten lange Zeit in der Familie bleiben". Die Selbstversorgung spiele dabei eine untergeordnete Rolle, heute stehen Erholung und Freizeitgestaltung im Grünen im Vordergrund.

Von den 1360 Kleingärten werden 245 von der Stadt verpachtet, 826 verwaltet der Stadtverband der Kleingärtner. Um weitere 229 kümmert sich der Kleingartenverein Pfuhl in seinen drei Anlagen, wobei auf unserer Karte nur die Anlage "Im Eile" zu sehen ist. In Burlafingen (auch außerhalb der Karte) sind es noch mal 58 Parzellen.

Während der Landesgartenschau 2008 in Neu-Ulm waren auf dem Schaugelände im Vorfeld extra vier Schrebergärten angelegt worden, damit sich die Besucher Anregungen für den eigenen Gartenbau holen konnten. Schon damals pachteten Interessenten die Gärten, pflegten sie und standen auch den Besuchern Rede und Antwort. Diese Gärten gehören heute zur dort bereits bestehenden Kolonie.

Wie viel Vereinsleben hinter einer Stadtteil-Anlage steckt, das zeigte kürzlich die Jahreshauptversammlung des Kleingartenvereins Burlafingen. Beim Jahresrückblick wurden das Weißwurstessen am Vatertag, der Vereinsausflug und das Sommerfest erwähnt, denn bei den Festen werden Überschusse erwirtschaftet. Weiter wurden bei der Versammlung neue Pächter "herzlich begrüßt". Und es wurde kundgetan: Es gibt noch zwei freie Gärten!


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Autor: CAROLIN STÜWE | 03.04.2010

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