KOMMENTAR · LEGIONELLEN: Wes Brot ich ess . . .

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Dem Gutachterbüro zur Legionellen-Epidemie in Ulm Anfang vergangenen Jahres mit immerhin 5 Toten und 64 Schwerkranken haftet zumindest der Ruch an, bei der Suche nach den Verantwortlichen keinen großen Ehrgeiz an den Tag gelegt zu haben. Auftraggeber und Finanzier, wohlgemerkt im Einvernehmen mit der Stadt, war nämlich die Strabag Property and Facility Services. Und die verwaltet das Gebäude, auf dessen Dach sich die Infektionsquelle befand.

Seit 15 Monaten ermittelt die Justiz wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, ohne dass sie vorangekommen ist. Man hat den Eindruck, dies ist nicht nur der Strabag ganz recht. Auch die Stadt begnügt sich offenbar mit der Feststellung, dass von der nunmehr sanierten Anlage keine Gefahr mehr ausgehe. Was passiert ist, war eine Verkettung unglücklicher Umstände, ein Restrisiko.

Gut, dass die Staatsanwaltschaft jetzt ein neues, diesmal hoffentlich wirklich unabhängiges Gutachten in Auftrag gibt. Denn es wäre ein Fehler, angesichts der Dimension der Ulmer Legionellen-Welle - der bisher größten in Deutschland - zur Tagesordnung überzugehen. Wer immer gepfuscht hat beim Einbau der Anlage: Er muss benannt und zur Verantwortung gezogen werden. Gerade weil es in Deutschland noch keine Genehmigungspflicht für Großklimaanlagen gibt. Sonst reden sich in Zukunft wieder alle in Frage kommenden Beteiligten raus. CHRISTOPH MAYER


Kommentare (2)

24.03.2011 10:56 Uhr |   LEGIO

Ursache der Legionellen-Kontamination

Das ist doch ganz einfach. Das in die Luft als Aerosole abgegebene Wasser muss ersetzt werden. Hierfür gibt es eine Nachspeiseleitung. Dies führt in der Regel von einer Endhärtung im Keller durchs gesamte Gebäude. Nur bei entsprechenden Witterungsverhältnissen ist die Klimaanlage in Betrieb - ansonsten stagniert das Wasser in dieser Leitung, wird warm und die Keime vermehren sich. Die Stagnation in der Bauphase ist das eine, die im n Normalbetrieb erfolgende Stagnation das andere. Aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit bis sich das Problem wiederholt. Mit einer Ultrafiltrationsanlage unmittelbar vor der Einspeisung zum Kühlturm lässt sich das Problem absolut zuverlässig lösen.
24.03.2011 07:02 Uhr |   wilfriedsoddemann

Legionärskrankheit: Tote und Kranke durch Legionellen im Trinkwasser

30.000 Legionelleninfektionen und 4.500 Todesfälle im Jahr in Deutschland: Quelle CAPNETZ Studie und u.a. Hessischer Rundfunk - Alles Wissen - Wenn Duschen krank macht - vom 11.03.2009: Jede/r 7. durch Legionellen infizierte stirbt an einer heftigen Lungenentzündung! Die Legionellen werden uns frei Haus geliefert – mit dem Trinkwasser! Im Trinkwasser Bayerns werden regelmäßig Legionellen nachgewiesen. Das wird in ganz Deutschland nicht anders sein. Technische Regeln zur Filterung und/oder Abtötung von Legionellen bei der Trinkwasseraufbereitung gibt es nicht. Die Regeln zur Elimination von Legionellen in Gebäudewassernetzen sind falsch bzw. unzureichend. Die in den technischen Regeln geforderte thermische Desinfektion und/oder Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV-Bestrahlung) sind nicht oder nicht nachhaltig wirksam.

Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
soddemann-aachen@t-online.de

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Autor: SWP | 24.03.2011

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