Kabarettist Matthias Egersdörfer: Zwei Stunden derbe Banalitäten verbreitet

Auf der Bühne im Langenauer Pfleghof standen schon bessere Kabarettisten als Matthias Egersdörfer. Der Franke erwies als sich Meister des Banalen.

Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen einem knackig-kurzen Auftritt in "Ottis Schlachthof" und einem abendfüllenden Programm. Hört man dem Mittelfranken Matthias Egersdörfer mehr als zwei Stunden zu, wächst sich das Ganze schon zu einer harten Geduldsprobe aus. Mehr als derbe Banalitäten weiß der mehrfach ausgezeichnete Kleinkunstpreisträger nicht zu verbreiten - nimmt man sein jüngstes Programm "Falten und Kleben" zum Maßstab.

Dabei fängt der Fürther durchaus vielversprechend an: "Schlecht drauf?", fragt er gleich zu Beginn scheinheilig sein Publikum. Und blickt selbst grantig von der Bühne. Die Mundwinkel lässt er nach unten durchhängen, so tief, dass Angela Merkels Mimik im Vergleich dazu als freudig-erregt durchgehen könnte. "Ich freu mich furchtbar, hier auftreten zu dürfen." Wers glaubt, wird selig. Egersdörfer ätzt weiter: "Langenau? Pfleghof? Es könnt schlimmer sein." Stimmt, weil das auch fürs Publikum gilt, möchte man ihm nach zwei harten Stunden am liebsten antworten. Was weniger an seiner Situationskomik liegt, denn Egersdörfer versteht durchaus die Kunst der Improvisation. Hangelt er sich aber von einer einstudierten Nummer zur nächsten, stürzt das Niveau rapide in den Keller. Stakkatoartig kommen ihm Worte wie "Ficken", "Scheiße" und andere Derbheiten über die Lippen. Was auf Dauer nicht lustig, sondern eher primitiv rüberkommt.

Die Geschichten, die er zum Besten gibt, beispielsweise über Bastelarbeiten in der Grundschule, über eingeparkte Autos und Kauferlebnisse bei Edeka, sind banal im Quadrat. Wie sagt er kurz vor der Pause: "Wenn Ihnen die erste Hälfe nicht gefallen hat, gehen Sie besser heim. Es wird noch schlimmer." Wohl wahr, diesen Rat hätte man durchaus auch beherzigen können.


Kommentare (1)

16.03.2010 16:31 Uhr |   unbekannt

Fairerweise..

sollte man erwähnen, dass der Kritsierte zugleich Träger des deutschen Kleinkunstpreises 2010 ist.

Ohne den Auftritt selbst verfolgt zu haben: so einseitig wie der Rezensent hier urteilt, dürfte dies allein mit fehlendem subjektiven Zugang zum - derben - Humor a la Egersdörfer zu begründen sein.

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Autor: EDWIN RUSCHITZKA | 16.03.2010

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