Kaum Misstöne im Streichkonzert

2300 Mädchen und Jungen werden an der Ulmer Musikschule unterrichtet: eine Kultureinrichtung, die für Breitenwirkung und Spitzenleistungen gut ist. Finanziell wird dafür alles eng zusammengehalten.

Wenn man als Leiter einer öffentlichen Kultureinrichtung vom obersten städtischen Kassenwart gelobt wird, dann sollte man schon fast misstrauisch werden. "Unaufgeregt" und "kompetent" leite Stephan Schuh die Ulmer Musikschule, sagt Finanzbürgermeister Gunter Czisch. Dort werde auch und gerade in diesen Sparzeiten im Rahmen des Budgets gut gewirtschaftet und damit Spielraum geschaffen.

Vielleicht liegt das daran, dass Stephan Schuh nicht nur mit Noten, sondern auch mit Zahlen umzugehen versteht: In der Schule besuchte er einst die Leistungskurse Musik - und Mathematik. Alle Rechenkünste helfen Schuh freilich erstmal nicht, wenn es um den aktuellen Sparzwang in Gestalt der Konsolidierung geht. Bis 2012 muss er 83 200 Euro konsolidieren, also aus dem Budget abschmelzen. Da auf der Ausgabeseite kaum mehr etwas gedreht werden kann, steigen die Gebühren um durchschnittlich vier Prozent an. Wobei Schuh betont: "Wir wünschen uns selbstverständlich eine Musikschule, die für die Nutzer so günstig wie möglich ist."

Als Schuh jüngst vor dem Ulmer Kulturausschuss seinen Geschäftsbericht referierte, machte er aber einen recht entspannten Eindruck. Die finanzielle Situation der Musikschule stellt sich unterm Strich nämlich ziemlich positiv dar. Ein Blick in den Finanzplan zeigt, warum: Die Musikschule hat für 2010 einen positiven Budgetübertrag von 316 000 Euro. Also Geld, das die Kultureinrichtung im Rahmen ihrer Budget-Selbstverwaltung über die Jahre erwirtschaftet hat. "Diese 316 000 Euro kamen nicht von selbst", erklärt Schuh, "dahinter steckt viel Planung, und wir haben immer schon früh gesteuert."

Im Geschäftsbericht der Musikschule steht, dass die "frei verfügbaren Ausgabepositionen rigide gesteuert" werden. Konkret bedeutet das, dass Schuh InstrumentenAnkäufe und -Reparaturen sowie die Notenanschaffung für längere Zeiträume "auf Null" gesetzt hat, ebenso gab es kaum mehr Fortbildungen. "Wir haben runtergefahren, wo es nur ging." Wenn dann doch neue Instrumente angeschafft wurden, dann per Sammelbestellungen (auch im Verbund mit der Musikschule Neu-Ulm) zu günstigen Konditionen.

Schuh hat überall den "Daumen drauf", wobei er auch weiß, dass ein solch strenger Sparkurs nicht unbegrenzt einzuhalten ist, weil er irgendwann negativ auf die Qualität der Musikschule durchschlagen würde. Beim Kauf des neuen Fazioli-Flügels halfen dann "glückliche Umstände", etwa in Gestalt der Rampspergerschen Stiftung.

Was die Finanzsituation der Musikschule außerdem verbessert hat: Schuh war auf seiner Leitungsposition (wegen einer Fortbildung außer Haus) mehrere Jahre nur zu 80 Prozent beschäftigt. Bei Fachbereichs-Leitungen wurde auch mal mit interimistischen Lösungen gearbeitet, bei Neubesetzungen wurde hin und wieder "abgewartet", eine Stelle im Fachbereich "Hohe Streicher" längere Zeit nicht besetzt.

Schuh hat also allerlei Spar-Potenzial genutzt, doch nun scheinen diese Möglichkeiten ausgeschöpft, und da nun auch die Streicher-Lehrstelle nachbesetzt wird (erst gestern fanden Vorspiele statt), wird der Budgetüberschuss 2010 kaum zu halten sein. Im Übrigen plant Schuh, seinen Mitarbeitern eine einmalige Sonderzuwendung zukommen zu lassen: als Dankeschön, gerade angesichts des mauen Verdiensts der Musikschullehrer.

Jetzt bietet sich der Ulmer Musikschule eine andere Möglichkeit, Angebot und Attraktivität - ohne größeren eigenen finanziellen Aufwand - zu erweitern. Baden-Württemberg will sich mit dem Projekt "Singen-Bewegen-Sprechen/Singen-Bewegen-Musizieren" massiv für eine flächendeckende Musikerziehung der Vier- bis Zehnjährigen einsetzen. Die Musikschulen sollen dazu verstärkt mit Kindergärten und -tagesstätten sowie Grundschulen kooperieren. Maximal eine Planungsstelle wird dazu vom Land übernommen.

Für die Ulmer Musikschule ist das Projekt schon insofern attraktiv, als dass sie in Kindertagesstätten noch nicht aktiv ist. Es gibt also kaum Überschneidungen mit der musikalischen Früherziehung, "wir kannibalisieren uns nicht selbst", sagt Schuh. Die Musikschule wird zunächst im Rahmen von "Singen-Bewegen-Sprechen" mit zwölf Kitas und Kindergärten Kooperationen eingehen und hat dafür erst einmal eine 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben. "Wir können neue Schichten und eine neue Klientel durch das Projekt erreichen", freut sich Schuh. Und die Musikschule wird das nichts kosten, hingegen könnte sie durch ihre erweiterte Präsenz in Bildungseinrichtungen auch neue potenzielle Interessenten gewinnen. Freilich ist sie bereits heute mit knapp 2300 Schülern - gemessen an der Größe der Stadt - ziemlich groß.


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Autor: MAGDI ABOUL-KHEIR | 30.07.2010

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